Finanzen + Vorsorge Wegen niedriger Zinsen: Geschäft mit Neuwagen schwächelt

Neuwagen auf einem Güterzug.

Neuwagen auf einem Güterzug.© kaffeeeinstein/Flickr/Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die deutschen Autohersteller sind auf dem Weltmarkt erfolgreich, zeigen aber zu Hause Schwächen. Ein wesentlicher Grund dafür ist das niedrige Zinsniveau, sagen Experten. Eigentlich ein Widerspruch.

Es läuft eigentlich ziemlich rund bei den deutschen Autobauern. In in- und ausländischen Fabriken werden dieses Jahr voraussichtlich 14,8 Millionen Wagen vom Band rollen. Das ist ein ordentliches Wachstum von fünf Prozent. Der Anteil der Käufer in Deutschland daran wird jedoch immer geringer. Was sich seit Jahren am deutschen Automarkt tut, ist bestenfalls Stagnation, abgesehen von 2009, dem Jahr der Abwrackprämie.

Die jährliche Zahl der Neuzulassungen liegt seit 2004 im Durchschnitt bei 3,2 Millionen. Nur 2,95 Millionen waren es 2013, in diesem Jahr werden es nach Schätzung des Automobilverbandes VDA kaum mehr sein. Warum tut sich so wenig auf dem deutschen Markt, gerade in einer Situation, in der die Republik im europäischen Vergleich gut dasteht, die meisten Einkommen steigen und die Arbeitslosigkeit sinkt?

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Mehr Investitionen in Immobilien als in Autos

Dafür gebe es mehr als einen Grund, sagt VDA-Präsident Matthias Wissmann vergangene Woche bei Vorstellung der Halbjahresbilanz der Branche. Einen nennt er aber ausdrücklich: Die niedrigen Zinsen. Wissmanns Erklärung: Das Eigenheim und das eigene Auto seien die größten Anschaffungen im Laufe eines Lebens. Die Tatsache, dass es für gängige Geldanlageformen keine Rendite mehr gebe, „führt dazu, dass eine große Zahl von Menschen in Immobilien geht“. Da bleibe dann vorerst kein Geld mehr übrig, um sich auch noch ein neues Auto zuzulegen.

Die Zahlen des ersten Halbjahres zeigen jedenfalls, dass zuletzt lediglich das Geschäft mit privaten Kunden schwächelte. Es legte um nur ein Prozent zu. Viel besser sah es bei den Firmenwagen aus. Deren Absatz erhöhte sich um acht Prozent, wie der VDA berichtete. Wissmann hofft, das im zweiten Halbjahr auch wieder etwas mehr Privatleute sich für ein neues Fahrzeug entscheiden.

„Markthochlauf“ bei Elektroautos

Ob dabei die Wahl auf ein Elektroauto fällt? In den meisten Fällen wohl noch nicht. Erstmals könnten in diesem Jahr mehr als 10.000 Wagen mit einem Elektromotor – allein oder zusätzlich zu einem Verbrennungsmotor – neu zugelassen werden. Der VDA stellt dies bereits als Erfolg dar und sieht einen „Markthochlauf“. Vom Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Millionen E-Autos auf Deutschlands Straßen zu bringen, ist das noch weit entfernt.

Allein die deutschen Hersteller brächten in diesem Jahr 16 Serienmodelle mit Elektroantrieb auf dem Markt, 2015 kämen weitere 13 hinzu, sagt Wissmann. Und räumt zugleich Akzeptanzprobleme ein. So sei das Netz an Ladesäulen bei weitem nicht dicht. Es fehlten bundesweite Sonderrechte, etwa die Öffnung von Busspuren für E-Autos oder bevorzugte Parkräume. All das soll möglichst bald das erste Elektromobilitätsgesetz regeln. Wissmann hofft, dass nicht nur Firmen, sondern auch Länder und Kommunen bald mehr Elektroautos ordern. „Wirklich kraftvoll sind die Anstrengungen der öffentlichen Hand noch nicht“, bemerkt der Auto-Cheflobbyist.

1 Kommentar
  • Dr. Böhm 10. Juli 2014 08:31

    Geschäft mit Neuwagen schwächelt
    Schätze Wissmann hat Unrecht. Die Sache mit schwächelndem Neuwagenverkauf ist wohl einfacher. 1. Reden uns grüne und linke Chaoten ständig ein, daß Autos schlecht sind.
    2. verrotten die Straßen, da unfähige Politiker die Steuereinnahmen an allen Ecken und Enden verplempern, anstatt die Infrastruktur zumindest zu erhalten (Stadt Seesen bekommt ein „Stadttor“, aber etliche Brücken sind gesperrt..)
    3. Parkplatzmangel, der ja politisch durchaus gewünscht ist
    4. Es hat jeder ein Auto (oder 2)
    Kommentar eines Bekannten der Jeep und Porsche fuhr „Wenn man den Jeep hat, braucht man eigentlich keinen Porsche mehr“
    5. Spaß am Autofahren wird aus politischen Gründen genommen, ständige Staus (Infrastruktur), idiotische Regeln die dann auch noch überwacht und drakonisch bestraft werden (Geschwindigkeitsbegrenzungen auf 80km/h oder 100km/h auf 3-spurigen Autobahnen, Führerschein weg bei 2x in 12 Monaten mit mehr als 25km/h zu viel, also z.B. bei 2x mit 106km/h auf der Autobahn erwischt und ich meine nicht in Baustellen!)
    Fazit: Spaß macht Autofahren nur sehr eingeschränkt, als Statussymbol taugt das Auto weniger, kann auch negativ besetzt sein, Erreichbarkeit von Innenstädten (Parkplatz) ist nicht immer gegeben also warum soll man sich besonders viele Autos kaufen?

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