Wohngebäudeversicherung So sichern Sie Ihr Eigenheim richtig ab

Naturgewalten, beispielsweise ein Hausbrand, können Bewohner in den finanziellen Ruin stürzen. Deshalb ist es wichtig, sich gegen die richtigen Schäden abzusichern.

Naturgewalten, beispielsweise ein Hausbrand, können Bewohner in den finanziellen Ruin stürzen. Deshalb ist es wichtig, sich gegen die richtigen Schäden abzusichern.© Maja Hitij

Sturm, Wasser, Feuer - hinterlassen Naturgewalten Schäden am Haus, springt die Wohngebäudeversicherung ein. Worauf es bei den Vertragsdetails ankommt und welche Faktoren die Prämie erhöhen.

Man plant das Traumhaus lange. Spart dafür, kappt auch nach dem Hausbau noch jahrelang das Budget, um es abzubezahlen – und dann soll dem Eigenheim bitte nichts passieren. Doch schon ein Rohrbruch kann es beschädigen. Stürme, gar ein Brand sind sogar fatal. Vor den finanziellen Folgen solcher Schäden sollte man sich absichern. Doch welche Wohngebäudeversicherung wählt man? Die Frage stellt sich gerade, wenn laut einem Tarifvergleich der Zeitschrift „Finanztest“ mehrere hundert Euro Differenz zwischen dem teuersten und dem günstigsten Anbieter bestehen.

Welche Kriterien Auswirkungen auf die Prämienhöhe haben

„In jedem Lebensbereich gibt es einen Trend zur Individualisierung. Auch bei den Versicherungen für das eigene Haus“, sagt Andreas Kutschera vom Bundesverband der Versicherungsberater. Will heißen: Der eine hat eine Solaranlage, der andere eine Sauna, der dritte lebt in einer denkmalgeschützten Villa einschließlich denkmalgeschütztem Baumbestand im Park, der gegen Sturmschäden mitversichert werden soll. Solche Details müssen im jeweiligen Vertrag berücksichtigt sein. Denn das wirkt sich auf die Prämien aus.

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Neben solchen Besonderheiten sind Alter, Bausubstanz, Vorschäden und Lage der Immobilie entscheidende Kriterien zum Bemessen des Beitrags. Ältere Häuser stufen Versicherer generell als höheres Risiko ein. Grund sind vor allem die Wasserleitungen. „Da ist Gefahr eines Rohrbruchs größer“, erläutert Kutschera. Leitungswasser verursachte nach Angaben des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) in den vergangenen Jahren jeweils mehr als eine Million Schadensfälle, die die Gesellschaften mit mehr als zwei Milliarden Euro regulierten. Keine anderen Schäden gehen so ins Geld wie die Lecks. Erst mit weitem Abstand folgen Sturm und Hagel.

Bei Neubauten stufen die Versicherer die Schadensgefahr niedriger ein. Das schlägt sich in der Prämienkalkulation nieder – und wird über die Beitragshöhe an den Kunden weitergereicht. Meist wird laut Kutschera eine Staffelprämie nach Alter des Gebäudes vereinbart. Je älter das Gebäude ohne Sanierung, umso höher auch die Prämie.

Wer in der Gefahrenzone lebt, muss nehmen, was er kriegt

Großes Risiko bedeutet in der Regel: Eigentümer zahlen entweder mehr für ihre Police, oder die Auswahl an Tarifen ist eingeschränkt. Das kann zum Beispiel bei Vorschäden und ungünstiger Lage passieren. „In der Altstadt von Köln oder Passau dürften Hausbesitzer höchstens zwei Tarife finden“, sagt „Finanztest“-Redakteur Michael Bruns. Kutschera ergänzt: „Ich lande dann bei einem teuren Anbieter, weil mir kein anderer ein Angebot macht“. Ob dieser Anbieter im Schadensfall mehr leistet, spielt dann keine Rolle – Hauptsache überhaupt versichert. Denn: „Wenn das Gebäude bereits einmal von einem Elementarschaden betroffen war, ist eine Police nicht zu bekommen“, berichtet Bianca Boss vom Bund der Versicherten.

Die Versicherungen unterteilen das Bundesgebiet in Gefahrenzonen. Bei Leitungswasser sind es Bruns zufolge meist vier Zonen, bei Sturm und Hagel zwei. Bei den sogenannten Elementarschäden – Überschwemmung, Erdbeben, Explosionen – gibt es ebenfalls mehrere Zonen. Zu welcher Risikozone das jeweilige Haus gehört, bewerten Versicherer sehr unterschiedlich. Manchmal entscheiden wenige Meter.

„Eine Versicherung zieht die Grenze in der Müllerstraße, eine andere in der Schmidtstraße 100 Meter weiter“, beschreibt Bruns eine gängige Praxis. Er kritisiert die Messlatten: „Das ist ein Problem, weil der Kunde oft nicht weiß, warum der eine die Grenze da zieht und der andere nicht.“ Der Verbraucherschützer empfiehlt daher, mindestens bei drei Gesellschaften Angebote einzuholen.

Worauf es beim Kleingedruckten ankommt

Beim Vergleich sollten Verbraucher laut Bruns darauf achten, ob der Preis für den allgemeinen Versicherungsschutz eventuell günstig, der für Elementarschäden aber hoch ist – oder umgekehrt. Unter dem Strich zählt das Gesamtpaket. Und im Kleingedruckten steckt der Teufel im Detail. Wichtig sei der Hinweis, dass der Versicherer auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet, findet Boss: „Das ist ein klarer Vorteil für den Versicherten.“

Andere Punkte sind: Brandschäden zum Beispiel durch Kaminfeuer sind abgedeckt, Aufräum- und Abbruchkosten werden bis zur Höhe der Versicherungssumme ersetzt, nach einem Brand wird das Ausbaggern von kontaminiertem Erdreich bezahlt. Die Frage dagegen, ob die Versicherung die Kosten für einen Hotelaufenthalt von 120 statt von 100 Tagen übernimmt, sind für Bruns „Kinkerlitzchen“.

Nur realistische Schäden abdecken

Teure Policen müssen nicht die besten sein. „Das sind die, die den Anforderungen an die Immobilie entsprechen“, betont Alexander Wiech vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland. Steht beispielsweise ein Haus in einem erdbebengefährdeten Gebiet wie dem Oberrheingraben oder der Schwäbischen Alb, sollte die Elementarschadenversicherung auch Schäden durch Beben abdecken. Ist Erdbeben keine realistische Gefahr, ist der Schutz verzichtbar und der Eigentümer kann eventuell einige Prämieneuro sparen.

Vorschäden müssen bei der Suche nach einer Police angegeben und Fragen wahrheitsgemäß beantwortet werden. Probleme kann es laut Haus & Grund geben, wenn Hausbesitzer den Schaden beseitigen, bevor sie die Versicherung informieren. „Fotos vom Schaden machen und Kontakt mit der Gesellschaft aufnehmen“, rät Wiech.

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