Zahlungsmoral Wer ist Europameister in Sachen Pünktlichkeit?

Solche Stapel mit Mahnungen gibt es wohl am ehesten in Bulgarien und Griechenland: Hier herrscht die niedrigste Zahlungsmoral in Europa.

Solche Stapel mit Mahnungen gibt es wohl am ehesten in Bulgarien und Griechenland: Hier herrscht die niedrigste Zahlungsmoral in Europa.© alswart / Fotolia.com

Bei der Zahlungsmoral in Europa gibt es erhebliche Unterschiede. Eine Studie zeigt, wie lang Unternehmen auf ihr Geld warten müssen, wenn sie mit Kunden aus dem Ausland Geschäfte machen.

Für viele Unternehmen ist es nicht nur ärgerlich, sondern oft auch ein ernsthaftes Problem, wenn Kunden ihre Rechnungen spät – oder mitunter gar nicht – bezahlen. Nicht selten haben säumige Vertragspartner ihre Lieferanten oder Auftragsnehmer schon an den Rand einer Pleite oder sogar in die Insolvenz getrieben – vor allem bei Aufträgen, bei denen es um große Summen geht.

Deutliche Unterschiede zwischen den Ländern

Immerhin: Die Zahlungsmoral in Europa hat sich nach vielen Jahren nun erstmals wieder leicht verbessert, wie die repräsentative EOS Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ 2015 zeigt, für die das Marktforschungsinstitut TNS Infratest 2800 Entscheider aus 13 europäischen Ländern befragt hat. Während Geschäftskunden in Westeuropa demnach 2014 noch jede vierte Rechnung verspätet oder nicht bezahlten, ist es heute nur noch jede fünfte. In Osteuropa wurden in diesem Jahr bisher im Schnitt 22 Prozent der Rechnungen zu spät oder gar nicht beglichen (2014: 24 Prozent).

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Zwischen den einzelnen Ländern gibt es dabei allerdings zum Teil deutliche Unterschiede. Deutschland ist in Sachen Pünktlichkeit Europameister: 83 Prozent aller Zahlungen von Privat- und Geschäftskunden gingen hierzulande in diesem und im vergangenen Jahr pünktlich ein, 15 Prozent waren verspätet und lediglich zwei Prozent fielen komplett aus. In Großbritannien zahlten dagegen nur 79 der Privat- und Geschäftskunden pünktlich, in Bulgarien und Griechenland waren es sogar 74 Prozent.

Und so sieht es in anderen Ländern aus:

Zahlungsgewohnheitenstudie_2015_gross

Auch bei den Zahlungszielen gibt es massive Unterschiede in Europa. Während in Deutschland laut Studie im Schnitt innerhalb von 15 Tagen (Privatkunden) bzw. 26 Tagen (Geschäftskunden) gezahlt werden soll, sind es in Frankreich 24 Tage (Privatkunden) bzw. 36 Tage (Geschäftskunden). In Spanien sind es 33 bzw. (B2C). 45 Tage (B2B).

Wer mit Griechenland Geschäfte machen will, muss innerhalb Europas am längsten auf sein Geld warten. Dort liegt das Zahlungsziel für Geschäftskunden im Schnitt bei 51 Tagen, bei Privatkunden sind es 37 Tage. Wie lang die Zahlungsziele in Westeuropa im Einzelnen sind, sehen Sie hier.

Maximales Zahlungsziel: 60 Tage

Als Gründe für die leicht positive Entwicklung der Zahlungsmoral in Europa sehen die Studienleiter die verbesserte wirtschaftliche Lage in vielen Ländern. „Europa erholt sich von wirtschaftlich turbulenten Zeiten und befindet sich größtenteils in einer Aufschwungphase“, sagt Hans-Werner Scherer, Vorsitzender der Geschäftsführung der EOS Gruppe. Außerdem habe sich die Umsetzung der EU-Richtlinie 2011/7/EU zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr in vielen Ländern positiv auf das Zahlungsverhalten ausgewirkt. Die Richtlinie sieht unter anderem vor, dass Unternehmen ihren Geschäftskunden in der Regel ein maximales Zahlungsziel von 60 Tagen einräumen dürfen.

Die Bundesregierung hat die Richtlinie im vergangenen Jahr umgesetzt – und mit dem „Gesetz zur Bekämpfung von Zahlungsverzug im Geschäftsverkehr“ noch strengere Regeln vorgegeben. Zahlungsfristen von mehr als 30 Tagen sind demnach unwirksam.

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2 Kommentare
  • Alexander Kleerebezem 13. August 2015 14:55

    Und was ist mit Italien? Oder habe ich den Grund überlesen, warum die nicht in der Wertung sind?

    • Verena Bast 13. August 2015 15:52

      Lieber Herr Kleerebezem,

      Italien ist nicht in der Studie enthalten. Warum, können wir Ihnen leider nicht sagen.

      Herzliche Grüße aus der impulse-Redaktion

      Verena Bast

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