02.11.2009

Honorarberatung: Branche strebt nach Standards

Von: Markus Hinterberger
Wie erkennen Anleger Qualität?
Zoom Wie erkennen Anleger Qualität?
© Getty Images
In finanziellen Dingen darf jeder gegen ein Honorar beraten, denn Standards in der Qualifikation sind bislang rar. Das soll sich bald ändern.

Dieter Rauch ist im Stress. Heute ein Treffen mit Verbraucherschützern in Berlin, dann Meetings mit Staatssekretären und Politikern und ganz nebenbei noch Tagungen in Universitäten. Stets das gleiche Thema: Honorarberatung.

Als Krisengewinner will Rauch nicht gelten und doch: Er und der von ihm gegründete Verbund Deutscher Honorarberater (VDH) sind gefragter denn je. Der Fall Lehman Brothers hat gezeigt, dass es um die Beratungsleistung der Banken nicht zum Besten steht. Hinter vollmundigen Werbeversprechen stand nicht der Kunde, sondern das Wohl der Banken im Mittelpunkt. Auf den ersten Blick mag die Beratung bei vielen Banken kostenlos sein, aber schaut man genauer hin, verdienen Banken an den Provisionen für verkaufte Produkte und das nicht schlecht.

Der Ruf nach Honorarberatung ist in den vergangenen Monaten immer lauter geworden. So laut, dass die aktuelle und wahrscheinlich auch künftige Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner genau hinhört. "Die Ministerin interessiert sich möglicherweise mehr für das, was wir zu sagen haben, als für das, was ihr die Banken erklären", sagt VDH-Chef Rauch. Auch die Verbraucherzentralen sehen in der Honorarberatung seit Langem den goldenen Weg für den Kunden.

Honorarberater mit Imageproblemen

Doch es gibt ein Problem: Honorarberater kann sich heutzutage jeder nennen. Das schafft Platz für Abzockerei, und für das Vertrauen seitens der Kundschaft ist das auch nicht gerade förderlich. Rauch kämpft seit 2000 dafür, dass Honorarberater ihren Platz in der Gewerbeordnung finden. Als gewichtigstes Argument führt der VDH den Versicherungsberater ins Feld. Auch dieser Berufsstand hat seit einigen Jahren einen festen Platz in der Gewerbeordnung und darf - wie Honorarberater auch - keine Provisionen nehmen.

Bevor der Berufsstand geschaffen werden kann, gilt es zunächst festzulegen, was einen Honorarberater ausmacht. Der wichtigste Punkt wäre hier die Unabhängigkeit des Beraters vom Produkt. Für Banken, die massenweise Hausprodukte im Angebot haben, würde dies einen gewaltigen Sinneswandel bedeuten. Denn am eigenen Produkt konnte man bislang bestens verdienen, schließlich blieben die Provisionen im eigenen Haus.

Da der Honorarberater aber bereits für das Gespräch Geld vom Kunden bekommt, sind Provisionen nicht mehr nötig. Wer dennoch hinter dem Rücken des Kunden die Hand aufhält, dürfte sich - nach Lesart des VDH - nicht mehr Honorarberater nennen. "Ein einheitliches Berufsbild gibt es bislang nicht", sagt Rauch. Kundenbetreuer bei einer Bank durchlaufen nach der Banklehre und meist einem betriebswirtschaftlichen Studium eine Ausbildung an einer Bankakademie. So soll sichergestellt sein, dass der Mitarbeiter weiß, worüber er spricht.

Mehr auf Seite 2: Ganzheitliche Beratung »
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