Obwohl in der industriellen Haftpflichtversicherung eine Verknappung von Kapazitäten nicht zu erwarten ist, werden die Preise steigen. Davon überzeugt ist Markus Orth, Manager Liability & Motor der Axa Corporate Solutions in Deutschland. "Es ist ein langsamer Anstieg der Prämien im Marktzyklus zu erwarten", sagte er bei einer Fachtagung in Hamburg. Den Hebel dafür sieht Orth in den sinkenden Gewinnen der Erstversicherer. "Der Grund für die steigenden Preise sind die geringeren Margen der Versicherer", sagte er.
In der Industrieversicherung stagnieren die Preise für die meisten Branchen seit Jahren oder sie gehen sogar zurück. Zu den Ausnahmen gehören Versicherungen für Pharmahersteller. Versicherer scheuen die hohen, langfristigen und schwer einschätzbaren Haftungsrisiken. Axa Corporate Solutions zum Beispiel hat sich in Deutschland aus diesem Bereich ebenso rigoros zurückgezogen wie aus der Managerhaftpflichtversicherung.
Schwierige Versicherung von Rückruffristen
Auch die Versicherung von Rückrufrisiken etwa in der Autoindustrie ist wegen hoher Schadenfrequenzen schwierig und sehr teuer. Die Erhöhungen in den schwierigen Feldern liegen über den Preisnachlässsen in den übrigen Bereichen. Schon mehrfach haben Industrieversicherer die Preiswende ausgerufen, durchsetzen konnten sie sie aber nicht. Ein Grund dafür waren neue Marktteilnehmer, die für mehr Kapazität gesorgt haben.
Orth geht davon aus, dass die Preise jetzt dennoch steigen werden, weil die Erstversicherer von zwei Seiten unter Druck geraten. Sie müssen gleichzeitig mehr Schäden verkraften und mehr für ihren Rückversicherungsschutz ausgeben. "Wir stellen einen deutlichen Anstieg im Frequenzbereich fest", sagte er. Außerdem werde die Weitergabe der Risiken teurer. "Meine Wahrnehmung ist, dass die Rückversicherer die Preise langsam anheben", sagte er. Ein Indikator dafür ist für ihn, dass die Rückversicherer die Preise in den vergangenen Jahren nicht weiter gesenkt haben.
Er wundere sich darüber, dass sich die Kunden aus der Industrie nicht für die finanzielle Stabilität der Rückversicherer interessieren, an die Erstversicherer Risiken weitergeben, sagte Orth. "Von Seiten der Kunden gibt es immer mehr Fragen nach der finanziellen Stabilität ihres Versicherers", sagte er. Aber sie stellten keine Fragen zu den Rückversicherern und deren Sicherheitsmechanismen.
© 2010 ftd.de
Ihre Meinung
Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück







Diesen Artikel bookmarken bei...