Jede Krise hat auch ihre Gewinner. So schlagen derzeit windige Anlageberater schon wieder Profit daraus, dass das Image vieler Banken unter den Subprime-Abenteuern böse gelitten hat. Banker-Bashing als Kundenbringer.
"Was meinen Sie, wovon die Banken ihre Hochhäuser bezahlen?", fragt Sybille S. ihre potenziellen Kunden. Als die nur ahnungslos dreinschauen, gibt sie die Antwort selbst: Devisentauschgebühren. An denen will Sybille S., selbst ernannte Anlageberaterin aus Weil im Schönbuch, ihre Kunden teilhaben lassen.
Checkliste
Gier frisst Vermögen
Wie Sie Betrüger enttarnen
Realistisch bleiben Stecken Sie Ihre Renditeerwartungen nicht zu hoch. Chancen und Risiken sind untrennbar verknüpft. Wer mehr will, muss mehr wagen. Garantierte Gewinne sind immer ein Alarmsignal.
Gebühren vergleichen Es gibt nichts umsonst – schon gar nicht bei der Geldanlage. Prüfen Sie kritisch die geforderten Gebühren und klären Sie, ob Wettbewerber bei vergleichbaren Anlagezielen preiswerter arbeiten.
Referenzen prüfen Finanzexperte kann sich jeder nennen. Hinterfragen Sie die Qualifikation. Seriöse Vermögensberater sind Mitglied in Verbänden wie dem VuV. Auch die BaFin erteilt Auskunft, ob eine Lizenz vorliegt (Verbrauchertelefon: 01805/12 23 46).
Infos einfordern Geheime Erfolgsrezepte oder todsichere Tricks – auch das gibt es nicht bei der Geldanlage. Regelmäßige Anlageberichte, möglichst mit dem Prädikat eines anerkannten Wirtschaftsprüfers, sind eine Selbstverständlichkeit.
Bedenkzeit lassen "Die Gelegenheit ist einmalig, das Angebot gilt nur heute." Wer Sie so unter Druck setzt, will lästige Nachfragen vermeiden und schnell abkassieren. Spätestens da sollte man aussteigen.
"Jedes Mal, wenn irgendwo auf der Welt Dollar in Yen, Euro in Kronen, Franken in Pfund getauscht werden, fallen Gebühren an", soll sie erklärt haben. Gebühren, die nicht bei der Bank, sondern genauso gut auf dem Kundenkonto landen könnten. "Das ist Ihr Gewinn." Versprochene Rendite im Jahr: 108 Prozent.
Manuela E. findet das einleuchtend und träumt statt von Bankentürmen von der eigenen Villa. 68.000 Euro vertraut sie der Beraterin an, wirbt auch Freunde und Angehörige. Drei Jahre später: S. verhaftet, der Devisenfonds eine Luftnummer, das Geld weg. Wohl verprasst.
Ein klarer Fall von Anlagebetrug. Einer von zahllosen, die sich Jahr für Jahr abspielen. Publik werden meist nur die spektakulärsten Skandale. Ein Madoff in den USA, das größte aller Schneeballsysteme. Ein paar Nummern kleiner, im vergangenen Jahr, ein Helmut Kiener, Hedge-Fonds-Manager aus Aschaffenburg. Ein paar Jahre her, aber immer noch der Vater aller Anlagebetrüger in Deutschland – ein Jürgen Harksen, dessen Geschichte Inspiration für den neuen Film von Regisseur Dieter Wedel war. Titel: "Gier." Daneben gibt es die vielen kleinen Sybille S., mit vielen kleinen, nicht sonderlich vermögenden Kunden, am Ende aber durchaus mit Millionenschaden.
Insgesamt 5010 Fälle von Beteiligungs- und Kapitalanlagebetrug zählte das Bundeskriminalamt im Jahr 2008. Der bekannte Schaden beläuft sich auf 222 Millionen Euro. 2009 dürfte die Zahl mindestens doppelt so hoch sein (allein auf das Konto von Kiener gingen 280 Millionen Euro), aber damit ist das reale Ausmaß des Anlagebetrugs insgesamt immer noch nicht erfasst. Experten schätzen die tatsächliche Schadenhöhe auf eine zweistellige Milliardensumme.
Wie werde ich am schnellsten am reichsten? Meist ist es tatsächlich die pure Geldgier, die Anleger in die Hände der Abzocker treibt. Doch seit der Finanzkrise kommt ein neues Motiv hinzu: Viele Anleger vertrauen ihren Banken nicht mehr, fühlen sich falsch beraten und ausgenommen. Bei der Suche nach Alternativen geraten sie an Sybille S. & Co.
Die nette Frau von nebenan. In ihrem Dorf eine anerkannte Persönlichkeit. Inhaberin eines Geschäfts für Geschenkartikel, Mitglied im Gemeinderat. Eine, die sich um alte Menschen aus der Nachbarschaft kümmerte. Eine, das meint Manuela E. auch heute noch, der man sein Geld anvertrauen konnte. Was 150 Schwaben auch taten. 15 Jahre lang. Insgesamt 7,2 Millionen Euro. Selbst als rauskommt, dass S. eine Betrügerin ist, wollten einige sie nicht anzeigen. "Das können wir doch nicht machen, dann kommt sie ja ins Gefängnis", hätte man ihr entgegnet, sagt Inge Rötlich, Rechtsanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht in Sindelfingen.
Anleger wollen, dass es wahr ist
Wie konnten die nur so dumm sein, fragt sich der Außenstehende, wenn wieder einmal ein Fall aufgeflogen ist. Aber auf den ersten Blick klingen die Angebote meist plausibel: Betrüger machen den Kunden vor, ihr Geld in Aktien, Anleihen oder Ähnliches zu investieren. Angeblich zu 100 Prozent sicher. Und mit der Chance, das Kapital zu verdoppeln. Die Story, die drum herum gebaut wird, klingt für den unerfahrenen Sparer nachvollziehbar. "Wenn hohe Renditen in Aussicht gestellt werden, überstrahlt der Wunsch, reich zu werden, jeden Zweifel an der Seriosität der Geldanlage", sagt Markus Laymann, Rechtsanwalt aus München. Und weil die ersten Mitmacher tatsächlich reich werden, kommt erst einmal kein Misstrauen auf.
Betrugssysteme funktionieren genauso wie die berüchtigten Schenkkreise (siehe "Zocken für Verlierer"), und das "schon seit mehr als 100 Jahren", so Laymann. Nur die Namen änderten sich. Und das Ganze verschiebe sich derzeit von Süddeutschland Richtung Osten. Es fliegen immer wieder spektakuläre Betrugsfälle auf: Systeme wie Aktivforum, Sonntagsforum, Menschen helfen Menschen oder Formel 1.
Quelle: capital.de
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