Versicherungsschutz Was tun, wenn die Versicherung nach einem Einbruch nicht zahlt?

  • Aus dem Magazin
Alle Geräte sind weg, das Büro ist verwüstet, die Mitarbeiter stehen unter Schock, aber die Versicherung will nicht zahlen - ein Albtraum!

Alle Geräte sind weg, das Büro ist verwüstet, die Mitarbeiter stehen unter Schock, aber die Versicherung will nicht zahlen - ein Albtraum!© view7 / photocase.de

Ein Kölner IT-Berater hat nach einem Einbruch Ärger mit seiner Versicherung. Kein Einzelfall, sagen Experten. So können sich Unternehmer gegen die Schadensregulierer durchsetzen.

Anfang Januar 2016 räumten Einbrecher die Büros der Kölner IT-Beratung RIS Consulting aus. Das Unternehmen mit 17 Mitarbeitern entwickelt Lösungen, über die Büroarbeiter von unterwegs auf dem eigenen Firmenserver arbeiten können. Die Einbrecher langten ordentlich zu: Sie brachen Mitarbeiterschränke auf, stahlen sechs Apple-Laptops, dazu zahlreiche Smartphones und Tablets. Den Gesamtschaden taxiert Christian Reineke, einer der Gründer und Geschäftsführer, auf rund 35.000 Euro.

Neben dem Schock über den Einbruch haben Unternehmer und Mitarbeiter bis heute mit den finanziellen Folgen des Vorfalls zu kämpfen. Die Versicherung des Unternehmens will den Schaden nicht komplett regulieren und führt immer wieder neue Gründe dafür an. „Die sagen zum Beispiel, dass wir für den Schlüsseldienst, der nachts das Schloss repariert hat, Angebote hätten einholen sollen“, ärgert sich Reineke. Kostenvoranschläge von Handwerkern für die Reparatur der Möbel stellt die Versicherung infrage. „Mit dem Ergebnis, dass jetzt erst mal gar nichts passiert.“ Weil inzwischen einige der gestohlenen Geräte im Kleinanzeigenportal von Ebay zum Verkauf aufgetaucht sind, will der Versicherer auch dafür nicht zahlen, bis klar ist, ob man sie nicht weiter benutzen kann. Immerhin hat RIS Consulting 10.000 Euro als Abschlagszahlung erhalten.

Anzeige

Das sagt der Experte

Schadenberater Dieter Freigang aus Bernkastel-Kues, der Unternehmer im Umgang mit Versicherungen unterstützt, kennt solches Verhalten von Versicherungen. Er rät Unternehmern, mit den Versicherern zu verhandeln. Vorab sind folgende Fragen zu klären:

Greift die Versicherung bei Einbruch?

Schäden durch Einbruch sind von der sogenannten Inhalts- und Inventarversicherung gedeckt, einer Kombi-Police zum Schutz gegen Feuer, Leitungswasserschäden, Sturm, Glasschäden, Einbruch und Diebstahl. Darin sind alle beweglichen Teile im Unternehmen geschützt. Anders als bei privaten Hausratversicherungen richtet sich die Deckung selten nach der Größe der Fläche, sondern eher nach den Kosten der Wiederbeschaffung, etwa der Ware, Büroeinrichtung oder Werkstatt.

Ist der Schaden vollständig gedeckt?

Ist die Versicherungssumme hoch genug, um alle versicherten Gegenstände zum Neupreis wiederzubeschaffen und die Schäden zu beheben? Falls nicht, deckt die Versicherung nicht den Gesamtschaden – mitunter selbst bei Kleinsummen nicht.

War Bargeld korrekt verwahrt?

Bargeld bis 2000 Euro sollte nicht offen oder in einfachen Geldkassetten aufbewahrt werden, sondern in einem abschließbaren Schrank – sonst ersetzen Versicherer den Verlust nicht. Wenn deutlich höhere Summen an Bargeld versichert werden sollen, dann ist ein Panzerschrank oder ein eingemauerter Geldschrank vorgeschrieben.

Sind alle Schäden belegbar?

Die Stehlgutliste, die Unternehmer der Versicherung vorlegen, sollte mit der Liste bei der Polizei übereinstimmen, sonst drohen unangenehme Fragen und möglicherweise Ärger bei der Neubeschaffung. Für Wertgegenstände sollte man im Gespräch mit dem Beauftragten des Versicherers Kaufbelege präsentieren, mindestens aber Fotos. Die Liste sollte möglichst präzise Angaben über das Diebesgut enthalten.

Kann ich zur Not warten?

Bei strittigen Fragen können Versicherer laut Versicherungsbedingungen mit der Zahlung warten, bis sie die polizeilichen Ermittlungsunterlagen eingesehen haben, die bei der Staatsanwaltschaft liegen. Das kann mehrere Monate dauern. Bis dahin erhalten Versicherte eventuell eine Abschlagszahlung, aber nicht die volle Schadenssumme.

Bin ich auf Kleinkrieg vorbereitet?

Auch wenn Versicherer es bestreiten – Fachleute wie Freigang warnen: Bei höheren Schadenssummen stellen Regulierer bisweilen jede einzelne Forderung infrage. Er nennt die Taktik „Regulierung nach Kilo“. Das Ziel: „Die Versicherten sollen aufgeben.“ Vor allem, warnt Freigang, dürften Unternehmer nicht glauben, alle Schäden in vollem Umfang ersetzt zu bekommen. Schon 80 Prozent seien ein gutes Ergebnis. Er empfiehlt: „Setzen Sie sich mit dem Regulierer zusammen, einigen Sie sich auf die Punkte, die unstrittig sind, besprechen Sie dann die strittigen.“ Dann wird verhandelt. Haben Sie bei dem Versicherer noch andere Policen, stärkt das Ihre Position.

 

Cover_impulse_07-08_2016Mehr zum Thema lesen Sie in der impulse-Ausgabe 07/16: Leer geräumte Büros oder Werkstätten sind der Albtraum vieler Unternehmer. So schützen Sie Ihren Betrieb vor Diebstahl.

Sie können die Ausgabe als Einzelheft oder als ePaper kaufen. Übrigens: Mitglieder im impulse-Netzwerk erhalten die neueste Ausgabe jeden Monat nach Hause geliefert. Und über die impulse-App für iOS- und Android-Geräte können Sie die neuen Ausgaben bequem auf Tablet oder Smartphone lesen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.