Der sechstgrößte private Krankenversicherer gehört zu Generali. Im Gegensatz zu Verbraucherschützern, die schwarze Listen prinzipiell ablehnen, sieht Central-Vorstand Friedrich Carl Schmitt keinen Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot: "Hier handelt es sich um klar definierbare Risikotatbestände. Wir versichern auch keine Fußballprofis."
Bestimmte Berufe seien aber "nicht versicherbar in allen Tarifen", heißt es in einem Schreiben des Unternehmens an süddeutsche Makler, das der Financial Times Deutschland vorliegt. Das sind: "Gastwirte (Ausnahme Speiselokale mit mindestens fünf angestellten Mitarbeitern), Inhaber von Kiosk- bzw. Imbissbuden, Subunternehmer, Fuhrunternehmer, die selbst auch Fahrten durchführen, Immobilienmakler ohne Mitarbeiter, Handelsvertreter in den ersten sechs Monaten ihrer Tätigkeit." Bei den Handelsvertretern gibt es eine Ausnahme: Vertreter der Central und anderer Generali-Töchter.
Umstrittenes Vorgehen
Schmitt bestätigte die Negativliste. "Seit der Gesundheitsreform können wir nicht mehr kündigen, wenn der Versicherte die Beiträge nicht zahlt", sagte er. Gleichzeitig müssten die Krankenversicherer aber alle Behandlungen bei akuten Krankheiten bezahlen. Bei den genannten Gruppen gebe es eine Häufung von Nichtzahlern. Schmitt gestand aber zu, dass das Schreiben in einem Punkt fehlerhaft sei. Im Basistarif - den alle privaten Versicherer zu Bedingungen wie die gesetzlichen Krankenkassen anbieten müssen - würden sehr wohl alle Kunden versichert, behauptete er. "Wir halten uns an die gesetzliche Annahmepflicht."
In der Branche ist das Vorgehen umstritten. Nach Einschätzung von Roland Weber, Vorstand des PKV-Marktführers Debeka, bekommt das Unternehmen jetzt die Konsequenzen seiner Strategie zu spüren, über sehr günstige Policen viel Geschäft zu gewinnen. "Wenn man Krankenversicherung quasi zum Nulltarif anbietet, darf man sich nicht wundern, dass man Kunden bekommt, die nicht bezahlen können", sagte Weber. Die mit Alterungsrückstellungen kalkulierte private Krankenversicherung habe ihren Preis. "Billigtarife passen nicht dazu."
Anders Gernot Schlösser, Vorstandsvorsitzender der Axa Krankenversicherung: "Die Überlegungen der Central sind nachvollziehbar", sagte er.
Die von der Generali-Tochter aufgelisteten Berufsgruppen machten vielen Unternehmen zu schaffen. "Im gesamten Markt besteht hier Handlungsbedarf", sagte Schlösser. Die finanziellen Belastungen durch die Nichtzahler müssten schließlich die anderen Versicherten mittragen.
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