Finanzen + Vorsorge Was vor einem Euro-Crash zu tun ist

Bricht der Euro zusammen, steht bei Exporteuren viel auf dem Spiel. Wie Mittelständler sich vor möglichen Risiken schützen können.

Für Kneipen in Griechenland gibt es das Weißbier neuerdings nur noch gegen Vorkasse. Jedenfalls das von Paulaner. Stefan Schmale, kaufmännischer Geschäftsführer des Münchner Traditionsbetriebs, hat aus Angst vor dem Kollaps des Euro beim Export in den Süden auf Cash umgestellt. „Generell sind wir in den Euro-Ländern eher von der Bonität unserer Geschäftspartner abhängig als von der des jeweiligen Landes“, sagt er. Aber Vorsicht schadet ja nicht. Schließlich könnte jede Rechnung, die Kunden noch nicht bezahlt haben, zum Problem werden. Falls der Euro wirklich fällt und die D-Mark zurückkommt, würde die wahrscheinlich schnell aufwerten – und dann wird deutsches Bier im Ausland teurer: „Wir können Münchner Bier ja nicht anderswo brauen.“ Auch russisches Malz würden die Kunden wohl kaum akzeptieren.

Wie der Paulaner-Finanzchef tun Mittelständler gut daran, sich gedanklich auf die Rückkehr zu Drachme, D-Mark und Peseten vorzubereiten. „Jeder Unternehmer, der viel exportiert, hat im Fall eines Euro-Crashs ein Problem“, sagt Peter Englisch, für Mittelstandsthemen zuständiger Partner bei der Wirtschaftsprüfungskanzlei Ernst & Young. Er empfiehlt, jetzt die Verträge zu prüfen, die Finanzierung zu sichern sowie Gefahren in den Produktions- und Absatzmärkten abzuwägen: „Exporteure sollten zumindest wissen, wo mögliche Risiken lauern.“

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Verträge

Beim Export in Krisenstaaten droht vor allem eine Gefahr: Kunden zahlen plötzlich nicht mehr in harten Euro, sondern in einer neuen weichen Landeswährung. „Der Gläubiger einer Geldforderung trägt das Inflationsrisiko“, warnt Peter Etzbach von der Kölner Anwaltskanzlei Oppenhoff & Partner: Sobald ein Land den Euro verlässt, könnte einem eine neue, weiche Währung aufgezwungen werden. „Gläubiger sollten daher grundsätzlich versuchen durchzusetzen, dass die Schuldwährung die Währung ist, die in Deutschland gilt.“ In den meisten Verträgen im Euro-Raum ist die Währungsfrage gar nicht thematisiert. Und Kontrakte in englischer Sprache umschreiben den Euro oft als „europäische Einheitswährung“. Wenn erst mal ein paar Staaten ausgetreten sind, kann davon kaum mehr die Rede sein. „Dann muss der Vertrag ausgelegt werden“, sagt Marc Benzler, Partner der Anwaltssozietät Clifford Chance.

Dann ist es also schlicht Ansichtssache, welche Währung gilt. Pocht der Warenkäufer erfolgreich darauf, in seiner neuen Landeswährung zu zahlen, kann es teuer werden. Auch weil fraglich ist, ob man die neuen Scheine überhaupt außer Landes und umgetauscht bekommt. „Wenn der Laden zusammenkracht, werden die Länder wieder Währungskontrollen einführen“, sagt Michael Klein von der Frankfurt School of Finance. „Dann werden harte Devisen knapp, weil jeder Staat sie horten wird.“

Sind Lieferverträge lückenhaft oder unklar, lässt sich wenig ausrichten. Denn im Nachhinein Klauseln zu verhandeln, die den Schuldner benachteiligen, dürfte schwer werden. Wer Angst hat, kann versuchen, offene Forderungen möglichst schnell einzutreiben, oder die Zahlungsziele verkürzen. Lieferung nur noch gegen Vorkasse ist ebenfalls eine Option. Auch lassen sich Schulden mitunter gegen andere Leistungen aufrechnen – quasi ein Tauschhandel.

Mehr Spielraum lassen Neuverträge. Oppenhoff-Experte Etzbach empfiehlt bei Verträgen mit längeren Laufzeiten vorsorglich Preisanpassungsklauseln. Verliert dann eine künftige Währung an Wert, steigt automatisch der Preis. „Dann sind zumindest die Inflationsrisiken vom Tisch.“ Schwieriger ist es, sich gegen Probleme beim Geldumtausch oder Transfer abzusichern, wenn die Regierungen in den Absatzländern zur Devisenbewirtschaftung übergehen. Hier helfen nur Warenkreditversicherungen, die auch solche politischen Risiken abdecken. Die Prämien für die aktuellen Krisenherde sind allerdings schon deutlich gestiegen.

Finanzen

Ein Euro-Crash dürfte den Banken die größten Probleme bereiten. Mittelständler müssten fürchten, zeitweise kaum Kredite zu bekommen. „Unternehmer sollten sich frühzeitig flexible Kreditlinien sichern und lieber etwas mehr Geld aufnehmen“, empfiehlt Peter Englisch von Ernst & Young. Bei den aktuell niedrigen Zinsen sind außerdem alternative Finanzierungsquellen interessant wie Schuldscheine, Anleihen oder auch Factoring.

Sorgen über den Zusammenbruch ihrer Hausbank müssten sich indes die wenigsten machen: „Wer den Zahlungsverkehr bei einem deutschen Institut abwickelt, braucht sich nicht zu sorgen“, sagt Englisch. Geschäftskonten bei ausländischen Banken sind da schon eher anfällig. „Hier sollte man prüfen, wie schnell man seine IT auf andere Währungen für die Konten umstellen kann“, rät Folker Trepte, Partner bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC). „Außerdem sollte man keine Geldbestände in Ländern belassen, wo sie nicht benötigt werden.“ Das ist riskant, falls über Nacht ein Land den Euro verlässt. Wer auf Nummer sicher gehen will, bündelt Guthaben stets in Deutschland.

Märkte

Eine Rückkehr der D-Mark würde hiesige Exporteure massiv treffen: Sie fertigen in einer der härtesten Währungen Europas, was die Waren langfristig teurer macht. „Die Frage, wo sie künftig produzieren, ist für die Wachstumsstrategie deutscher Unternehmen ohnehin von zentraler Bedeutung“, sagt PwC-Partner Trepte. „Die Währungskrise verschärft die Lage noch.“ Heißt: Wer mutig ist und es sich leisten kann, investiert in Ländern, wo ein Euro-Crash die Kosten deutlich verringern könnte – einfach weil die nationalen Währungen abwerten. „Auch Übernahmen lokaler Unternehmen sind denkbar“, sagt Trepte. Er warnt allerdings davor, solche Entscheidungen zu überstürzen. Bei einem Euro-Zerfall droht in ganz Europa eine schwere Rezession, möglicherweise auch höhere Steuern. Und dann rechnet sich eine Investition womöglich nicht mehr.

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