Finanzen + Vorsorge Zinsfalle bei Immobiliendarlehen: Worauf Kreditnehmer achten sollten

Die Zinsen von Immobiliendarlehen haben einen historischen Tiefstand erreicht.

Die Zinsen von Immobiliendarlehen haben einen historischen Tiefstand erreicht.© LBS

Verbraucher können sich das Geld für den Kauf einer Immobilie so günstig von ihrer Bank leihen wie nie zuvor. Die Zinsen für zehnjährige Darlehen fielen vor kurzem erstmals unter die Marke von einem Prozent. In zehn Jahren könnten viele Kreditnehmer allerdings ein Problem bekommen, warnen Verbraucherschützer.

Die Kosten für die Finanzierung einer Immobilie haben in Deutschland einen neuen Tiefstand erreicht. Im Februar unterschritten die Zinsen für zehnjährige Darlehen in Einzelfällen erstmals die Marke von einem Prozent. Der Münchner Kreditvermittler Interhyp sprach von einem neuen Allzeit-Tief.

Inzwischen geht es zwar wieder leicht bergauf – mit durchschnittlich rund 1,2 Prozent Effektivzins für zehn Jahre bleibt ein Immobiliendarlehen aber immer noch ein Schnäppchen. Zum Vergleich: Anfang der 1990er Jahre mussten Häuslebauer noch mehr als 8 Prozent an die Bank zahlen.

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Trotzdem bleibt der große Ansturm auf Wohnungen und Häuser aus. Denn durch die massiven Preisanstiege der vergangenen Jahre sind Wohnungen und Häuser vor allem in München, Frankfurt, Köln oder Hamburg für die meisten Verbraucher unerschwinglich geworden.

Preise in begehrten Lagen massiv gestiegen

Spätestens bei einer genauen Betrachtung der finanziellen Lage platzt oft der Traum von der eigenen Wohnung. „Die Verbraucher sind bei realistischer Berechnung der Möglichkeiten oft sehr ernüchtert“, sagt Martin Reuter, der diese Gespräche in der Verbraucherzentrale Köln immer häufiger führen muss. „Tatsächlich sind viele Menschen im Moment der Auffassung, aufgrund der gefallenen Zinssätze die Anschaffung einer eigenen Immobilie locker finanzieren zu können.“

Die Banken schauen aber ganz genau hin, um sicher zu stellen, dass die Kunden die Kredite auch langfristig stemmen können. „Die Kreditprüfung ist gerade in Ballungsräumen wie München sehr intensiv“, bestätigt ein Sprecher der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken. In der bayerischen Landeshauptstadt sind selbst Preise von 300.000 Euro für eine Zwei-Zimmer-Wohnung inzwischen keine Seltenheit mehr – und nicht jede Wohnung ist den Preis wert, den die Verkäufer aufrufen.

Problem droht nach zehn Jahren

Grundsätzlich müssen Immobilienkäufer Eigenkapital mitbringen und im Gespräch mit der Bank ihre gesamten Einnahmen- und Ausgaben sowie ihre Vermögenslage offenlegen. Nur wenn unter dem Strich noch ein anständiges Plus bleibt, können sie mit einem Kredit rechnen. Wichtig ist den Banken derzeit vor allem eine hohe Tilgung. „Haus- und Wohnungserwerber sollten beim aktuellen Zinsniveau mindestens drei Prozent Anfangstilgung vereinbaren, damit nach Ablauf der Zinsbindung die Restschuld merklich geschrumpft ist“, sagt Interhyp-Chef Michiel Goris. Sonst ist das Risiko zu groß, dass höhere Zinsen bei der Anschlussfinanzierung zum Problem werden.

Für ein Darlehen von 200.000 Euro müssten Immobilienkäufer derzeit beispielsweise bei einem Zins von 1,2 Prozent und einer anfänglichen Tilgung von drei Prozent 700 Euro pro Monat zahlen. Nach zehn Jahren hätten sie aber immer noch eine Restschuld von 136.000 Euro. Wenn die Zinsen nach zehn Jahren beispielsweise auf vier Prozent steigen – was nicht unwahrscheinlich ist – kann die monatliche Belastung auf einen Schlag um mehrere Hundert Euro steigen. „Wer im Moment finanziert, sollte sich das heutige Zinsniveau im Grunde bis zur kompletten Entschuldung sichern“, rät Verbraucherberater Reuter.

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