Firmenpleiten in Deutschland In diesen Branchen gibt es besonders viele Pleitegeier

Der Pleitegeier scheint eine Vorliebe für manche Branchen zu haben.

Der Pleitegeier scheint eine Vorliebe für manche Branchen zu haben.© hansien / photocase.de

Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland sinkt. Zu den Pleitegeiern gehören besonders häufig Gründer und Kleinunternehmer. Auch manche Branchen sind auffällig oft vertreten.

Dank der guten Konjunktur und der niedrigen Zinsen geraten derzeit immer weniger Verbraucher und Firmen in eine finanzielle Schieflage. In Deutschland ist die Zahl der Pleiten auch im ersten Halbjahr weiter gesunken. Betroffen von der finanziellen Bauchlandung waren nicht nur Gläubiger und rund 110.000 Beschäftigte, sondern auch die oft noch unerfahrene Firmeninhaber. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform hat die bereits mehr als 10.000 Firmeninsolvenzen in diesem Jahr unter die Lupe genommen.

Wie sieht das typische Pleiteunternehmen aus?

In mehr als vier von fünf Fällen (81 Prozent) wurde die Insolvenz von Kleinstunternehmen mit bis zu fünf Beschäftigten angemeldet. In vielen Fällen handele es sich dabei auch um Ein-Personen-Betriebe, sagt Creditreform-Sprecher Michael Bretz. Vor allem junge Unternehmer seien häufig das „Futter“ für Insolvenzen.

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Welche Branchen sind betroffen?

Neben Bauunternehmen und Händlern von Kfz-Teilen tauchen vor allem Firmen aus der Dienstleistungsbranche in der Negativ-Hitliste von Creditreform auf. Diskos, Tanzlokale und Bars haben demnach ein ähnlich hohes Pleiterisiko, wie Kurierdienste oder Umzugsunternehmen. Während Insolvenzen von Großunternehmen weiter zurückgegangen sind, entfielen im ersten Halbjahr zwei Drittel aller Fälle auf kleine Unternehmen mit einem Jahresumsatz bis höchstens 500.000 Euro.

Welche Gründe gibt es für eine Insolvenz?

Neben Managementfehlern geht es meist um eine mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Aber auch Einzel-Ereignisse wie eine bundesweite Rückrufaktion können ein Unternehmen aus dem Tritt bringen.

Seit wann gibt es in Deutschland den Trend fallender Insolvenzzahlen?

Die Zahl der Firmeninsolvenzen war zuletzt im Jahr 2009 im Zuge der Wirtschaftskrise dramatisch um 11,3 Prozent auf damals 32.930 Fälle angestiegen. Seitdem ist sie immer weiter gesunken. 2015 ging die Zahl der Firmenpleiten um 3,5 Prozent auf den langjährigen Tiefstand von 23 180 Fällen zurück. Für 2016 rechnet Creditreform mit nur noch 22.000 bis 23.000 Fällen. Bei den Verbraucherinsolvenzen hatte der Trend mit einiger Verzögerung eingesetzt und hält seit nunmehr fünf Jahren an. Im vergangenen Jahr haben 80.220 Verbraucher Insolvenz angemeldet (minus 7,2 Prozent). Nach der Prognose soll die Zahl im laufenden Jahr auf 75.000 bis 77.000 Fälle weiter sinken.

Wie wirkt sich das auf die Insolvenzverwalter aus?

Die Entwicklung sei deutlich in der Branche spürbar, sagt Daniel Bergner, Geschäftsführer beim Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID). Die aktuelle Situation sei einzigartig: „Mittlerweile haben wir noch etwa die Hälfte der Verfahrenszahlen, wie wir sie in den Nuller-Jahren hatten. Und es ist nicht absehbar, wann der Trend wieder aufhört.“ Die Branche reagiere damit, Büros zu verkleinern oder zusammenzulegen. Auch spricht Bergner von Fusionen und von Kollegen, die planen, früher in den Ruhestand zu gehen.

Welche Rolle spielt mittlerweile die Insolvenz in Eigenverwaltung?

Seit der Einführung im Jahr 2012 spielt dieses Instrument bislang keine große Rolle. Bei mehr als 23.000 Unternehmensinsolvenzen im vergangenen Jahr wurden nur 1,2 Prozent in Eigenverwaltung durchgeführt. Vor allem größere und etablierte Firmen haben davon Gebrauch gemacht. Das Ziel dabei ist eine Rettung des Unternehmens. „Unterm Strich fahren die Gläubiger damit besser“, sagt Bretz.

Warum nutzen nur wenige Unternehmer die Möglichkeit der Eigenverwaltung?

Nach Ansicht von Experten ist der geringe Anteil darauf zurückzuführen, dass sich nur wenige Unternehmen ein solches Verfahren leisten könnten. Denn auch in der Eigenverwaltung seien externe Berater teils entscheidend – entsprechende Beratung könnten sich kleine oder Kleinstunternehmen aber kaum leisten. Und schon gar nicht in der Krisenzeit. „Ein kleiner Handwerker, der von der Hand in den Mund lebt, wird das nicht in Anspruch nehmen können“, so Bergner.

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