Finanzen + Vorsorge Wie Stresstests Vertrauen schaffen: US-Umgang mit Banken als Vorbild

In den USA hat sich der Stress mit den Stresstests gelohnt. Die Banken des Landes genießen wieder Vertrauen bei den Anlegern. Davon können europäische Institute bislang nur träumen, die EZB soll nun alles besser machen.

Viele Experten schauen bewundernd über den Atlantik: Wie die USA ihre Banken nach der großen Finanzkrise stabilisiert haben, gilt als vorbildlich. Die Institute dort haben sich auch dank des billigen Geldes der Notenbank von den Folgen der Lehman-Pleite erholt und erwirtschaften wieder dicke Gewinne. An der Börse sind Bankaktien gefragt. Das Vertrauen ist zurück.

Dazu beigetragen hat auch die Politik mit rigorosen Maßnahmen und strengen Stresstests. Europa war da viel vorsichtiger – mit der Folge, dass viele Investoren den Banken immer noch nicht trauen. Das soll unter der neuen Oberaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) besser werden.

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Nachdem die Finanzkrise im Herbst 2008 mit dem Kollaps der Investmentbank Lehman Brothers ihren Höhepunkt erreichte, setzte die US-Regierung den großen Instituten die Pistole auf die Brust und zwang sie, schnell viel neues Kapital aufzunehmen. Wer sich Geld nicht am Markt beschaffen konnte, musste gigantische Staatshilfen akzeptieren. Zugleich forcierten die Amerikaner die Abwicklung von kleinen, nicht mehr lebensfähigen Instituten. Etwa 500 Banken seien so verschwunden, rechnet der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), Marcel Fratzscher, vor.

Milliardenlöcher gestopft

Gekoppelt haben die USA diese Maßnahmen mit regelmäßigen Stresstests, in denen sie die Schwachstellen der Banken aufdecken und deren Widerstandsfähigkeit bei neuen Krisen prüfen wollten. Dabei entdeckten die Aufseher teilweise gigantische Löcher. Bei der ersten Belastungsprobe im Frühjahr 2009 fehlten fast 75 Milliarden Dollar, davon fast die Hälfte bei der Bank of America. Diese Lücken mussten die Institute schnell stopfen.

Seit der Krise schicken die USA ihre Banken jedes Jahr durch neue Härtetests. Böse Überraschungen bleiben dabei nicht aus. So mussten etwa Citigroup und Bank of America unangenehme Schlappen einstecken: Weil die Aufsicht deren Kapitalpuffer für zu dünn hielt, mussten die Institute Dividendenpläne zurückstellen. Ein herber Schlag in einem Land, in dem Shareholder Value – die Steigerung des Börsenwerts im Interesse der Aktionäre – ganz hoch gehängt wird. Doch die Kurse litten nur kurz, langfristig stieg das Vertrauen der Investoren.

Europa: Politik geht nachsichtiger mit Banken um

Diesseits des Atlantiks ging die Politik wesentlich nachsichtiger mit den Banken um. Das hat auch damit zu tun, dass viele Institute riesige Bestände an Staatsanleihen halten. Wären sie gefallen, hätte das die Schuldenkrise noch einmal verschärft. So galten die bisherigen Stresstests als viel zu lasch. Deshalb schlägt den europäischen Geldhäusern bis heute großes Misstrauen an den Märkten entgegen. Nur wenige Banken hätten den Markt verlassen müssen, sagte etwa DIW-Chef Fratzscher im September. Stattdessen würden einige nur von Liquiditätshilfen der EZB über Wasser gehalten. Diese machten dann auch noch den gesunden Banken das Leben schwer.

Nun soll es die EZB endlich richten. Die nötige Härte für die laufenden Gesundheitschecks der Geldhäuser trauen Experten ihr zu – trotz aller Interessenkonflikte, die sich aus der Rolle als Hüterin der Preisstabilität und der neuen Funktion als oberste Aufseherin über die Finanzinstitute ergeben können.

Vorschusslorbeeren gibt es etwa von den Analysten der US-Bank JPMorgan. „Der EZB-Stresstest sollte ein positives Ereignis sein“, schreiben sie in einer Studie, für die sie die Tests anhand eigener Modelle durchrechneten. Ihr Fazit: Europäische Bankaktien dürften nach Bekanntgabe der offiziellen Ergebnisse am 26. Oktober steigen.

Die Bankentests von Europäischer Zentralbank (EZB) und Bankenaufsicht EBA in Zahlen:

8 Prozent hartes Kernkapital müssen Banken am Ende von Bilanzcheck und Stresstest mindestens vorweisen. Kapital also, das im Falle von Verlusten uneingeschränkt zur Verfügung steht.

24 Institute aus Deutschland hat die EZB unter die Lupe genommen: 23 deutsche plus den Deutschland-Ableger der schwedischen SEB.

Spätestens 48 Stunden vor Veröffentlichung der Daten am Sonntag, 26. Oktober, 12.00 Uhr, wollen die Aufseher die Institute über ihre jeweiligen Resultate informieren.

120 führende Banken im Euroraum werden vom 4. November an zentral von der EZB überwacht.

124 Banken hat die Bankenaufsicht EBA im Stresstest untersucht, darunter auch in Nicht-Euro-Ländern wie Großbritannien oder Dänemark.

130 Institute nahm die EZB unter die Lupe.

2000 Aufseher und Wirtschaftsprüfer waren allein in Deutschland mit der Überprüfung der Banken beschäftigt.

2013 ist das Ausgangsjahr für die Bankentests, anhand der Daten zum Bilanzstichtag 31. Dezember wurde gerechnet.

6000 Aufseher und Prüfer waren in ganz Europa mit den Tests befasst – plus zahlreiche Mitarbeiter bei den einzelnen Banken.

Im zweistelligen Millionenbereich sehen viele Banken die Kosten für die Übung.

Fast 500 Millionen Euro kosten die Bankenchecks nach Berechnungen der „Financial Times“ allein die EZB und Aufsichtsbehörden aus 8 Ländern.

Mehr dazu bei impulse:
ABC zu den Bankentests in Europa

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