Ratingnoten von Unternehmen Wissen Sie, wie kreditwürdig Ihre Firma ist?

Bekommt meine Firma einen günstigen Kredit, oder muss ich mit 
Wucherzinsen rechnen? Das hängt von der Ratingnote ab, mit der die Bank die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens beurteilt.

Bekommt meine Firma einen günstigen Kredit, oder muss ich mit Wucherzinsen rechnen? Das hängt von der Ratingnote ab, mit der die Bank die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens beurteilt.© tuk69tuk / getty-images

Ob eine Bank Ihrer Firma einen Kredit gibt und wie viele Zinsen Sie zahlen, hängt von der Ratingnote Ihres Unternehmens ab. Doch was ist eigentlich eine gute Note – und ab welchem Wert wird es schwierig, einen Kredit zu bekommen?

Neue Maschinen anschaffen, endlich mal wieder die Büros renovieren oder Material für einen Großauftrag einkaufen: nur drei von vielen Gründen, warum Firmen bei Banken und Sparkassen Kredite anfragen. Doch längst nicht immer vergibt das Geldinstitut den erhofften Kredit oder bietet ihn nur zu schlechten Konditionen an. Die Gründe hierfür sind für Unternehmen oft eine Blackbox. Wer mehr wissen und die Kreditwürdigkeit der eigenen Firma realistisch bewerten möchte, sollte mit seiner Bank über die Ratingnote seines Unternehmens sprechen, raten „Die KMU-Berater – Bundesverband freier Berater e. V.“. Der Verband hat jetzt eine Übersicht veröffentlicht, die hilft, Ratingnoten einzuschätzen und zu vergleichen.

Was ist eigentlich ein Rating?

Bevor Banken und Sparkassen einen Kredit vergeben, machen sie sich ein Bild von der finanziellen Situation des Unternehmens. Dieses Verfahren der Unternehmensbewertung wird Rating genannt. Das Ergebnis: eine Note, die Auskunft gibt über die Kreditwürdigkeit – die Bonität – des Unternehmens.

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Außerdem wird im Rahmen eines Ratings die so genannte Ausfallwahrscheinlichkeit beziffert: Wie wahrscheinlich ist es, dass das Unternehmen in einem Jahr insolvent ist – und folglich einen Kredit nicht zurückzahlen könnte?

Welche Bedeutung haben Ratingnoten im Zusammenhang mit Krediten?

Von der Ratingnote und der Ausfallwahrscheinlichkeit hängt maßgeblich ab, ob das Geldinstitut einem Unternehmen einen Kredit gibt. Außerdem bestimmen die Ergebnisse des Ratings auch mit über den Zinssatz und die Laufzeit des Kredits. Mit anderen Worten: Schneidet ein Unternehmen beim Ranking gut ab, muss es nur niedrige Zinsen für den Kredit zahlen und kann sich mit der Rückzahlung Zeit lassen – denn es gilt als kreditwürdig.

„Bei den Zinsen ist die Spreizung in den vergangenen Jahren wesentlich größer geworden“, sagt Carl-Dietrich Sander, Leiter der Fachgruppe Finanzierung-Rating im Verband „Die KMU-Berater“. Während große, bonitätsstarke KMUs heute auf Zinssätze „mit einer Zwei oder Drei vor dem Komma“ hoffen könnten, müssten viele andere immer noch zwischen 10 bis 12 Prozent Zinsen zahlen.

Auch bei anderen Entscheidungen rund um Kredite spielt das Rating eine wichtige Rolle: etwa wenn es darum geht, ob ein Kredit verlängert oder erhöht wird.

Müssen Banken ihren Kunden die Ratingnoten mitteilen?

Gesetzlich verpflichtet sind sie dazu nicht. Zwar hat sich die deutsche Kreditwirtschaft 2010 in einer freiwillligen Selbstverpflichtung darauf geeinigt, auf Fragen von Unternehmen bezüglich ihrer Ratings zu antworten. Das bedeutet aber nicht, dass sie unaufgefordert Auskunft geben.

„Wir erleben in Beratungen immer wieder, dass Banken und Sparkassen ihre Firmenkunden nicht über die Ergebnisse des Ratings informieren“, sagt Sander. „Und ebenso erleben wir, dass die Unternehmen nicht danach fragen.“

Was habe ich als Unternehmer davon, wenn ich das Rating meiner Firma kenne?

Carl-Dietrich Sander hält es für unabdingbar, dass Unternehmer wissen, wie die eigene Firma im Rating abgeschnitten hat. „Wer sein Rating nicht kennt, kann seine Verhandlungsposition gegenüber der Bank nicht einschätzen.“ Außerdem sei es hilfreich, um Angebote zweier Banken miteinander zu vergleichen.

Warum ist es schwierig, aus den Ratingnoten schlau zu werden?

Weil die verschiedenen Banken und Sparkassen mit unterschiedlichen Notensystemen arbeiten. Laut den KMU-Beratern verwenden beispielsweise Sparkassen für nicht insolvente Firmen Ratings von 1 bis 15; die Deutsche Bank hingegen operiert mit den Noten iAAA bis iCCC-.

Wie kann ich Ratingnoten dennoch vergleichen?

Der Verband „Die KMU-Berater“ hat jetzt eine Übersicht vorgestellt, die die Notensysteme von Sparkassen, Genossenschaftsbanken, Deutsche Bank, Commerzbank, Creditreform und Standard & Poors einander gegenüberstellt. Die Übersicht ist auf der Homepage des Verbandes abrufbar.

Daneben zeigt die Übersicht auch, welche Ausfallwahrscheinlichkeit die Geldinstitute für welche Ratingnote annehmen. So lassen sich Ratingnoten verschiedener Banken vergleichen.

Wie errechnen die Banken und Sparkassen eigentlich die Ratingnoten?

Das macht jedes Geldinstitut ein bisschen anders. Laut Sander beurteilen manche Institute Kennzahlen aus den Jahresabschlüssen oder arbeiten einen Fragenkatalog zur Unternehmensführung ab. Auf jeden Fall werde das Geschäftsgirokonto des Unternehmens analysiert.

Was ist überhaupt eine gute Ratingnote für ein kleines Unternehmen?

Nach Erfahrung der KMU-Berater erreichen kleine und mittlere Unternehmen so gut wie nie Ratingnoten auf Stufe 1. Mit einer Note auf Stufe 2 haben KMUs laut Sander eine sehr gute Verhandlungsposition.

Ab welcher Ratingnote sinken meine Chancen auf einen Kredit?

Pauschal lässt sich das nicht sagen. Denn erstens ist das Rating zwar ein wichtiger Faktor bei der Kreditvergabe, aber nicht der einzige. Und zweitens hängt die Entscheidung auch von der Kreditrisikostrategie des Geldinstituts ab: Laut den KMU-Beratern können selbst bei derselben Ratingnote einige Banken bereit sein, einem Unternehmen Geld zur Verfügung zu stellen, andere wiederum nicht.

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Dennoch bieten die Ratingnoten Anhaltspunkte für die weitere Kreditbereitschaft der Banken. Die KMU-Berater teilen die Noten in sieben Stufen ein, die sie auf Grundlage vieler gemeinsamer Bankgespräche mit Beratungskunden erarbeitet haben (siehe Tabelle der KMU-Berater).

Unternehmen mit einer Ratingnote auf Stufe 3 empfehlen die KMU-Berater bereits, nach Verbesserungspotenzialen im Unternehmen und in der Finanzierung zu suchen und diese auch zu nutzen. Auf Stufe 5 sehen die KMU-Berater einen für die Unternehmen besonders sensiblen „Graubereich“: „Während einige Institute bei diesen Noten noch eine gewisse, aber bereits eingeschränkte Kreditbereitschaft haben, ist bei anderen keine Bereitschaft für zusätzliche Kredite mehr vorhanden“, erläutert Christoph Rasche von den KMU-Beratern. Bei den Sparkassen sind das die Ratingnoten 9 und 10, bei den Genossenschaftsbanken ist es die Note 2e und bei der Commerzbank zum Beispiel die Noten 3,6 und 3,8.

Welche Fragen sollte ich meiner Bank im Zusammenhang mit dem Rating stellen?

Die KMU-Berater raten, die folgenden sechs Fragen anzusprechen:

  1. Welche Kennzahlen, Fragen und Kriterien fließen in das Rating ein?
  2. Welche Ratingnote hat das Unternehmen auf der Skala der Bank erhalten?
  3. Welche Ausfallwahrscheinlichkeit leitet die Bank aus dem Rating ab?
  4. Was bedeutet die Ratingnote für die weitere Kreditvergabebereitschaft?
  5. Was sind aus Sicht der Bank die Stärken und Schwächen des Unternehmens?
  6. Welche Verbesserungen im Unternehmen könnten das Ratingergebnis positiv beeinflussen?

Zudem empfehlen die Berater Unternehmern, nach dem ausführlichen „Erläuterungsbericht“ zum Rating zu fragen, außerdem nach der Kapitaldienstfähigkeitsberechnung, der Bilanzgliederung und dem Blankoanteil Ihres Kreditengagements. Genauere Informationen hierzu stellt der Verband auf seiner Homepage bereit.

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