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01.07.2010

Integrierte Finanzorganisation: Neu aufgestellt

Von: Oliver Rahayel
Ein Hauptgrund für die Neuausrichtung der Finanzfunktion ist ein gesteigerter Kostendruck
Zoom Ein Hauptgrund für die Neuausrichtung der Finanzfunktion ist ein gesteigerter Kostendruck
© Fotolia
Nach einem umfassenden Umbau ihrer Finanzorganisation können Unternehmen wesentlich schlagkräftiger arbeiten. Welche Hindernisse CFOs dabei überwinden müssen.

Alle reden vom Sparen, besonders natürlich die Finanzvorstände (CFOs). Die Frage ist bloß: wie? Eine Methode verheißt zurzeit 20 bis 40 Prozent Einsparpotenzial, sagt Marc Ennemann, Senior Manager Advisor beim Beratungsunternehmen KPMG: die integrierte Finanzorganisation, kurz: IFO. Das Konzept spreche sich gegenwärtig branchenübergreifend herum. Sei es nun Automotive, Telekommunikation, Pharma, Chemie oder Handel - Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen können sich Ennemann zufolge nach Implementierung einer IFO über hohe Kostensenkungen freuen.

Ein Hauptgrund für die Neuausrichtung der Finanzfunktion sei der gesteigerte Kostendruck, der sich aus den veränderten Marktbedingungen ergebe und Verschlankungen erfordere, erläutert Ennemann. Zudem sei es für einen modernen CFO erforderlich, Risiken zu managen und Wachstumschancen mit zu erkennen. Die Rolle des Finanzvorstands als Unterstützer von Management-Entscheidungen rückt also in den Vordergrund. Grundsätzlich gebe es deshalb "eine klare Tendenz, ausgewählte Funktionen zu zentralisieren", sagt Ennemann. Die klassischen Finanzfunktionen werden teils in Competence-, teils in Shared-Service-Centern gebündelt.

Leistungsfähige IT als Grundlage

Als Voraussetzung für den Aufbau einer IFO gilt eine verbesserte IT-Struktur, so dass sich Finanz- und IT-Vorstand (CIO) oft zunächst an eine Konsolidierung der IT-Landschaft machen. Lokale Berichterstattungsstandards und unterschiedliche regulatorische Ansätze können einer Optimierung des Finanzwesens ebenfalls im Weg stehen. Von einem verbesserten Reporting sollte man nach Ansicht von Ennemann Schnelligkeit, kostengünstige Erstellung und Transparenz erwarten können. Umsonst ist eine IFO nicht zu haben - aber die Investition scheint sich für größere Unternehmen zu lohnen.

Aus Sicht von IBM stärkt eine IFO die Rolle des Finanzvorstands. Dieser entwickle sich zunehmend vom Rückgrat zum Nervensystem eines Unternehmens, sagt Alexander Vocelka, Partner in der Unternehmensberatung IBM Global Business Services. Eine Ursache für das derzeitige Umdenken im Management liege in der aktuellen Krise, sagt Vocelka. Die Unternehmen seien von deren Ausmaß überrascht worden, weil ihnen die nötigen Informationen fehlten oder sie diese nicht rechtzeitig mit einbezogen hätten. Unternehmen und CFOs müssten antizipatorisch tätig sein.

Wenige Unternehmen als Vorreiter

Diese Erkenntnis lässt sich auch einer Umfrage von IBM unter CFOs entnehmen: "Eine integrierte Finanzorganisation ist Voraussetzung für einen effizienten Risikomanagementprozess", heißt es dort. Raimund Zähres von der Unternehmensberatung Rödl & Partner ergänzt, dass "umgekehrt auch das Risikomanagement zu einem wesentlichen Bestandteil der IFO wird". Und nicht nur das. CFOs, darin sind sich Experten einig, sollten auch unkonventionelle Wege beschreiten und Informationen zum Beispiel in Social Networks beschaffen lassen. Solche "unstrukturierten Informationen", wie sie etwa auf Facebook ausgetauscht werden, könnten von hohem Wert sein, sagt Vocelka. "Hätten die Autofirmen dort früher nachgesehen, hätten sie einige Probleme früher erkannt", gibt sich der Berater überzeugt: "Die Stimmung wird da draußen gemacht."

Trotz aller Vorteile haben weniger als 15 Prozent der Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 1 Milliarden Dollar eine integrierte Finanzorganisation, stellt die IBM-Studie fest. Nicht zuletzt, weil die Implementierung mit Schwierigkeiten verbunden sein kann. Etwa weil Personal abgebaut werden muss. Oder weil Besitzstandswahrung für einige im Unternehmen oberste Priorität hat und deswegen Widerstände überwunden werden müssen. Dennoch sagen mehr als zwei Drittel der befragten Finanzexperten, dass der Schritt zur IFO zwingend erforderlich ist.

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