Was ist Factoring? Factoring einfach erklärt

Was Factoring ist, ist einfach erklärt: Offene Rechnungen werden an ein anderes Unternehmen abgetreten. Das verschafft Liquidität.

Was Factoring ist, ist einfach erklärt: Offene Rechnungen werden an ein anderes Unternehmen abgetreten. Das verschafft Liquidität.© stockpics / Fotolia.com

Der Auftrag ist erledigt, die Rechnungssumme steht im Raum - doch die Zahlung lässt auf sich warten. Das verursacht nicht nur viel Arbeit, sondern kann sogar die Existenz bedrohen. Factoring-Gesellschaften bieten einen Ausweg.

Factoring – eine Definition

Von Factoring wird gesprochen, wenn ein Unternehmen Forderungen aus laufenden Geschäften an einen Dritten, die Factoring-Gesellschaft, abtritt.

Factoring – erklärt an einem Beispiel

Unternehmen X vergibt einen Auftrag an Firma Y. Firma Y fordert dafür eine Summe von 200.000 Euro. Diese Forderung über 200.000 Euro verkauft Firma Y an eine Factoring-Gesellschaft. Die zahlt die Summe an Firma Y aus und fordert sie dann von Unternehmen X ein.

Anzeige

In der Regel zahlt der Käufer, der Factor, binnen 48 Stunden die volle Summe, in diesem Fall 200.000 Euro, an den Kunden, in diesem Fall Firma Y. Die Grundidee dahinter ist es, dass Firma Y, die sonst womöglich Wochen bis Monate auf den Eingang der Rechnungssumme warten muss, kurzfristig Liquidität ergattern kann.

 Varianten von Factoring

Übernimmt der Factor etwa das Ausfallrisiko des in der Kreide stehenden Unternehmens, spricht man von echtem Factoring – beim unechten Factoring wird dieses Risiko nicht übernommen. In Deutschland dominiert erstere Variante.

Eine weitere Spielart ist das Inhouse-Factoring. Hier verbleibt das Debitorenmanagement sowie das Mahnwesen bei der Firma, die eine Forderung abtritt – sie kümmert sich also weiterhin selbst darum, dass der Kunde bezahlt. Die Forderung hat sie dennoch an den Factor verkauft. Die Factoringgesellschaft kümmert sich um das Finanzierungsmanagement und tritt ein, wenn der Schuldner ausfällt, übernimmt also das Risiko. Diese Form des Factorings macht laut dem Deutschen Factoring-Verband (DFV) 78,4 Prozent aller Factoring-Aktivitäten in der Bundesrepublik aus.

Zum Inhouse Factoring zählt auch das stille Factoring. Dabei legt der Factoringkunde die Forderungsabtretung seinen Kunden gegenüber nicht offen. In Deutschland herrscht das offene Factoring vor.

Das Standard-Factoring, das auch Full-Service-Factoring genannt wird ist eher die Ausnahme: Nach DFV-Angaben macht es 19,4 Prozent des Factoring-Volumens aus. Die Gesellschaft übernimmt hierbei die umsatzbezogene Finanzierung der Forderungen, die vollständige Risikoabsicherung für den Fall, dass der Schuldner nicht zahlen kann, sowie das Debitorenmanagement.

Eine weitere Spielart ist das Fälligkeits-Factoring. Der Anteil ist mit 2,2 Prozent in Deutschland gering. Der Unternehmer nutzt bei dieser Variante die Vorteile der Risikoabsicherung und der Entlastung beim Debitorenmanagement, verzichtet aber zunächst auf die sofortige Regulierung des Kaufpreises, also den Finanzierungseffekt des Factorings. Es geht in erster Linie darum, buchhalterische Arbeiten auszulagern. Diese Form erleichtert die Finanzplanung des Kunden, da mit dem Factor bestimmte Zahlungstermine vereinbart werden können, unabhängig von den Zahlungen der Debitoren.

Kosten von Factoring

Laut DFV kassierten die Gesellschaften im Frühjahr 2010 für ihre Dienstleistung eine Gebühr von bis zu 3,0 Prozent der Rechnungssumme. Dazu kommen Zinsen für den Zeitraum zwischen dem Ankauf der Forderung und dem Eingang der Zahlung beim Factoring-Anbieter. Der genaue Preis hängt vom Anbieter ab und ermittelt sich aus der exakten Dienstleistung: Übernimmt die Factoring-Gesellschaft nur die Forderungsfinanzierung (Inhouse)? Wie hoch ist das Risiko? Übernimmt der Dienstleister auch das Risiko? Wie zahlungskräftig sind die Kunden? Die meisten Angebote gibt es erst ab Forderungen von 200.000 Euro.

Wer sollte Factoring nutzen?

Factoring eignet sich für solche Unternehmen, die kurzfristig Geld benötigen – wegen ihres Ratings aber keinen Kredit bekommen. Mit Factoring können Unternehmen ihre Eigenkapitalquote erhöhen und die Bilanzstruktur optimieren. Dies wiederum kann zur Verbesserung des Ratings beitragen.

Für welches Unternehmen sich Factoring eignet, hängt auch von der Factoring-Methode ab. Für Firmen mit einem guten Debitorenmanagement kommt etwa die Inhouse-Methode in Frage. Grundsätzlich eignet sich das Factoring für Unternehmen mit einem breit diversifizierten Kundenkreis, mit standardisierten Produkten oder Dienstleistungen und überschaubaren Zahlungszielen. Solche Firmen bekommen von den Factoring-Gesellschaften bessere Konditionen als Unternehmen, die an wenigen Abnehmern hängen. Dann kann es sein, dass Factoring-Gesellschaften das Risiko zu groß ist, das Ausfallrisiko des Schuldners zu tragen. Zudem gibt es Mengenrabatte. Große Firmen zahlen weniger.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.