Finanzen + Vorsorge Warum investiert der Mittelstand trotz niedriger Zinsen kaum?

Welcher Factoring-Anbieter in Frage kommt, hängt von der Branche und der Unternehmensgröße ab.

Welcher Factoring-Anbieter in Frage kommt, hängt von der Branche und der Unternehmensgröße ab.© KfW Bildarchiv

Im privaten Bereich haben die niedrigen Zinsen zu einem Boom auf dem Immobilienmarkt geführt. Der Mittelstand nutzt die günstigen Bankkredite nach wie vor kaum für Investitionen. Die negativen Erfahrungen aus der Finanzkrise sitzen tief.

Von solchen Konditionen haben Unternehmer jahrelang geträumt: Für 1,26 Prozent effektiven Jahreszins können sie derzeit im besten Fall von der Förderbank KfW Geld für Investitionsvorhaben leihen. Doch nach wie vor greifen die Firmen kaum zu. „Das Zinsgeschenk der EZB wird vom Mittelstand in Deutschland nur teilweise genutzt“, sagt Hendrik Wolff von der Finanzberatung Wolff & Häcker (whf) in Stuttgart.

In einer aktuellen Untersuchung, die Wolff & Häcker zusammen mit der Unternehmensberatung Ebner Stolz durchgeführt hat, gaben etwa zwei Drittel von 103 befragten Geschäftsführern mittelständischer Firmen an, dass sich ihre Finanzierungsbedingungen in den vergangenen beiden Jahren verbessert haben. Und etwa jeder sechste Geschäftsführer der Firmen aus dem verarbeitenden Gewerbe geht sogar davon aus, dass die Zinsen in den nächsten zwei Jahren noch weiter sinken werden.

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Gleichzeitig verfügen die Firmen über eine starke Eigenkapitalbasis, weil sie Gewinne in den vergangenen Jahren einbehalten haben. Die Ergebnisse gleichen denen früherer Befragungen der KfW und Commerzbank in diesem Jahr. Trotzdem plant etwa ein Drittel der befragten Firmenchefs aktuell keine Investitionen, obwohl die Unternehmer Wachstumshemmnisse sehen. Dazu gehören neben stagnierenden Märkten auch der wachsende Wettbewerb.

Investitionen seit 2009 rückläufig

„Die geopolitische und weltpolitische Lage sorgt für Unsicherheit“, erklärt Britta Becker, Expertin für Mittelstandsfinanzierung bei Ernst & Young, die Zurückhaltung. „Die meisten wollen noch ein halbes Jahr abwarten“, sagt Becker. „Die Banken selbst sind offen. Daran liegt es nicht.“

Hinzu kommen nach den Worten von Michael Euchner von der Beratung Ebner Stolz die schlechten Erfahrungen aus der Finanzkrise. „Es gibt eine gewisse Grundskepsis, auf volle Last zu investieren.“ Viele Mittelständler hatten vor 2009 stark investiert, die Anlagen dann aber in der Krise nicht auslasten können.

Guy Selbherr, Vorstand der Bürgschaftsbank Baden-Württemberg, die Firmen bei der Kreditaufnahme unterstützt, kann das nachvollziehen:
„Der Zins allein darf nicht über die Investition entscheiden“, warnt er. Eine neue Maschine müsse auch ausgenutzt werden. „Kindergeld allein macht ja auch keine Kinder.“

Probleme sind Bonität und Sicherheit

Wird über Kredit finanziert, passiert das überwiegend kurzfristig mit Laufzeiten von unter fünf Jahren. Das liegt nach Einschätzung von Ernst&Young-Expertin Becker allerdings an den strengeren Regeln für Banken. „Wegen der Basel-III-Vorgaben gibt es aktuell auf dem Kreditmarkt keine über fünf Jahre hinausgehende Finanzierung.“

Und die niedrigen Zinsen allein reichen auch nicht als Argument für einen Kredit, sagt Selbherr. „Die Crux sind Bonität und Sicherheit.“ Wer das nicht vorweisen kann, bekommt auch keine günstigen Zinssätze – im Gegenteil: Zinsen für klassische Förderkredite könnten bei der niedrigsten Bonität bei bis zu 7,65 Prozent liegen. „Die Firmen sollten auch nicht nur auf den Zins schauen, sondern auch darauf, ob sie mit der Bank gegebenenfalls eine längerfristige Beziehung eingehen wollen“, sagt Selbherr.

Mittelständler halten Hausbanken die Treue

Dabei halten die von Ebner Stolz befragten Mittelständler ihren Hausbanken in der Regel die Treue. Die Skepsis gegenüber Finanzierungsmöglichkeiten am Kapitalmarkt oder externen Kapitalgebern wie Finanzinvestoren sei nach wie vor hoch, stellt Michael Euchner fest. Diese Haltung sei ein Generationenproblem und könnte sich in den kommenden Jahren mit Sicherheit ändern.

„Aus Sicht der Unternehmen besteht wenig Handlungsdruck“, sagt whf-Vorstand Wolff. Noch, glaubt Becker, können sich die meisten Firmen das leisten. „Der Mittelstand wird dadurch nicht zurückfallen, sondern verharrt auf dem aktuellen Niveau“, sagt sie.

1 Kommentar
  • UD 9. Oktober 2014 19:55

    „Zinsen für klassische Förderkredite könnten bei der niedrigsten Bonität bei bis zu 7,65 Prozent liegen“

    Das ist wohl sehr schlecht recherchiert: Zinsen bei niedriger Bonität liegen aktuell in Deutschland bei 16-18%. Der Artikel ist an sich völlig falsch – kein Unternehmen in Deutschland kommt an solche Kredite. Normale Zinsen liegen bei 9-12%. Es mag in Werbungen der Banken anders aussehen – einen Vertrag mit solchen Konditionen habe ich noch nie gesehen.

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