Finanzen + Vorsorge Vorsorge: Auf was Durchstarter in den 30ern achten sollten

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Auf Wachstum ausgelegt: der Durchstarter

Auf Wachstum ausgelegt: der Durchstarter© Stephanie Wunderlich

Wenn's gut läuft bereits an später denken: In einem konkreten Fallbeispiel zeigt impulse, was ein 35-jähriger Unternehmer, dessen Firma gedeiht und dessen Familie wächst, bei der Vorsorge beachten sollte.

DER FALL

Vor zehn Jahren gründete Michael Klemme*, damals 35 Jahre alt, eine Werbe­agentur. Inzwischen beschäftigt er 15 Mitarbeiter und zahlt sich ein Geschäftsführergehalt von 120.000 Euro. Er wohnt mit seiner zweiten Frau und der drei Monate alten Tochter zur Miete. Aus erster Ehe hat Klemme bereits zwei ­Kinder, zehn und zwölf Jahre alt, die bei ihrer Mutter leben. Der Unternehmer ist privat krankenversichert, inklusive 100 Euro Kranken­tagegeld. Ernsthaft krank war er nie. Zur privaten Vorsorge zahlt er seit fünf Jahren 12.000 Euro jährlich in eine Rürup-Rente. Weitere Vorsorge betreibt er bisher nicht. Klemme hat rund 100.000 Euro auf dem Konto, als eiserne Reserve, für Anwaltskosten und Steuerzahlungen.

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DAS VORSORGE-ZIEL

Wenn Klemme nichts ändert, hat er in 22 Jahren ein riesiges Problem. Aus der gesetzlichen Rentenkasse winkt ihm kaum mehr als ein symbolischer Betrag: In ­früheren Jahren hat er 7,5 Rentenpunkte gesammelt; bei 2 Prozent Inflation und einer Rentenanpassung von 1,1 Prozent jährlich käme er damit in 22 Jahren auf 268 Euro Rente – das entspricht nach heutiger Kaufkraft 173 Euro.

Dazu hat ihm sein Rürup-Versicherer 1550 Euro Rente garantiert und 2200 Euro einschließlich Zusatzerträgen in Aussicht gestellt – wenn er bis 67 monatlich 1000 Euro spart. Das ergibt selbst optimistisch gerechnet nur 30.000 Euro Jahresrente – vor der Steuer. Um wie heute 80.000 Euro zur Verfügung zu haben, ­wären in 22 Jahren bei 2 Prozent Inflation aber schon 120.000 Euro Nettorente ­nötig. Zugleich ist es für den Unternehmer und dreifachen Vater extrem wichtig, das laufende Einkommen zu sichern, sagt Robert Hiotoglou, Vorstand des Beratungsunternehmens 4E Finanzkonzept. Auch dafür tut Klemme zu wenig: „Geld ist an sich genügend vorhanden. Es geht darum, es vernünftig einzusetzen.“

DER PLAN

Zunächst checkt Hiotoglou die Rürup-Police. Die ist für Klemme eine schlechte Wahl, auch wenn er die Beiträge steuerlich absetzen kann. Hiotoglou rät stattdessen zu einer betrieblichen Alters­versorgung. „Damit spart er nämlich nicht nur die vollen Steuern in der Ansparphase, sondern bleibt auch flexibler“, sagt der Berater. Er empfiehlt: die Rürup-Rente mit dem Mindestbeitrag von 200 Euro im ­Monat fortsetzen, dafür 1000 Euro monatlich für die Betriebsrente sparen. „Das kostet ihn fast 200 Euro weniger netto, zugleich werden 200 Euro mehr in die Vorsorge fließen.“ Die Ersparnis steht zur Einkommenssicherung zur Verfügung.

Klemme könnte etwa, wie Hiotoglou ­empfiehlt, sein Krankentagegeld aus der privaten Krankenversicherung auf 200 Euro erhöhen. Das kostet rund 15 Euro mehr im Monat.

Deutlich teurer ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Allerdings auch sinnvoll, angesichts der vielen Angehörigen, die von Klemmes Einkommen abhängig sind. Seine Frau verdient zwar als angestellte Apothekerin rund 40.000 Euro im Jahr, ist derzeit aber in Elternzeit. Für die Kinder aus erster Ehe zahlt er monatlich 900 Euro Unterhalt. Für die Berufs­unfähigkeit setzt Hiotoglou deshalb 5000 Euro Monatsrente an – die kostet rund 300 Euro pro Monat.

Zudem rät er zu einer Risikolebensversicherung für Klemmes Frau und das Baby. Seine Ex-Frau ist bereits Nutznießerin einer Risikolebensversicherung von Klemme und bekäme 400.000 Euro im Todesfall. Diese Police sollte der Werber nicht mehr selbst zahlen. Wenn er Ver­sicherungsnehmer bleibt, müsste seine geschiedene Frau Erbschaftsteuer auf die 400.000 Euro zahlen. Das lässt sich vermeiden, wenn sie selbst Versicherungsnehmerin wird. Bestenfalls setzt Klemme zudem ein Testament auf, um klarzustellen, wie er sein Vermögen verteilen will.

Sind diese Hausaufgaben erledigt, dürfte Klemme am Monatsende noch immer Geld für weitere Vorsorge übrig haben. Das fließt am besten „in drei bis vier verschiedene Investmentfonds diverser An­lageklassen“, rät der Finanzplaner – und könnte, wenn es gut läuft, im Schnitt 5 Prozent jährliche Rendite nach Kosten bringen. Zahlt er jeden Monat 500 Euro ein, hat er in 22 Jahren knapp 250.000 Euro freies Kapital nach Steuern angesammelt. Legt er dieses weiter für 5 Prozent an, kann er 1000 Euro im Monat ­abzweigen, ohne das Kapital anzutasten. Auch das schließt die Rentenlücke nicht, doch der Rest muss warten, bis die Frau wieder arbeitet, die älteren Kinder ­erwachsen sind und die Firma weiter wächst. Dann ist mehr Geld übrig.

Die 100.000 Euro Reserve bleiben unangetastet. „Ich halte den Betrag zwar für sehr hoch, empfehle aber trotzdem, das Geld verfügbar auf einem Tagesgeldkonto zu belassen“, sagt Hiotoglou: „Denn es stiftet für den Kunden offensichtlich ­einen hohen emotionalen Nutzen.“

 

Das Notgroschenkonto
Michael Klemme hat rund 100.000 Euro zurückgelegt, um im Notfall schnell höhere Anwaltskosten, Arztrechnungen und Steuernachzahlungen begleichen zu können. Das ist mehr als Nettojahreseinkommen. Experten halten für solche Fälle meist drei Moantseinkommen für ausreichend. In jedem Fall gilt: Das Notfallgeld gehört auf ein Tagesgeldkonto, sodass es stets verfügbar bleibt, auch wenn es praktisch keine Rendite bringt. Im Alltag kann die Reserve so genutzt werden, wie Klemme es macht: Außergewöhnliche Rechnungen zahlt er stets mit seinem Notfallkonto. In den Folgemonaten füllt er es dann mit seinem freien Einkommen von 500 Euro moatlich auf, bis wieder 100.000 Euro erreicht sind.

*Name von der Redaktion geändert

 

 
Der Beitrag ist Teil der großen impulse Altersvorsorge-Serie:

TEIL I: Vorsorgestrategien: Für Gründer / Für Durchstarter / Für Arrivierte
TEIL II: Vermögensaufbau mit Wertpapieren
TEIL III: Vermögensaufbau mit Immobilien: Das Eigenheim / Die Betriebsimmobilie / Der Immobilienfonds

 

 

cover-dezember-abbinderAus dem impulse-Magazin 12/2013

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3 Kommentare
  • Sepp 24. März 2014 13:40

    Naja, man dreht sich die Fälle also so, wie man sie möchte. Aber erste Frage , welcher Trottel hat Herrn Klemme aus der freiwilligen Mitgliedschaft der Gesetzlichen Krankenversicherung geholt ? Bei der Vorgeschichte war das Quatsch. Luxus hätte er sich in einer Zusatzversicherung leisten können. Top: Als Rentner wäre er so spottbillig Mitglied der Krankenversicherung der Rentner. ( Achtung dann keine bAV die wäre beitragspflichtig )

    Da wir nichts von der Unternehmensform kennen ist die bAV sowieso falsch. Und auch hier gilt es zu Prüfen ob ein Werbeagenturinhaber nicht in der Künstlersozialversicherung GRV-Pflichtig gewesen wäre. Das Angebot mit den Fonds ist zwar gut und schön, aber für die Grundsicherung , hier eher mit 2.500,- Euro als niedriger anzusetzen hat in Fonds nichts verloren. Die Annahme Geld mit 5% nach Kosten anzulegen ist Utopisch. Also eine klassische Anlage mit garantierten 1,75% Rechnungszins und einer garantierten Sterbetafel 2004G ist sicherlich beruhigender. ie Rürupp ist somit steuerbegünstigt zu erhöhen. Der Tipp mit der Risiko LV ist gut. Eine angemessene Pflegeversicherung ist zu empfehlen. Eine bAV soweit möglich sollte die Ehefrau maximal abschließen. Schließlich gibt es einen entsprechenden Tarifvertrag und wenn Sie in der GRV ist dann Voll-Riestern. Es sollte doch egal sein, wer den Vertrag abschließt, die Renten werden Sie eh zusammen genießen. Und wenn nicht, auch egal Ehegattenausgleich.

  • viktor0151 11. Januar 2014 17:35

    Ich teile die Meinung vom anderen Leser, dass wenn man es sich schon leisten kann, dann sollte in Wohneigentum investiert werden. Was ich allerdings nicht nachvollziehen kann, wieso der Herr Klemme aus der Rüruprente in die betriebliche Altersvorsorge umlenken soll? Wenn seine Firma eine Personengesellschaft ist, kann er für sich keine steuerlich begünstigte betriebliche Altersvorsorge installieren und wenn es eine GmbH ist – dann braucht er doch nicht auf die (eigene) Gehaltsumwandlung zurückgreifen, sondern gleich eine arbeitgeberfinanzierte betriebliche Altersvorsorge installieren.
    Zu bedenken ist auch, dass die Rüruprente u.A. bei Insollvenz vorm Zugriff der Gläubiger geschützt ist, was von anderen Formen der Altersvorsorge nicht behauptet werden kann. Und wenn Herr Klemme sicherheitsbewussz ist (Notgroschen von 100.000€ spricht dafür) dann wäre es falsch aus der Rüruprente auszusteigen.
    Ich würde Herrn Klemme auch eine solide Unfallversicherung empfehlen, die kostet wenig und kann im schlimmsten Fall z.B. 1.000.000€ als Leistung zur Verfügung stellen.

  • Joe 10. Januar 2014 17:28

    Das halte ich alles für komplett falsch. Was der Herr braucht- und sich auch locker leisten kann ist Wohneigentum.Ob er das selbst nutzen will oder nicht, spielt erstmal keine Rolle. Wenn man schon die Möglichkeit hat, sollte man in reale Werte investieren und nicht in irgendwas immatrielles.
    Und der Notgroschen IST viel zu groß!

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