Um von weiteren Preissteigerungen zu profitieren, hat sich der Hedge-Fonds Armajaro Ende vergangener Woche über die Londoner Warenterminbörse Liffe die Lieferung von 240.100 Tonnen Kakaobohnen gesichert - der größte Kontrakt seit 1996 und sieben Prozent der weltweiten Kakao-Jahresproduktion. Insgesamt hält die Liffe überhaupt nur 270.000 Tonnen zur sofortigen Lieferung bereit. Der Preis des Rohstoffs stieg auf den höchsten Stand seit 1977.
Damit versetzt der Londoner Hedge-Fonds einerseits den Schokoladeherstellern einen herben Schlag - sie müssen eine Preissteigerung von 150 Prozent binnen zweieinhalb Jahren verkraften. Zudem könnte das Geschäft die Kritiker von Agrarrohstoffspekulanten, vor allem Globalisierungsgegner und Politiker, auf den Plan rufen. Bereits 2006 und 2007 hatten von Spekulanten getriebene Preisanstiege für Aufregung gesorgt. Seinerzeit waren wegen der steigenden Lebensmittelkosten in Teilen der Dritten Welt Unruhen ausgebrochen.
Auch jetzt sind die Preise für Grundnahrungsmittel wie Weizen, Reis und Mais wieder explodiert - vor allem deshalb, weil die Hitzewelle in Europa die Ernten massiv drückt. Studien belegen aber, dass bereits 30 Prozent des Preisanstiegs bei Agrarrohstoffen auf Spekulanten zurückgehen.
Eigentlich sollen sich auf Warenterminmärkten Bauern und Produzenten gegen Preisschwankungen absichern können, die zum Beispiel aus Dürren oder Unwettern resultieren. Allerdings haben Finanzinvestoren, Banken und Fonds Agrarrohstoffe schon lange für sich entdeckt. Investments sind derzeit umso attraktiver, weil Aktien und Anleihen nur noch wenig Rendite abwerfen.
Die Tonne Kakao kostete am Freitag 2732 Pfund (2310 Euro). Händler gehen davon aus, dass der Preis demnächst bis auf 3000 Pfund steigt. "Das erinnert mich an 1977", sagte ein Händler mit Verweis auf den damaligen Rekordpreis von 3300 Pfund.
Die Entwicklung der Terminkontrakte auf Kakaobohnen alarmiert auch Industrie und Händler. Vor zwei Wochen beschwerten sich 16 große europäische Kakaohändler bei der Liffe über mutmaßliche Marktmanipulationen. "Beinahe alle Schokoladenhersteller haben ihre Preise in den vergangenen zwei Jahren angehoben", sagte Laurent Pipitone von der International Cocoa Organization. Aber der jüngste Preisanstieg könne erst 2011 an die Verbraucher weitergegeben werden.
Was die Industrie schmerzt, dürfte Armajaro üppige Renditen einbringen. Der Fonds geht davon aus, dass der Preis bis September weiter steigt. Dann beginnt die Einkaufssaison für das Weihnachtsgeschäft mit Schokolade, und die Ernte der wichtigen westafrikanischen Kakaoproduzenten ist noch nicht auf dem Markt. Das dürfte, neben der Verknappung der Ware durch den Fonds selbst, den Preis zusätzlich antreiben.
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