Von wegen, Unternehmer stecken jeden Euro in die Firma. Die große Mehrheit der Selbständigen und Freiberufler sorgt kräftig fürs Alter vor. "Viele Firmenchefs sind zwar ruhestandsresistent. Vorsorgen müssen sie dennoch", stellt Eberhard Sasse, Vorstand des 1976 gegründeten Facility-Management-Dienstleisters Dr. Sasse AG in München, fest. Jeden Monat investiert der Sasse-Gründer, der 120 Millionen Euro Jahresumsatz macht, eine feste Summe in seine Vorsorge, nach dem Motto: "Auch ich werde nicht ewig arbeiten."
Doch wie genau sorgen Unternehmer vor? Auf welche Anlagestrategien setzen sie, und wie viel haben sie auf der hohen Kante? Antworten gibt eine exklusive Studie, die TNS Infratest im Auftrag des britischen Lebensversicherers Standard Life und von impulse erstellt hat. Erstmals haben die Marktforscher bundesweit repräsentative 400 Selbständige und Freiberufler nach ihren Vorsorgezielen und -maßnahmen befragt.
Die Kernergebnisse: Die meisten Unternehmer sehen ihrer Rente zuversichtlich entgegen. Dazu bevorzugen sie eher konservative Anlagen. Immobilien, Lebensversicherungen und selbst die gesetzliche Rente spielen eine große Rolle. Ein Schutz der eingezahlten Beträge (Garantien) ist ihnen bei der Produktauswahl besonders wichtig. Gleichzeitig stellt aber fast die Hälfte hohe Ansprüche an die Rendite und – viel weniger als häufig unterstellt – an steuerliche Vorteile. Damit stecken die Anleger freilich in einem Dilemma.
Denn Garantien sind stets mit Kosten verbunden, schmälern also die Rendite. "Anleger müssen sich deshalb entscheiden, ob sie nicht zugunsten besserer Ertragschancen teilweise auf Garantien verzichten wollen", sagt Bertram Valentin, Geschäftsführer der deutschen Niederlassung von Standard Life. "Wir sind uns sicher, dass der Weg in Richtung renditeorientierter Produkte geht."
Immobilien als sichere Bank
Die größte Rolle bei der Altersvorsorge (73 Prozent) spielt die selbst genutzte Immobilie. "Unternehmer achten typischerweise auf einen langfristigen und durch Inflation nicht geschmälerten Werterhalt", sagt Karsten Tripp, Leiter des Geschäftsbereichs Vermögende Privatkunden beim Düsseldorfer Bankhaus HSBC Trinkaus & Burkhardt. Kapitallebens- und Rentenversicherungen belegen die am zweithäufigsten genannten Positionen im Vorsorgeportfolio. Ihnen trauen Unternehmer offensichtlich jene Eigenschaften zu, die für sie neben hoher Rendite von herausragender Bedeutung sind. Dazu gehört die Absicherung der Familie ebenso wie die lebenslange Rentenzahlung im Alter. "Immobilien und Versicherungen sind die Basis meiner privaten Vorsorge. Darüber hinaus suche ich aber zusätzliche Renditechancen durch eher kreative Anlage in Wertpapieren und unternehmerische Beteiligungen", erzählt Unternehmer Sasse. Mit dieser Strategie ist er nicht allein. Jeder zweite Firmenchef legt in Investmentfonds an, jeder dritte hat Aktien im Portfolio. Auffällig ist: Freiberufler gehen mehr auf Nummer sicher. Sie gewichten diese Anlageformen weniger stark als die übrigen Selbständigen.
Mehr staatliche Förderung
Einig aber sind sich Unternehmer jeder Couleur darin, dass der Fiskus auch ihnen gegenüber eine Verpflichtung hat. Nur eine Minderheit von rund einem Viertel der Befragten ist mit der staatlichen Förderung der Altersvorsorge für Selbständige zufrieden. Grund: Verglichen mit der Förderung für Angestellte und Arbeiter sehen sich die Unternehmer benachteiligt. Allerdings schöpfen sie die vorhandenen Angebote noch längst nicht aus: Die Rürup-Förderung und die Möglichkeiten der betrieblichen Altersvorsorge nutzt bislang gerade einmal jeder zehnte Unternehmer, wie die Studie herausfand.
Doch das könnte sich schnell ändern. Mit der Überarbeitung des Jahressteuergesetzes 2007 ist der Sonderausgabenabzug der Rürup-Rente deutlich attraktiver geworden. Prompt stieg die Nachfrage in den ersten sechs Monaten 2007 gegenüber Vorjahr um 80 Prozent. Valentin: "Sobald sich die Anleger aller Vorteile dieser Variante voll bewusst werden, wird sie einen ähnlichen Siegeszug wie die Riester-Förderung antreten."
Auf die gesetzliche Rentenversicherung vertrauen schon jetzt nur noch wenige Firmenchefs. Wenngleich sie bei mehr als der Hälfte der Befragten Bestandteil der späteren Versorgung ist. Das aber liegt vor allem daran, dass viele Selbständige aus früheren Ausbildungsjahren, Beschäftigungsverhältnissen oder Pflichtzeiten wie etwa bei Handwerkern noch Ansprüche an diese staatlichen Töpfe haben.
An der Notwendigkeit der privaten Vorsorge ändert das nichts. Über 80 Prozent der Befragten legen dafür regelmäßig einen festen Betrag zur Seite – und das nicht zu knapp. Bei 40 Prozent der Freiberufler beispielsweise sind es monatlich mehr als 500 Euro. Vor allem Selbständige aus den Bereichen Handel und Baugewerbe zahlen, wann immer es geht, auch größere Einmalbeiträge ein.
Wer aber hilft ihnen bei der Auswahl der geeigneten Produkte? Wem trauen Unternehmer die dafür notwendige Expertise zu? Eine herausragende Vertrauensposition hat mit einem Anteil von rund 60 Prozent auch beim Thema Vorsorge der Steuerberater. Dafür gibt es gute Gründe. "Der Steuerberater ist einerseits umfassend mit den gesetzlichen Rahmenbedingungen vertraut, andererseits kennt er auch die persönlichen Verhältnisse des Unternehmers am besten", sagt Vermögensexperte Tripp. Und natürlich spielt der Jahrzehnte geübte Reflex vom Steuernsparen bei der Geldanlage eine große Rolle. Mit großem Abstand folgen mit Nennungen von gut 50 Prozent Hausbank, Finanzberater und Versicherungsmakler. Nahezu ebenso wichtig als Berater sind Familie, Freunde und Bekannte.
Welche Anlageform und welches Produkt aber letztlich ins Portfolio wandert, dürfte auch eine Frage des bereits vorhandenen Vermögens sein. Und damit sind die Firmenchefs ganz ordentlich ausgestattet. Gut 20 Prozent der Unternehmer verfügen über ein Kapitalvermögen – ohne Immobilien – zwischen 50.000 und 125.000 Euro. Nahezu doppelt so viele können aber auch größere Vermögen ihr Eigen nennen. Vor allem Unternehmer aus dem eigentlich so labilen Bausektor haben es zu überdurchschnittlichem Reichtum gebracht. Mehr als jeder Fünfte besitzt zwischen einer viertel und einer halben Million Euro an Wertpapieren.
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