08.05.2009

Finanzierung: Informationstechnik öffnet Geldhähne

Von: Christoph Hus und Julia Groth
Mittelständler müssen die Kommunikation mit Kapitalgebern perfekt beherrschen - gerade in der Krise. Eine spezielle Technik hilft ihnen, Daten schnell und fehlerfrei aufzubereiten.

Angesichts der Wirtschaftskrise steht die Finanzkommunikation bei vielen Mittelständlern ganz oben auf der Agenda: Unternehmer kümmern sich jetzt besonders intensiv um den Dialog mit Banken, Leasinggesellschaften und Eigenkapitalgebern. Denn nur so können sie sicherstellen, dass sie auch an Kapital kommen, wenn sie es gerade brauchen. Die Informationstechnik (IT) spielt dabei eine zentrale Rolle:

Mit Hilfe der Informationstechnik (IT) können Unternehmer Finanzkennzahlen so schnell aufbereiten, wie Kapitalgeber es sich wünschen. Der Standard: Mindestens einmal pro Quartal bekommen alle Adressaten eine Gewinn- und Verlustrechnung, eine Zwischenbilanz, eine betriebswirtschaftliche Auswertung mit einem Plan-Ist-Vergleich sowie eine Prognose für die kommenden Monate.

Die dazu notwendige Technik haben viele Mittelständler nicht im Haus. Deshalb arbeitet ein Großteil mit Steuerberatern zusammen. Die professionelle Aufbereitung der Daten sei in den vergangenen Jahren jedenfalls wichtiger geworden, sagt Matthias Sommermann, Leiter der Abteilung Produktmanagement Rechnungswesen bei der Datev, einem IT-Dienstleister der Steuerberatungsbranche. „Wer seine Unternehmenszahlen lediglich auf Papier bei der Bank einreicht, erweckt den Eindruck mangelnder Zukunftstauglichkeit“, sagt Sommermann. „Die elektronische Datenübermittlung ist heute fast gängige Praxis.“

Über die äußere Form ihrer elektronischen Finanzberichte brauchen sich gerade die Chefs kleiner Unternehmen kaum Gedanken zu machen. Solange die Informationen übersichtlich aufbereitet sind, spielt es keine Rolle, ob es sich um selbst gestaltete Excel-Tabellen oder um eine betriebswirtschaftliche Auswertung des Steuerberaters handelt.

Dennoch erleichtert man den Kapitalgebern die Verarbeitung der Daten, wenn man sich an bestimmte Standards hält. So können Steuerberater zum Beispiel Kennzahlen so aufbereiten, dass Banken sie direkt in ihre IT-Systeme einspeisen können.

Dafür hat sich etwa der Standard XBRL (Extensible Business Reporting Language) etabliert. „Er reduziert den Aufwand für die Überführung von Unternehmenszahlen in eine Analysesoftware deutlich“, erklärt Sommermann.

Mittelständler sollten sich mit ihrer Finanzkommunikation allerdings nicht nur an Kapitalgeber richten, sondern auch andere Gruppen mit einbeziehen, rät Hermann Zimmermann, Inhaber der Kommunikationsagentur Engel & Zimmermann. „Zur Zielgruppe gehören auch Bürgermeister und Landrat, Bundestagsabgeordnete, Verbände und die Presse“, sagt Zimmermann. „Unternehmen brauchen ein Netzwerk in der Finanzcommunity. Durch regelmäßige Gespräche baut man sich solche Verbindungen auf und schafft Vertrauen.“

© 2009 ftd

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