Finanzen + Vorsorge Wettkampf um Kunden: Wie mobile Bezahldienste die Banken unter Druck setzen

An technischen Lösungen mangelt es beim mobilen Bezahlen nicht.

An technischen Lösungen mangelt es beim mobilen Bezahlen nicht.© Payleven

Mobile Bezahldienste mischen die klassischen Banken kräftig auf. Die Finanzbranche versucht, sich ihren Teil von dem - inzwischen nicht mehr ganz so neuen - Markt zu sichern. Kein leichtes Unterfangen.

Theodor Weimer mag klare Worte. „Die wahre Schlacht wird nicht zwischen den Banken geschlagen“, sagte der Chef der HypoVereinsbank (HVB) Ende September in Frankfurt. Die eigentliche Konkurrenz seien Nicht-Banken. Apple, Google, Amazon, Paypal – die Liste großer und kleiner Anbieter für mobiles Bezahlen wird länger. Seit Jahren versuchen Mobilfunk-Anbieter, Kreditkarten-Konzerne und Internet-Firmen, die digitale Brieftasche im Handy zu etablieren. Die Finanzbranche ist herausgefordert.

„Die digitale Revolution rüttelt an der Rolle der Banken als Finanzintermediär“, stellte DZ-Bank-Chef Wolfgang Kirsch kürzlich bei einer Tagung in Frankfurt fest. Neue Anbieter pickten sich lukrative Bankdienstleistungen heraus und böten diese hoch spezialisiert an. Kirsch räumte ein: „Wir haben in der Vergangenheit ähnliche Tendenzen aus unseren eigenen Reihen unterschätzt.“ Stichwort: Direktbanken.

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Wettlauf um Kunden

„Müssen wir Banken uns damit abfinden, dass unser Bankgeschäft in Zukunft langweilig ist, während Apple, Google oder Paypal das Gesicht zum Kunden und damit auch noch zur „Marke“ für die Geldbelange jedes Einzelnen werden?“, fragte Kirsch. „Ich denke nicht.“ Doch der Chef des genossenschaftlichen Spitzeninstituts mahnte: „Für uns Banken ist es höchste Zeit, noch intensiver als in der Vergangenheit in moderne Technologien zu investieren und sie in den Kern der Geschäftsstrategie zu integrieren.“ Sonst drohten laut Studien bis zu 25 Prozent Ertragsrückgang allein bei Privatkunden.

„Der Wettlauf insbesondere um die netzaffinen Kunden ist in vollem Gang und legt eine Dynamik an den Tag, auf die viele traditionelle Banken nicht adäquat vorbereitet sind“, bekräftigt Deutsche-Bank-Experte Thomas Dapp in einer aktuellen Studie.

Etliche Häuser scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Die Commerzbank etwa hat das Ziel ausgegeben, ihren Kunden „Produkte und Dienstleistungen der Commerzbank zu jeder Zeit und an jedem Ort“ anbieten zu können. Die Direktbank ING-Diba stellte kürzlich eine „SmartSecure App“ vor, die mobile Bankgeschäfte beschleunigen und vereinfachen soll. Auch andere Institute bemühen sich um verbesserte Online-Angebote und mobile Verfahren – neben einem teuren Filialnetz.

„Die Banken müssen lernen, dass sie mit ihrem Einheitsangebot nicht an den Wachstumsmärkten des Zahlungsverkehrs teilhaben“, sagt der Finanzwissenschaftler Jürgen Bott von der Fachhochschule Kaiserslautern. Der Experte für Zahlungssysteme betont: „Banken geben derzeit viel Geld aus, um in der digitalen Welt wettbewerbsfähiger zu werden. Aber wenn es sich darauf beschränkt, das zu kopieren, was andere schon tun, werden sie es schwer haben.“

Experte: Traditionelle Institute punkten mit Erfahrung

Auch die Smartphone-Geldbörse von Apple („Apple Pay“) sei im Grunde keine große Innovation, meinen Branchenkenner. Doch der Gigant habe zumindest das Zeug dazu, das Kräfteverhältnis in dem Geschäft zu verschieben: „Ein Bezahlen per Handy beziehungsweise Smartphone wird schon seit fast 15 Jahren im deutschen Markt angeboten. Mit Apple Pay könnte erstmals eine massive Nachfrage entstehen“, meint Markus Weber vom Zahlungsverkehrsanbieter Ingenico Payment Services („easycash“).

Deutsche-Bank-Experte Dapp, der im Februar 2013 unter dem Titel „Pay Wars – Der Angriff der Internetgiganten“ vor einem möglicherweise „schmerzhaften Verdrängungswettbewerb“ warnte, macht seiner Branche nun Mut: Bangesein müsse den Banken vor der „Herkulesaufgabe“ einer „radikalen Innovationskur“ nicht: Traditionelle Institute könnten etwa auf Erfahrung im Umgang mit sensiblen Kundendaten bauen.

„Vielleicht stärkt an dieser Stelle gerade die Regulierung die Position der Banken, verlangt sie doch von uns einen sehr verantwortungsvollen, sensiblen Umgang mit Kundeninformationen und -daten“, sagt DZ-Bank-Chef Kirsch. „Viele der neuen Anbieter können oder wollen da nicht mithalten.“ Aus Verbrauchersicht sei der Wettbewerb im Zahlungsverkehr gut, meint Experte Bott. Den Banken empfiehlt der Finanzwissenschaftler, zielgerichtet mit innovativen Anbietern zu kooperieren: „Mein Rat an die Banken ist: Bekämpft sie nicht, kooperiert mit ihnen!“

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