Finanzen + Vorsorge Wie Hedgefonds Argentinien in die Pleite trieben

EIne Straße in der Argentinischen Hauptstadt Buenos Aires

EIne Straße in der Argentinischen Hauptstadt Buenos Aires© Gabriel Moncrieff/Flickr/Creative Commons CC BY 2.0

Die Verhandlungen mit den Hedgefonds sind gescheitert, Argentinien hat die Staatspleite nicht abwenden können. Wie konnte es soweit kommen, wer ist schuld und wie geht es weiter?

Argentinien kann seine Schulden nicht mehr bezahlen – allerdings aus ganz anderen Gründen als 2001. Damals war das Land wirklich zahlungsunfähig. Heute wäre die Staatskasse der zweitgrößten Volkswirtschaft Südamerikas ausreichend gefüllt. Die Regierung hat sich aber für eine strategische Pleite entschieden. Das liegt vor allem an zwei aggressiven Hedgefonds.

Worum geht es bei diesem Schuldenstreit genau?

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Buenos Aires liegt seit Jahren mit den US-Hedgefonds NML Capital und Aurelius im Clinch. Die Investoren um den New Yorker Milliardär Paul Singer hatten sich mit argentinischen Staatsanleihen eingedeckt, als diese wegen ihres hohen Ausfallrisikos stark im Kurs gesunken waren. Dann hatten sie auf volle Rückzahlung geklagt. Argentinien will die Hedgefonds aber auf keinen Fall bedienen. „Keinen Cent für die Aasgeier“, lautet das Motto von Präsidentin Cristina Kirchner.

Wie kann Argentinien zahlungsunfähig sein, wenn es genug Geld hat?

Die Schulden, um die gestritten wird, resultieren noch aus der letzten Staatspleite von 2001. Damals fehlten die Mittel, um laufende Rechnungen zu bezahlen. Etwa 93 Prozent der Gläubiger akzeptierten angesichts der aussichtslosen Lage einen massiven Forderungsverzicht, um nicht völlig leer auszugehen. Die Hedgefonds jedoch klagten erfolgreich dagegen, Verluste hinnehmen zu müssen. Weil Argentinien sich weigert, sie auszuzahlen, darf es laut einem Gerichtsurteil auch andere Anleihen nicht bedienen. Dies nennt man „technische Zahlungsunfähigkeit“.

Wie können zwei Fonds ein ganzes Land in die Knie zwingen?

Ein entscheidender Faktor ist, dass Argentinien sich entschieden hatte, seine Anleihen in US-Dollar unter amerikanischem Recht auszugeben. Das ist durchaus üblich, wenn Länder, die wenig Vertrauen an den Finanzmärkten genießen, ihre Schuldpapiere für internationale Anleger attraktiver machen wollen. Für Argentinien hatte dies aber zur Folge, dass es sich mit den Hedgefonds vor US-Gerichten auseinandersetzen musste. Der zuständige New Yorker Bezirksrichter Thomas Griesa schlug sich auf die Seite von Singer und Co und verdonnerte Argentinien, Schulden über mindestens 1,5 Milliarden Dollar bei den Hedgefonds zu begleichen. Solange das nicht geschehen ist, blockiert er Zahlungen an andere Anleihehalter.

Weshalb will Argentinien partout nicht bezahlen?

Argentinien verweigert sich nicht allein aus Sturheit, es gibt auch rationale Gründe: Wenn Buenos Aires die Forderung in voller Höhe begleichen würde, käme eine Vertragsklausel zum Zuge. Die verpflichtet das Land, auch denjenigen Gläubigern, die nach der Staatspleite von 2001 den Forderungsverzicht in Kauf genommen hatten, dieselben Konditionen wie den Hedgefonds einzuräumen. Damit würden nach Darstellung der Regierung bis zu dreistellige Milliarden-Beträge fällig. Dann wäre das Land wirklich pleite. „Das wäre ein Horror für die Argentinier“, sagte Wirtschaftsminister Axel Kicillof.

Wie geht es nun weiter?

„Morgen wird ein anderer Tag sein und die Welt geht weiter“, erklärte Kicillof, sichtlich um Gelassenheit bemüht. Sicher werden nun nicht schlagartig soziale Einrichtungen schließen oder der Staatsbetrieb zum Erliegen kommen. Doch ganz folgenlos dürfte das Scheitern der Verhandlungen auch nicht bleiben. Argentiniens Wirtschaft ist zuletzt in die Rezession gerutscht. Die chronisch hohe Inflation belastet die Argentinier stark. Die Abstufung auf das gefürchtete Level „Default“ (zahlungsunfähig) durch die Ratingagenturen kommt zur Unzeit und dürfte Investoren weiter abschrecken, dem Land Geld zu leihen.

Was bedeutet die Pleite für Anleger?

Fest steht: Die Hedgefonds stehen ebenfalls als Verlierer da. Ihre rechtlichen Mittel sind ausgeschöpft und ihre Forderungen noch immer nicht erfüllt. Allerdings gilt es unter Experten als wahrscheinlich, dass sich die Fonds vorsorglich mit Ausfallversicherungen für ihre Anleihen eingedeckt haben, die nun ausgelöst werden könnten. Deutsche Sparer und Kleinanleger dürften nur in Ausnahmefällen betroffen sein. Dass klassische Investmentfonds oder gar Versicherungen in Argentinien investieren, ist selten. Laut Daten des Analysehauses Morningstar haben nur wenige Schwellenländerfonds, beispielsweise der Investmentbank Goldman Sachs oder des Vermögensverwalters Fidelity, größere Bestände an argentinischen Anleihen.

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