Altersvorsorge mit Indexpolicen Aktienanteil statt Garantiezins – was taugen Indexpolicen?

Für das Alter sparen - schwierig in Zeiten der Niedrigzinsphase. Versicherer präsentieren Indexpolicen als Alternative zu klassischen Renten- und Lebensversicherungen. Doch ist das sinnvoll?

Für das Alter sparen - schwierig in Zeiten der Niedrigzinsphase. Versicherer präsentieren Indexpolicen als Alternative zu klassischen Renten- und Lebensversicherungen. Doch ist das sinnvoll?© Monique Wüstenhagen/dpa

Herkömmliche Rentenversicherungen werfen kaum noch was ab. Versicherer bewerben daher Indexpolicen, bei denen Überschüsse an der Börse investiert werden. Ist das eine Mogelpackung?

Der Neuabschluss einer herkömmlichen Lebens- oder Rentenversicherungen lohnt sich kaum mehr: Die niedrigen Zinsen machen den Vorsorgeklassiker zum schlechten Geschäft – für die Kunden, aber auch für die Anbieter. Etliche große Versicherer wollen deshalb die klassische Lebensversicherung nicht mehr anbieten. Eine neue Produktgruppe soll es richten: Indexpolicen. Sie versprechen Rendite-Chancen ohne Verlustrisiko. Ein sinnvolles Konzept, sagen die einen. Alles nur eine Marketingmasche, die anderen.

„Indexpolicen reihen sich ein in die Absichten vieler Anbieter, nicht mehr die klassischen Lebens- und Rentenversicherungen ins Schaufenster zu stellen“, sagt Lars Heermann, Bereichsleiter Analyse bei der Ratingagentur Assekurata in Köln. Die neuen Angebote der Versicherer bieten nur noch einen reduzierten oder gar keinen Garantiezins mehr an. Im Gegenzug versprechen sie höhere Rendite-Chancen.

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Die Besonderheit: Die Überschüsse, die der Versicherer erwirtschaftet, „werden in eine Beteiligung an einem Wertpapierindex angelegt“, sagt Heermann. Das Geld wird jedoch nicht direkt in einen Index investiert, sondern in Derivate, die den Index nachbilden. Der Analyst sagt: „Indexpolicen sind im Grunde ein konservatives Anlageprodukt.“ Denn die eigentlichen Beiträge fließen zu 100 Prozent in den konservativen Anlagestock des Versicherers.

Nachteile von Indexpolicen

„Es hat den Anschein, als versuchen die Versicherer mit den Indexpolicen auf der Welle der Indexfonds mitzuschwimmen, die wir ja auch empfehlen“, sagt Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg. Eine Indexpolice sei aber im Grunde eine kapitalgedeckte Lebensversicherung. Aus Sicht der Verbraucherschützer haben Indexpolicen zwei Nachteile. Erstens: „Damit der Versicherer Überschüsse investieren kann, muss er erstmal welche erwirtschaften“, erklärt Becker-Eiselen. Ohne Überschüsse gibt es keine Indexbeteiligung. Zweitens: Auch wenn der Versicherer Überschüsse investiert, profitiert der Kunde nicht immer von der Entwicklung am Aktienmarkt. Denn die Wertsteigerung, die mit den Überschüssen erzielt wird, ist meist durch eine Quote oder einen Cap gedeckelt.

Bei einer Quote profitiert der Versicherte nur anteilig von der Kursentwicklung, beispielsweise mit 70 Prozent. Ein Cap begrenzt den maximalen Wertzuwachs pro Monat auf beispielsweise drei Prozent des Gesamtkapitals. „Das ist der Preis für die Gewissheit des Kunden, dass er keine Kapitalverluste befürchten muss“, erklärt Heermann. „Über das Jahr gemittelt, gleichen die schlechten Monate die guten oft wieder aus.“ Am Ende bleibt so oft nur der Kapitalerhalt – ohne Rendite. Becker-Eiselen kritisiert: „Die Gewinne deckelt der Versicherer jeden Monat, aber die Verluste reicht er voll durch.“

Die Deckelung durch eine Quote oder einen Cap sei notwendig, um Schwankungsrisiken am Kapitalmarkt auszugleichen, argumentiert Simon Frost vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). „Dafür können sich Kunden darauf verlassen, dass sie auch in schlechten Börsenjahren keine Verluste hinnehmen müssen.“ Vor Abschluss einer Indexpolice sollten sich Verbraucher – wie bei jedem Sparprodukt auch – über die Chancen und Risiken aufklären lassen.

Das Risiko werde vom Anbieter auf den Verbraucher verlagert

Die Zeitschrift „Öko-Test“ hat die Indexpolicen unter die Lupe genommen. Chefredakteur Jürgen Stellpflug sieht sie eher skeptisch: „Selbst die ohnehin geringen Überschüsse investieren die Versicherer nicht direkt in Aktien, sondern in irgendwelche komplizierten Produkte, die niemand durchschaut“. Das Risiko werde so immer mehr vom Anbieter auf den Verbraucher verlagert, kritisiert er.

Neben den Garantien weisen die Anbieter in ihren Prospekten auch Prognosen aus, die eine deutlich höhere Rendite versprechen. Dem sollten Verbraucher mit Skepsis begegnen: „Nach Abzug der Kosten sind bei Indexpolicen erstmal nur Verluste garantiert.“ Erst wer 90 Jahre oder älter wird, erhält laut „Öko-Test“ eine Rendite auf das eingezahlte Kapital: „Wer nur 85 Jahre alt wird, bekommt gerade mal seine Beiträge heraus“, sagt Stellpflug.

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„Angepasste Garantien geben den Unternehmen mehr Flexibilität bei der Kapitalanlage“, hält Frost dagegen. Damit steige für die Kunden die Chance auf höhere Renditen. Gleichzeitig hätten Versicherte die Sicherheit eines konservativen Anlageprodukts: „Auch bei Indexpolicen ist eine lebenslange Rentenzahlung garantiert.“ Viele Produkte bieten auch einen garantierten Beitragserhalt zum Ende der Ansparphase.

Ratings bieten einen Überblick über die Qualität von Anbietern

Wer eine Indexpolice abschließen will, sollte auf Folgendes achten: „Wichtiger noch als die Merkmale des Produkts ist die Qualität des Anbieters“, sagt Heermann. Schließlich sinken seit Jahren die Überschussbeteiligungen branchenweit. Nur finanzstarke Versicherer erwirtschaften überhaupt eine Rendite. „Wer keine klassische Rentenversicherung mehr im Programm hat, bietet häufig auch keine hohen Überschüsse mehr.“ Einen ersten Überblick, welche Anbieter gut dastehen und welche nicht, bieten Ratings.

Verbraucherschützerin Becker-Eiselen hält davon wenig: „Für mich ist das schlicht eine Mogelpackung.“ Von den Produkten die derzeit am Markt sind, sei aus ihrer Sicht kein einziges empfehlenswert. Ihr Fazit: „Im Grunde passen Lebens- und Rentenversicherungen einfach nicht mehr in die heutige Zeit.“ Verbraucher kämen nicht daran vorbei, ihre Altersvorsorge auf mehreren Säulen aufzubauen.

Auch Stellpflug findet deutliche Worte: „Der Kunde hat bei diesen Produkten die Wahl zwischen Pest und Cholera. Guten Gewissens kann man das nicht empfehlen.“ Er rät: „Kaufen Sie nur Produkte, die sie verstehen.“ Damit würden viele der neuartigen Tarife ausscheiden: „Indexpolicen sind so kompliziert, dass selbst Experten die Konstruktion kaum durchschauen.“

1 Kommentar
  • Wilfried Strassnig 1. Dezember 2016 16:00

    Vom Steuervorteil -maximal 8%- bei Rentenbeginn mit 67 und einer lebenslangen
    Rente hat der Verbraucherschutz noch nie etwas gehört…..
    Dieser Steuervorteil ist natürlich, wie bei Verbraucherschützern halt so üblich,
    auch nicht im Vergleich berücksichtigt.
    Schlecht wenn man sich in den Medien nicht zurechtfindet.
    Einfach melden, ich helfe auch Leuten, nicht nur alten, über die Straße……
    Die alte Geschichte, man haftet nicht, sitzt in der warmen Beamtenstube, und haut halt jeden Schrott raus!

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