Finanzen + Vorsorge Vorsorge: Fallbeispiel für Unternehmer in den 60ern

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Für den arrivierten Unternehmer ist Altersvorsorge ein drängendes Thema

Für den arrivierten Unternehmer ist Altersvorsorge ein drängendes Thema© Stephanie Wunderlich

Mit 60 Jahren geht es ans Eingemachte: Reicht das Vermögen für die Rente? Millionen können zu wenig sein. impulse zeigt an einem konkreten Beispiel, auf was Firmenchefs kurz vor dem Ruhestand achten sollten.

DER FALL

Frank Paul*, 60 Jahre alt, ist Alleininhaber eines Lackierbetriebs. Sein Einkommen von 120.000 Euro im Jahr versorgt ihn und seine Frau, die nicht arbeitet. Das Ehepaar wohnt im abbezahlten eigenen Haus, Paul besitzt außerdem ein Mehr­familienhaus im Wert von 680.000 Euro, belastet mit einem 400.000-Euro-Dar­lehen, das in fünf Jahren über eine ­Kapitallebensversicherung getilgt wird. Zwei Drittel des Betriebs will Paul in fünf Jahren seinem Sohn schenken. Den Rest der Firma will er seinem Prokuristen ­verkaufen, für 2,5 Millionen Euro. Dank einer Pensionszusage erhält er ab 2018 lebenslang monatlich 7000 Euro von seiner Firma. Außerdem hat er rund 150.000 Euro zur Seite gelegt.

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DAS VORSORGE-ZIEL

Paul will bald in Rente gehen, und er will keine Abstriche beim Lebensstandard machen. Er braucht rund 80.000 Euro netto im Jahr. Die Firmenrente von 84.000 Euro ist voll steuerpflichtig – ergibt 63.600 Euro netto. „Paul fehlen also bereits jetzt rund 16.400 Euro, um nach Steuern auf dasselbe Einkommen zu kommen wie heute“, rechnet Claudia Rankers vor, Finanzplanerin und Inhaberin des Rankers Family Office, die sich Pauls Fall vorgenommen hat. In 20 Jahren bräuchte Paul bei 2 Prozent Inflation schon 118.875 Euro Nettojahreseinkommen. Diese wachsende Lücke gilt es aus dem Vermögen zu schließen. Soll das mit Kapitalanlagen geschehen, müsste Paul heute gut 1 Million Euro zu 5 Prozent Rendite anlegen (siehe Tabelle unten).

DER PLAN

Paul hat gut 9 Millionen Euro Vermögen aufgebaut. 7,5 Millionen Euro stecken in der Firma, hinzu kommen Immobilien. Frei ­verfügbar sind 150.000 Euro. Doch Paul braucht Liquidität, wenn er in Rente gehen will. Er könnte das Mehrfamilienhaus verkaufen und den Gewinn und sein Erspartes anlegen. Doch selbst bei kluger Anlage gäbe das in fünf Jahren nur etwa 900.000 Euro. Zu wenig, um die Rentenlücke zu schließen. „Die nötige Rendite lässt sich nur mit hohem Risiko erwirtschaften und wird selbst dann, wie die vergangenen 15 Jahre gezeigt haben, nur selten erreicht“, sagt Rankers. Paul muss also dringend die Firma zu Geld machen. Für den Prokuristen dürfte es aber schwer werden, sein Drittel zu finanzieren. „Wenn der Nachfolger kein Vermögen mitbringt, wird er im ersten Schritt realistisch nur etwa 13 Prozent der Unternehmens­anteile erwerben können“, sagt Rankers. Mehr lässt sich aus den Erträgen der Firma kaum finanzieren. Paul kann daher nur mit gut 1 Million Euro Verkaufserlös rechnen, statt mit 2,5 Millionen Euro. Nach Abzug der Steuer bleibt nicht genug, um den Lebensstandard zu sichern. „Ab dem Jahr 2017 ist die Liquidität negativ, Paul muss also Vermögen angreifen“, sagt Rankers. Ihr Rat: „Er sollte überlegen, ob er nicht auch seinem Sohn einen Teil der Firma verkauft, statt alles zu verschenken.“

 

Die Millionen-Lücke
Frank Paul will in fünf Jahren in Rente gehen. Er wird dann eine Firmenrente von 85.000 Euro brutto im Jahr erhalten, etwa 63.600 Euro netto. Er Will jedoch 80.000 Euro. Um die Lücke zu schließen, benötigt er einen Kapitalstock, aus dem die fehlende Summe entnommen wird. Da Paul nicht weiß, wie lange er noch leben wird, soll das Geld nicht aufgezehrt werden. Weil die Inflation – unterstellt sind jährlich 2 Prozent – die Kaufkraft laufend mindert, benötigt Paul immer mehr Rente, umseinen Lebensstandard zu halten. Das Vermögen muss daher weiter wachsen. Hierfür wäre eine Rendite von 5 Prozent vor Abzug der Steuern notwendig.tabelle2

 
*Name von der Redaktion geändert

 

 
Der Beitrag ist Teil der großen impulse Altersvorsorge-Serie:

TEIL I: Vorsorgestrategien: Für Gründer / Für Durchstarter / Für Arrivierte
TEIL II: Vermögensaufbau mit Wertpapieren
TEIL III: Vermögensaufbau mit Immobilien: Das Eigenheim / Die Betriebsimmobilie / Der Immobilienfonds

 

 

cover-dezember-abbinderAus dem impulse-Magazin 12/2013

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3 Kommentare
  • Sepp 24. März 2014 13:56

    Armer Frank Paul, der besitzt ein Mehrfamilienhaus, das selbst wenn es abbezahlt ist keine Mieterträge einbringt. Also wenn das so ist weg damit. Auch in diesem Beispiel verträgt sich die Annahme von 2% Inflation mit 5% Verzinsung nicht. Warum wird aus dem Kapital nicht einfach eine sofort beginnende Rente (evtl.mit Beitragsrückgewähr) gewählt. Die Rente wird mit günstigen Ertragsanteilen Besteuert, sichert Ihn (mit Partneroption ebenfalls die Ehefrau) lebenslang ab. Die Überschussbeteiligung vermindert das Inflationsrisiko. Der Sohn könnte andererseits durch eine Beitragsrückgewähr auf nicht verbrauchtes Kapital Rückgriff haben.

    Herr Paul sollte sich lieber ein paar Gedanken um die Erbschaftssteuer und einen Pflegefall machen, den mitnehmen kann er sein Geld nicht.

  • Roy Grote 13. Januar 2014 13:12

    Sehr geehrter Herr Wittrock!

    Bitte erklären Sie einmal die Bewertung der Firma mit EUR 7,5 Mio, wenn der jährliche Ertrag nur EUR 120.000,00 beträgt.

    Im voraus vielen Dank für Ihre Bemühungen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Roy Grote

    • impulse 17. Januar 2014 16:39

      Sehr geehrter Herr Grote,
      der Text war offenbar etwas missverständlich formuliert. Die 120000 Euro sind nicht der Ertrag der Firma, sondern das Geschäftsführer-Gehalt. Zu der GmbH haben wir folgende Annahmen getroffen: Sie hatte zuletzt einen Gewinn von 750.000 Euro nach Steuern. Daraus überschlagen wir einen Firmenwert von 7,5 Mio Euro (über Gewinn-Multiple, unter der Annahme, dass der Gewinn erst kurzfristig so hoch lag und die Aussichten gleichbleibend sind). Über das angesetzte Multiple kann man sicherlich diskutieren. Finanzplanerin und Unternehmer hielten es jedoch für angemessen.

      Herzliche Grüße aus der Redaktion

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