Finanzen + Vorsorge Wie Geld die Welt regiert – die „Geschichte des Geldes“

Ein Identitätsstifter - der aber auch zu Spannungen, Konflikten, sozialer Ungerechtigkeit führt:  Das Thema Geld ist ambivalent.

Ein Identitätsstifter - der aber auch zu Spannungen, Konflikten, sozialer Ungerechtigkeit führt: Das Thema Geld ist ambivalent.© epSos .de/Flickr/Lizenz: (CC BY 2.0

Geld als Maß aller Dinge? Wie Geld entstanden ist und auf alle Bereiche unseres Lebens wirkt, beschreibt der Wirtschaftshistoriker Henry Werner in einem faszinierenden Buch.

Seit Jahrtausenden aktuell und auch derzeit nicht nur für die Griechen (bittere) Wahrheit: Geld regiert die Welt. Das Sprichwort impliziert ein ökonomisches Instrumentarium als politische Macht. Wann und warum erfand die Menschheit das Zahlungsmittel? Woraus entwickelte es sich? Wie und welchen Wandlungen unterlag und unterliegt es?

Diese Fragen und mehr beantwortet nun der Berliner Wirtschaftshistoriker Henry Werner in einem Buch, das die „Geschichte des Geldes“ von seinen Ursprüngen bis hin zu seinem gar nicht so visionären Verschwinden im Cyberspace aufzeigt.

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Eine informative und vergnügliche Reise durch die Zeit

Am Ende des aufwendig und großartig bebilderten Bands informiert ein Zeitstrahl zusammengefasst über die wesentlichen Stationen jenes Mittels, über das jeder wenigstens ausreichend verfügen möchte. Doch würde man sich um eine nicht nur informative, sondern auch vergnügliche Reise durch die Zeit bringen, ließe man die gut 200 Seiten davor unbeachtet.

Wenn auch nahezu jeder weiß, dass sich Geld aus dem Warentausch und -handel entwickelte, so erfährt der Leser hier beispielsweise auch den genauen Weg, der über Naturalien und kostbare Naturgüter (Muscheln, Perlen, Edelsteine) hin zum Edelmetall führt, wann aus diesen Klumpen und Brocken Münzen wurden, wie sie geprägt waren und wer den Preis festlegte.

In der Antike bedeutungslos

Aber es sind nicht nur die historischen Details, die Werners Lektüre in sechs großen Kapiteln interessant machen. Der Autor wertet selbst. Er sieht nicht nur die negative Seite des Zahlungsmittels, das Verbrechen, Korruption, sozialer und gesellschaftlicher Ungerechtigkeit Vorschub leistet. Er sieht die emotionale und glücklich machende Komponente. Er weist dem Geld seine Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur belebende Funktion und somit auch seine Bedeutung als Mitverursacher gesellschaftlicher Quantensprünge zu.

Werner erklärt Zusammenhänge und begründet den nicht immer bergauf führenden Weg des Geldes, das nach der Antike für eine Zeit bedeutungslos wurde, ja sogar fast ganz verschwunden war. Dass die Sumerer als Erfinder des Geldes (im 3. Jahrtausend v. Chr.) gelten, ist nicht neu. Doch nach Werner gebührt Naturvölkern in aller Welt die gleiche Anerkennung, weil sie „Dinge ohne Nutzwert“ wie Bernstein, Ebenholz, Federn, Kaurischnecken oder Quarze als Zahlungsmittel einsetzten.

Die ersten Münzen aus Edelmetall entstanden im noch griechischen Kleinasien. Unter dem lydischen Herrscher Alyattes II. – er regierte von 605 bis 561 v. Chr. – wurde der sogenannte Münzfuß (Wert) festgelegt. Dieser Schritt sicherte den wirtschaftlichen Aufstieg der Lyder und des gesamten antiken Griechenlands. Alyattes‘ Nachfolger war übrigens Kroisos – hierzulande als Krösus bekannt, dem sprichwörtlich reichen König. Die alten Griechen und später auch Römer bauten ihre Macht auf Geld, woraus sich später auch die ambivalente Sicht entwickelte: Geld führt zu Spannungen, Konflikten, sozialer Ungerechtigkeit. Aber es galt schon damals ebenso als Identitätsstifter.

„Unangefochtener Weltstar“: der Dollar

Eine Seite, die sich auch Karl der Große zunutze machen sollte. Die aufstrebenden Städte, die Hanse und alle prägenden Begleiterscheinungen nachfolgender Epochen in Europa sind Gegenstand der weiteren Untersuchungen Werners und führen folgerichtig über den Atlantik zu jener Nation, die das globale Geldmonopol repräsentiert: die Vereinigten Staaten von Amerika. Noch heute, so der Autor, sei der US-Dollar „der unangefochtene Weltstar unter den Nationalwährungen“, woran auch die Zeit der großen Depression Anfang der 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts nichts änderte.

Wann das Papiergeld auftauchte, warum man es benötigte, die Öffnung Asiens für den internationalen Geldmarkt und vieles mehr bis hin zur einheitlichen europäischen Währung Euro mit seinen Geburtswehen und heutigen Problemen komplettieren Henry Werners Exkurs in die Geldgeschichte. Und hier schließt sich fast der Kreis: Denn Symbol der attischen Münzen in der Antike war die Eule. Heute bangt man weltweit um den mit dem Wahrzeichen der Göttin Athene geprägten Euro. Die Gefahr eines Grexit aus der europäischen Währungsunion ist noch nicht gebannt.

Dem Euro-Kapitel nachgestellt ist nur noch „Das Geld der Zukunft“, wozu neben der Kreditkarten-Wirtschaft natürlich auch die bargeldlosen Netzbewegungen rund um den Erdball gehören. Was wiederum in dem Abschnitt „Zurück zu den Anfängen“ gipfelt. Es sei erstaunlich, so Werner abschließend, wie sehr das heutige körperlose Geld dem allerersten Geld der Sumerer gleiche, die den einzelnen Waren und Dienstleistungen Preise in Form von Relationen zuordneten – als „unsichtbare Verrechnungseinheit zwischen den Menschen“.


 

Henry Werner: Geschichte des Geldes. Palm Verlag Berlin, 208 Seiten, 19,95 Euro.

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