Höhere Krankenkassenbeiträge Privatversicherte müssen monatlich bis zu 130 Euro mehr zahlen

Diese Meldung dürfte den Blutdruck bei DKV-Versicherten in die Höhe treiben: Die Beiträge für die Krankenversicherung steigen um 7,8 Prozent.

Diese Meldung dürfte den Blutdruck bei DKV-Versicherten in die Höhe treiben: Die Beiträge für die Krankenversicherung steigen um 7,8 Prozent.© Picture-Factory / Fotolia.com

Auf hunderttausende Privatpatienten kommt eine drastische Erhöhung ihrer Versicherungsbeiträge zu: Versicherte der zweitgrößten privaten deutschen Krankenkasse müssen ab 1. April monatlich bis zu 7,8 Prozent mehr zahlen.

Zum 1. April erhöhen sich die Krankenversicherungsbeiträge beim zweitgrößten privaten Krankenversicherer, der DKV, über alle Tarife der Vollversicherten hinweg um 7,8 Prozent. Das bestätigte Sprecherin Sybille Schneider am Donnerstag in Düsseldorf. Das bedeute Steigerungen pro Monat um bis zu 130 Euro.

Man habe den Anstieg auf 129,90 Euro im Monat beschränkt, für über 65-Jährige auf 79,90 Euro, sagte die Sprecherin. Um einen noch größeren Beitragssprung zu vermeiden, habe man 439 Millionen Euro aus Rückstellungen eingesetzt. Knapp 60 Prozent der rund 815 000 Vollversicherten seien in diesem Jahr von einer Beitragsänderung betroffen.

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Mehr Leistungen oder einbrechendes Neugeschäft – woran liegt’s?

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach wertete die Erhöhung als Beleg dafür, dass es für die private Krankenversicherung ans „Eingemachte“ gehe. Das Neugeschäft breche ein, die Niedrigzinsphase schmälere zunehmend auch die langfristigen Geldanlagen der Versicherer, sagte er dem Berliner „Tagesspiegel“. Von diesen Problemen seien alle Anbieter betroffen.

Als Hauptgrund für die deutliche Beitragserhöhung nannte DKV-Sprecherin Schneider den starken Leistungsanstieg. Sie wies darauf hin, das die Beitragssteigerung in den vergangenen beiden Jahren mit 2,3 Prozent und 1,1 Prozent relativ moderat ausgefallen sei.

Aufgrund der vom Gesetzgeber vorgegebenen Systematik bei der Beitragsberechnung komme es bei privaten Versicherern immer wieder zu solchen Beitragssprüngen. Seit Jahren bemühe man sich ohne Erfolg um eine andere Systematik, die Beitragsanhebungen für die neun Millionen Privatversicherten in kleineren moderaten Schritten ermöglichten, hieß es beim Verband der Privaten Krankenversicherungen (PKV). Ein Sprecher sagte, die bisher geltende Systematik sei zu unflexibel und führe „zu einem unnötigen Wechsel von mehrjährigen Nullrunden und dann sprunghaft ansteigenden Beiträgen“.

Andere private Krankenversicherer erhöhen nur moderat

Die meisten privaten Krankenversicherer (rund 90 Prozent) haben den Angaben zufolge bereits zum 1. Januar ihre Beitragsanpassungen vorgenommen. Bis auf die AXA fielen sie eher moderat aus. Teilweise gebe es sogar Senkungen. So hat die Debeka als größter privater Krankenversicherer im Oktober mitgeteilt, dass ihre Beiträge auch 2016 stabil bleiben und es für 1,5 Millionen Mitglieder sogar Beitragssenkungen gebe. Zum 1. April sei dann die diesjährige Tarifrunde der Privaten abgeschlossen, hieß es.

Lauterbachs Darstellung, dass es für die private Krankenversicherung ans „Eingemachte“ gehe, wurde vom PKV-Verband zurückgewiesen.

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1 Kommentar
  • Andreas Hagen 4. März 2016 11:25

    Das kann ich nicht nachvollziehen…“moderate Erhöhungen“. Klar hören sich Erhöhungen im niedrigen einstelligen Prozentbereich erstmal gut an. Es kommt aber immer auf die Gesamtbetrachtung an und da kann ich nur feststellen: mein Beitrag bei der DKV im Januar 2009 ca. 440,- EUR. Mein Beitrag im Januar 2016 ca. 650,- EUR…!!! (…die Steigerung jetzt ab 04/2016 schiesst den Beitrag auf 754,- Euro…ohne Worte…!)

    Das ist eine Steigerung des Beitrages von knapp 48% in nur 7 Jahren(ohne die aktuelle Steigerung)…das hätte jeder gerne mal zu nur 50% als Gehaltssteigerung verbucht. Und übrigens: ich habe keinen Luxustarif, nur K95 (besser als Standard).

    Die Frage ist wie man als Versicherter mit solchen Steigerungen zurecht kommen soll und warum es hier von seiten der prüfenden Treuhänder den Versicherungen so einfach gemacht wird. Ist Altersarmut bzw starke Soziale Bedürftigkeit und Abhängigkeit vom öffentlichem Futtertrog (den dann doch wieder alle Steuerzahler tragen) tatsächlich gewollt?? Mir scheint es fast so.

    Und ganz nebenbei wird dabei auch noch die Generation abgestraft, die in den jugend- und jungerwachsenen Jahren viel viel mehr für ihre Gesundheit getan hat, als die nachrückenden Generationen (wir waren draussen anstatt am PC, haben uns bewegt anstatt den Triggerfinger trainiert, waren mit Roller, Rollschuhen und Fahrrad unterwegs…beliebig fortsetzbar…). Ich komme mir irgendwie betrogen vor.

    Die grosse Frage muss lauten: WO FÜHRT DAS HIN ??? Jedenfalls nicht in den sozialen Frieden…

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