Exist-Gründerstipendium Wie drei Forscher vom Grundeinkommen für Gründer profitieren

Das Start-up Betterspace hat mit Hilfe des Exist Gründerstipendiums eine effiziente Heizungssteuerung entwickelt, mit der Hotels Heizkosten sparen können.

Das Start-up Betterspace hat mit Hilfe des Exist Gründerstipendiums eine effiziente Heizungssteuerung entwickelt, mit der Hotels Heizkosten sparen können.© Betterspace

Ihr Plan: eine intelligente Heizkörpersteuerung für Hotels und Büros. Und dank dem Exist-Gründerstipendium konnten die drei Forscher ihre Idee schnell zum Geschäftsmodell entwickeln.

Smarte Software für Heiz- und Klimatechnik liegt im Trend – viele Anbieter versuchen sich inzwischen in diesem jungen Geschäftsfeld. Im Jahr 2014 fiel drei Forschern bei einem gemeinsamen Projekt der Universität Kassel und des Fraunhofer Instituts für Windenergie und Energietechnik trotzdem eine Marktlücke auf: Noch kein Anbieter hatte bis dato eine Software entwickelt, die speziell auf die Bedürfnisse von Hotels zugeschnitten ist.

„Selbst die besten Hotels sind selten zu mehr als sechzig Prozent ausgelastet. Viele leerstehende Zimmer werden dennoch beheizt, weil Gäste und Personal die Heizungen nicht herunterdrehen“, sagt Christopher Müller, der gemeinsam mit Gerhard Weiß, Siwanand Misara und Benjamin Köhler eine Geschäftsidee daraus entwickelte. Der Plan: eine Software, die direkt an das Buchungssystem von Hotels angeschlossen ist – und die Heiz- und Klimatechnik intelligenter steuert.

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Viel mehr als diese Idee hatten die Gründer zunächst nicht. „Uns war klar, dass es nur eine Frage der Zeit wäre, bis andere Anbieter auf ähnliche Gedanken kommen würden“, sagt Müller: „Wir mussten also schnell ein Geschäftsmodell und ein marktreifes Produkt entwickeln, wenn wir etwas daraus machen wollen.“ Neben einem Vollzeit-Job wäre das nicht möglich, entschieden die Forscher.

Bis zu 3000 Euro pro Monat

Das Stipendien-Programm Exist bot den Ausweg: Es unterstützt Gründer aus der Wissenschaft, die aus abstrakten Ideen erst noch ein marktfähiges Geschäftsmodell entwickeln müssen, ein Jahr lang mit einem monatlichen Stipendium von 2500 bis 3000 Euro. Zusätzlich können Exist-Stipendiaten sich auch Sachmittel im Wert von 30.000 Euro finanzieren lassen. „Durch das Start-Gehalt gewinnt man den finanziellen Freiraum, sich voll auf die Gründungsidee zu konzentrieren“, sagt Müller.

Grundsätzlich eine gute Sache für Gründer in der ganz frühen Startphase – allerdings mit ein paar Fallstricken, berichtet Müller. So können Gründer etwa den Förderantrag nicht einfach selbst ausfüllen. Sie müssen ihre Geschäftsidee zunächst in Form eines Ideenpapiers bei ihrer Hochschule einreichen und sich dort beraten lassen. Denn das Stipendium bekommen sie nur, wenn die Universität mitzieht und sich verpflichtet, den Gründern einen Arbeitsplatz sowie einen Mentor zur Seite zu stellen.

Im Februar 2015 reichten Müller und seine beiden Mitgründer also ihr Ideenpapier für die „Betterspace GmbH“ bei der Universität Kassel ein. „Das war recht unkompliziert und ging schnell“, sagt Müller. Um die Einreichung des Antrags kümmerte sich dann das Team aus dem Gründernetzwerk der Universität.

Drei Angebote für jeden noch so kleinen Posten

Bis das erste Geld floss, dauerte es dennoch noch drei Monate. „In Start-up-Zeit gerechnet ist das ein recht langer Zeitraum“, sagt Müller. Während das Stipendium seither automatisch Monat für Monat überwiesen wird, gestaltet es sich zudem schwierig, das Sachmittel-Budget aus dem Exist-Programm anzuzapfen, sagt er. „Für jeden noch so kleinen Posten müssen wir drei Angebote einholen und entsprechende Antragsformulare im aufwändigen Bestellsystem der Universität ausfüllen.“

Für Gründer, die mit ihrer Idee schnell auf den Markt kommen wollen, können solche bürokratischen Abläufe empfindlich viel Zeit kosten. Die Betterspace-Gründer suchten sich daher parallel private Geldgeber. „Wir fanden zum Glück schnell einen Business Angel, der unsere Idee ebenfalls unterstützt“, berichtet Müller. „Da floss das Geld unkompliziert innerhalb von wenigen Wochen.“

Mit dem neu gewonnenen finanziellen Handlungsspielraum bauten die Jungunternehmer ein Team von inzwischen 13 Mitarbeitern auf und zogen in neue Büroräume um. Müllers Zwischenfazit: „Das Exist-Stipendium ist eine gute Sache, es hat uns den Start sehr erleichtert. Man muss sich aber frühzeitig darum kümmern, zusätzliches Kapital ins Unternehmen zu holen, damit man wirklich weiterkommt.“

 

Mehr Infos zum Exist-Gründerstipendium

Förderprogramm: Exist-Gründerstipendium

Förderanlass: Finanzielle Unterstützung für die Zeit von der Gründungs-Idee zum Geschäftsmodell oder einem Produkt

Investierte Zeit: Die Recherche des passenden Förderprogramms, das Ausfüllen der Formulare, Gespräche mit Fördermittel-Beratern/Experten usw. dauerten etwa drei bis vier Monate

Dauer vom Antrag bis zur Auszahlung: 3 Monate

Website des Exist-Gründerstipendiums: www.exist.de

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