Finanzen + Vorsorge Verrückte Zinswelt: Werden Kreditnehmer bald von der Bank bezahlt?

Zinsen für einen Kredit werden immer geringer, dass Kreditnehmer jedoch Zinsen bekommen, bleibt weiterhin unwahrscheinlich.

Zinsen für einen Kredit werden immer geringer, dass Kreditnehmer jedoch Zinsen bekommen, bleibt weiterhin unwahrscheinlich.© oscity - Fotolia.com

Europas Währungshüter haben die Zinsen abgeschafft. Das ist schlecht für Sparer, aber gut für Kreditnehmer. Bekommen Verbraucher bald Geld, wenn sie sich was bei der Bank leihen?

Bekommen Kreditnehmer bald Geld von der Bank für ihre Hypothek? In Spanien und Dänemark ist das schon vorgekommen. Hierzulande sei das in großem Stil nicht zu erwarten, sagt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann: „Das sind Einzelfälle, ich halte es für unwahrscheinlich, dass breitflächig Kreditnehmer demnächst Geld bekommen, wenn sie Kredite aufnehmen.“

Trotzdem bereiten sich Manager und IT-Experten auch in Deutschland auf die verkehrte Zinswelt vor. KfW-Chef Ulrich Schröder jedenfalls sorgte kürzlich für Aufregung, als er negative Zinsen für Darlehen wegen der Niedrigzinsphase nicht mehr grundsätzlich ausschloss. Denn viele Investoren werfen dem staatlichen Förderinstitut frisches Geld hinterher und sind bereit, dafür sogar noch etwas zu zahlen. „Die Frage ist: Müssen wir unseren Vorteil aus dem Funding nicht weitergeben?“, erklärt Schröder. Denkt man das zu Ende, könnten Verbraucher über ihre Hausbank günstiger an KfW-Fördermittel kommen.

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Allerdings ist die staatseigene Bank nicht mit anderen Kreditinstituten zu vergleichen, wie Weidmann im „Handelsblatt“ betonte: Die KfW als Förderbank mit öffentlichem Auftrag könne sich ähnlich günstig am Kapitalmarkt finanzieren wie der Bund selbst, „Geschäftsbanken haben eine andere Kalkulationsgrundlage“.

Zinsprämien sind für geliehenes Geld grundsätzlich möglich

Während Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) von Investoren in einigen Fällen sogar Geld fürs Schuldenmachen bekommt, müssen Verbraucher für Kredite daher noch Zinsen bezahlen. Das liegt auch daran, dass Banken bei Privatkunden einen Aufschlag einpreisen für den Fall, dass der Kunde seine Kreditraten nicht mehr zahlen kann. Dies macht Zinsprämien für geliehenes Geld unwahrscheinlicher.

Doch das muss nicht immer so bleiben, glaubt Frank Kohler, Vorstand bei der Sparda-Bank Berlin: „Negativzinsen sind sowohl auf der Anlage- als auch auf der Kreditseite möglich.“ Das aber wäre eine verkehrte Welt: Verbraucher müssten dann etwas bezahlen, wenn sie ihre Ersparnisse aufs Sparbuch legen. Und sie bekämen eine Prämie, wenn sie sich Geld leihen. „Die Welt der negativen Zinsen, die die EZB beschritten hat, bringt die Marktwirtschaft ziemlich durcheinander“, wettert der Präsident des Münchner ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn.

Sparda-Vorstand Kohler räumte kürzlich in der „Welt am Sonntag“ ein, ein solches System würde derzeit die Grenzen seiner Vorstellungskraft sprengen. Allerdings sei es beim aktuellen Stand des Zinsniveaus unseriös, negative Kreditzinsen länger auszuschließen.

Einsparungen von 78 Milliarden Euro in den letzten fünf Jahren für die deutschen Haushalte

Auch wenn es nicht so weit kommt: Kreditnehmer profitieren schon jetzt von der lockeren Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). Denn die Zinssätze sind historisch niedrig – auch wenn etwa die Konditionen für Baugeld zuletzt erstmals seit Anfang 2014 wieder anzogen. „Damit sind wir wieder bei den Konditionen von Ende 2014 angekommen“, sagt Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher des Finanzdienstleisters Dr. Klein: „Das bedeutet, dass Kunden – außer in den ersten Monaten des Jahres 2015 – nie zuvor günstiger Immobilien finanziert haben, als es momentan immer noch möglich ist.“

Nach Angaben der FMH-Finanzberatung fallen bei einer Hypothek mit zehn Jahren Laufzeit aktuell 1,54 Prozent Zinsen an. Das ist zwar etwas mehr als vor drei Monaten (1,41 Prozent), aber viel weniger als vor vier Jahren (3,98 Prozent).

Die DZ Bank beziffert die Einsparungen deutscher Privathaushalte bei den Kreditzinsen in den vergangenen fünf Jahren auf 78 Milliarden Euro – verglichen mit einem unterstellten „Normalzinsniveau“. Allerdings: Gleichzeitig kostete die Mini-Zins-Politik der EZB die Sparer im selben Zeitraum gut 190 Milliarden Euro.

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