Versicherungen für den Hausbau Welche Policen für Bauherren sinnvoll sind

Sicherer Stand?  Unfälle gehören zu den Gefahren beim Hausbau. Doch es gibt Versicherungen, die im Schadensfall einspringen.

Sicherer Stand? Unfälle gehören zu den Gefahren beim Hausbau. Doch es gibt Versicherungen, die im Schadensfall einspringen.© Kai Remmers / dpa

Beim Hausbau kann vieles schiefgehen. Um die Risiken abzusichern, gibt es zahlreiche Versicherungen. Welche unerlässlich sind - und welche nicht wirklich nötig.

Es kann immer etwas passieren beim Hausbau. Zum Beispiel wenn ein Kran umstürzt. Dann prallt er vielleicht auf das Nachbargebäude und beschädigt es. Oder er zertrümmert den davor stehenden Sportwagen. Oder, noch schlimmer: Ein Spaziergänger wird schwer verletzt. In solchen Fällen zahlt die Bauherrenhaftpflicht. „Der Bauherr ist gut beraten, eine solche abzuschließen“, sagt Inka-Marie Storm vom Verband Haus & Grund Deutschland in Berlin. Das gilt auch für die Bauleistungsversicherung. Wogegen sich Bauherren absichern sollten – eine Übersicht:

Schäden bei Bauarbeiten

Eine Bauherrenhaftpflicht leistet Schadenersatz für alle Schäden, die vom Bau und Baugrundstück ausgehen. Sie wehrt auch unberechtigte Ansprüche gegen den Bauherren ab. „Als Bauherr gilt, wer auf dem im Versicherungsschein bezeichneten Grundstück Bau-, Umbau-, Instandsetzungs- oder Modernisierungsmaßnahmen ausführen lässt, deren Planung, Bauleitung und Ausführung an einen Dritten vergeben wurde“, erläutert Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbundes (BSB) in Berlin.

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Die Bauherrenhaftpflicht sollte bereits beim Kauf eines Grundstücks abgeschlossen werden. „Dann ist der Abschluss einer Haus- und Grundbesitzerhaftpflichtversicherung überflüssig“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg bei Hamburg. Sie rät, die Deckungssumme auf fünf Millionen Euro für Personen- und Sachschäden festzulegen. Die Beitragshöhe richtet sich nach den Baukosten. Eigenleistungen müssen gesondert angegeben werden.

Wer eine Privathaftpflicht abgeschlossen hat, die ein Bauvorhaben einschließt, sollte die Bausumme mit der in der Versicherung genannten Summe vergleichen. Liegen die Baukosten darüber, entfällt der Versicherungsschutz komplett. „Dann muss eine Bauherrenhaftpflicht abgeschlossen werden“, betont Boss. Eine solche ist nach ihren Aussagen dann unnötig, wenn Haus und Grundstück von einem Bauträger gekauft werden.

Schäden am Bau

Unwetterschäden, Diebstahl von Gebäudebestandteilen oder mutwillige Beschädigung durch Unbekannte: Hierfür kommt die Bauleistungsversicherung auf. Versichert ist der Wert der Bauleistungen. „Ausgeschlossen sind Schäden durch normale orts- und jahreszeitlich übliche Witterungseinflüsse sowie mangelhafte Handwerkerleistungen“, erläutert Becker. Der Versicherungsschutz kann um weitere Risiken vergrößert werden – etwa Überschwemmungen oder Vandalismus.

Die genaue Beitragshöhe richtet sich nach den Baukosten. „Bauherren sollten mit der Baufirma und den Handwerkern klären, ob diese sich am Beitrag für die Bauleistungsversicherung beteiligen“, rät Boss. Die Versicherung kommt nach ihren Angaben nämlich auch dann auf, wenn der Schaden zu Lasten der Baufirma geht – etwa bei Folgen von Materialfehlern.

Pleite der Baufirma

Häuslebauer sollten das bauausführende Unternehmen fragen, ob dieses eine sogenannte Baufertigstellungsversicherung hat. Denn auch das ist ein Risiko, mit dem Bauherren rechnen müssen. Wenn die Firma Insolvenz anmelden muss, bleibt dem Häuslebauer nichts anderes übrig, als ein anderes Bauunternehmen zu beauftragen. Dadurch kann alles teurer werden.

Hat die Firma eine Baufertigstellungsversicherung, dann ist das für den Bauherren von Vorteil. „Die Baufertigstellungsversicherung kommt für Mehrkosten auf, die durch die Beauftragung anderer Firmen entstehen können“, erläutert Boss. Kann das Bauunternehmen eine Fertigstellungsbürgschaft seiner Bank vorweisen, dann ist diese Police unnötig.

Pleite der Baufirma während der Gewährleistung

Auf der sicheren Seite sind Bauherren auch dann, wenn die Baufirma eine Baugewährleistungsversicherung vorweisen kann. „Oft stellen Hauseigentümer noch Jahre nach der Schlüsselübergabe Gewährleistungsmängel fest“, erklärt Boss. Die Baufirma haftet für fünf Jahre. Sollte in dieser Zeit das Unternehmen Konkurs anmelden müssen, kommt die Police für eventuelle Mängel auf.

Unfall von Helfern

Wer Unterstützung von Freunden oder Familienangehörigen beim Hausbau hat, sollte für einen ausreichenden Unfallversicherungsschutz seiner Helfer sorgen, rät Florian Becker. Private Bauherren haben Melde- wie Anzeigepflichten. Ansprechpartner ist die Bauberufsgenossenschaft. Bauherren, die selbst am Hausbau mitwirken, sollten prüfen, ob sie gegen Unfallfolgen ausreichend abgesichert sind.

Tipps für den Versicherungsabschluss

„Von Versicherungsgesellschaft zu Versicherungsgesellschaft gibt es teils enorme Unterschiede bei den Prämien“, erklärt Inka-Marie Storm vom Bund Haus & Grund. Bauherren sollten daher von mehreren Anbietern Angebote für eine Bauherrenhaftpflichtversicherung und für eine Bauleistungsversicherung einholen und miteinander vergleichen. Auf dem Markt gibt es zudem viele weitere Versicherungen rund um den Bau. Häuslebauer sollten genau checken, welche solcher Policen sie wirklich brauchen – und im Zweifel Experten fragen. Das kann der Architekt sein, aber auch Fachleute des Bauherren-Schutzbundes, eines Haus & Grund-Vereins und der Verbraucherzentralen.

5 Kommentare
  • Robbe876 19. Juli 2016 10:55

    Na wenigstenst erkundigt sich keiner beim Rechtsanwalt…. der kommt gleich mit seiner Gebührenordnung und klugen Sprüchen!!!!

  • Sebastian Meier 13. Juli 2016 12:23

    Genau! Wenn ich mich über notwendige Versicherungen bzgl. eines Bauvorhabens informieren will, gehe ich natürlich zum Architekten! Schließlich wende ich mich bei Fragen zu meiner Krankenversicherung auch vertrauensvoll an meinen Hausarzt und mit Anliegen bzgl. meiner Risikolebensversicherung gehe ich direkt zum örtlichen Bestattungsinstitut.
    Wo ich mich auf jeden Fall nicht informieren werde, ist bei meinem Versicherungsmakler. Dieser könnte mir zwar einen Vergleich unter sämtlichen Versicherungsgesellschaften erstellen und würde für seine Empfehlung haften, allerdings erhält dieser für seine Arbeit eine Vergütung. Ist das zu glauben? Wieso lebt er nicht wie die anderen Dienstleister und das Internet nur von Luft und Liebe? Nein, das komt nicht in Frage. Da gehe ich lieber zu anderen Anlaufstellen, die wenigstens keinen Sachkundenachweis vorweisen müssen.

    Ein sehr trauriger letzter Satz im Artikel, den ich von einem Unternehmermagazin nicht erwartet hätte. Als Unternehmer sollte man wissen, wie wichtig und vorteilhaft ein kompetenter Versicherungsmakler als Ansprechpartner in Versicherungsfragen ist.

    • GMM 14. Juli 2016 14:25

      – Herr Meier, nicht zynisch, sondern voll und ganz die Wahrheit…!!!
      auch ich erlebe oft die Reaktion der Bauherren: „…da muss ich erst den Archtitekten fragen, ob die Versicherung gut ist…“.
      Die RLV vom Bestatter find ich auch super!!!;-)

      • Fritz Offner 15. Juli 2016 21:34

        Die Wahrheit ist doch, daß manche Berufsgruppen einen seriöseren Eindruck hinterlassen als andere. IMPULSE kann da ja wirklich nichts dafür und informiert lediglich korrekt.

        • Sebastian Meier 22. Juli 2016 12:36

          Die eigentliche Wahrheit ist nicht, dass manche Berufsgruppen einen seriöseren Eindruck hinterlassen, sondern dass von manchen Berufsgruppen in der medialen Öffentlichkeit ein seriöserer Eindruck vermittelt wird. Wenn mich ein Architekt in Versicherungsfragen „berät“ ist das weder seriös noch zulässig. Die Vermögensschadenversicherung des Architekten wird mit Sicherheit auch nicht für die Schäden aus einer eventuellen, hierbei entstandenen Falschberatung aufkommen. Den Bauherren wird’s freuen. Hier von einer korrekten Information zu sprechen ist also sehr fragwürdig. Aber Sie haben Recht: Die IMPULSE kann tatsächlich nichts dafür – Quelle ist die dpa.

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