Finanzen + Vorsorge Wenn die Kunden ausbleiben: Geschäftsleute leiden unter G7-Gipfel

Geschäfte in der Fußgängerzone in Garmisch-Patenkirchen rechnen mit deutlichen Umsatzeinbußen während des G7-Gipfels.

Geschäfte in der Fußgängerzone in Garmisch-Patenkirchen rechnen mit deutlichen Umsatzeinbußen während des G7-Gipfels.© dpa-picture alliance

Zum G7-Gipfel im Schloss Elmau in einer Woche strömen tausende Besucher in die beschauliche Gegend in Bayern. Doch viele Geschäftsleute sind ernüchtert: Für sie bedeutet das Treffen der Staats- und Regierungschefs herbe Umsatzeinbußen.

Alltag in einem Garmischer Modegeschäft gut eine Woche vor dem G7-Gipfel: Seelenruhig sortieren die beiden Angestellten die Sportjacken in den Regalen – von Kundschaft keine Spur. „Der Laden ist menschenleer“, sagt die Verkäuferin Anett Felgner. „Die Kunden bleiben aus.“ Schon seit April sei ein deutlicher Umsatzrückgang zu verzeichnen. Und während des Gipfels bleibt der Laden ganz geschlossen.

So handhaben es viele Geschäftsleute und Gastronomen in den Tagen um den 7. und 8. Juni, wenn sich im nahen Schloss Elmau die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden westlichen Industrienationen treffen. „Unser Chef hat Angst um uns“, meint die Verkäuferin in dem Sportmodengeschäft augenzwinkernd. Vor allem das Schließen am Freitag tue dem Einzelhandel in der Fußgängerzone weh. „An Brückentagen steppt es hier sonst richtig“, sagt Felgner. Der Tag davor – Fronleichnam (4. Juni) – ist in Bayern gesetzlicher Feiertag.

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Nach der anfänglichen Euphorie über das Megaereignis G7-Gipfel herrscht bei vielen Geschäftsleuten in Garmisch-Partenkirchen längst Ernüchterung. Eine für den 6. Juni genehmigte Demonstration mit bis zu 10.000 erwarteten Teilnehmern und die Präsenz Tausender Polizisten im Ort wecken bei den Ladeninhabern Befürchtungen, es könnte zu Krawallen kommen – wie im März in Frankfurt. Damals wurden bei der Eröffnung des Neubaus für die Europäische Zentralbank 350 Menschen bei gewalttätigen Ausschreitungen verletzt. Autos, Mülltonnen und Barrikaden brannten.

Umsatzeinbußen für Unternehmer

Juwelier Josef Stöckerl lässt sein Geschäft in der Fußgängerzone dennoch auf. „Wir sollten uns nicht als Geisterstadt präsentieren“, sagt der Ladeninhaber, schränkt aber ein: „Sobald Gefahr im Verzug ist, lasse ich die Rollläden runter.“ Stöckerl befürwortet den G7-Gipfel: „Langfristig wird es ein Gewinn für unseren Ort sein.“

Ganz anders Michael Haug von der St.-Antonius-Apotheke. „Warum findet der G7-Gipfel nicht am Regierungssitz in Berlin statt, wo alle Sicherheitsvorkehrungen problemlos getroffen werden könnten?“, fragt der Apotheker. „Sollen sie sich doch auf einem Flugzeugträger treffen oder eine Telefonkonferenz abhalten.“

Haug muss seine Apotheke geöffnet lassen. Das Gesetz schreibt es vor. Gerade klärt er, wie Lieferfahrzeuge trotz umfangreicher Sperrungen dringend benötigte Medikamente zur Apotheke bringen können. „Von der Gemeinde oder der Polizei haben wir dazu nichts bekommen“, ärgert sich Haug. Auch er rechnet in jedem Fall mit Umsatzeinbußen.

Personalmangel durch gesperrte Straßen

Das Trachtenmodegeschäft Grasegger hingegen hat vom Freitag (5. Juni) bis einschließlich Montag (8. Juni) zu. Ladeninhaber Franz Grasegger nennt organisatorische Gründe. „Wir brauchen eine Mindestbesetzung“, erläutert der 30-Jährige. Wegen der Sperrung von Straßen könnten aber womöglich nicht alle Verkäuferinnen rechtzeitig am Ort sein.

Die Konditorei Krönner nutzt den Ausnahmezustand beim G7-Gipfel zur Renovierung der Küche. Das Café hat von Donnerstag bis Montag geschlossen. „Da wir ansonsten 365 Tage im Jahr für unsere Kunden da sind, verwenden wir diese Tage für die dringend notwendige Erneuerung der Küche“, erklärt Antonia Pfefferle von der Geschäftsführung.

Die HypoVereinsbank macht am Freitag und Montag ihre Garmischer Filiale komplett dicht. Die SB-Center im Ort und in Mittenwald sind sogar schon am Tag davor zu. Wer Geld braucht, muss sich früher eindecken. „Wir müssen aus Sicherheitsgründen leider zumachen“, sagt eine Mitarbeiterin.

Licht und Schatten bei Hotels

Die Hoteliers und Gastronomen wollen gute Gastgeber sein. „Wir werden dafür sorgen, dass alle bestens betreut werden“, sagt die Vorsitzende des örtlichen Hotel- und Gaststättenverbandes, Jutta Griess. Das gelte auch für die Demonstranten, „die wir mit Essen und Trinken versorgen“. Die Hotels und Gästehäuser seien weitgehend ausgebucht. Vor allem Regierungsbeamte, Polizisten und Journalisten wohnen während des Gipfels im Ort. Griess weiß aber, dass manche Gaststätte geschlossen bleibt. So macht etwa der „Alpenhof“ mehrere Tage zu.

Mit Humor reagiert die Bekleidungskette C&A auf den Ausnahmezustand.Selbstverständlich sei die Filiale wie sonst auch geöffnet, heißt es auf einem Plakat. Und fett steht in Großbuchstaben darüber: „Das ist der Gipfel!“

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