Seine große Sorge sind japanische Verhältnisse - mit Niedrigzinsen, Deflation, Rezession. Doch daran glaubt Victor Moftakhar nicht. Der Anlagechef von Deka Investment hält Deutschland für den Musterknaben der EU und setzt auf die Reformfähigkeit der Gemeinschaft.
Die europäische Gemeinschaftswährung befindet sich seit Jahresanfang auf Talfahrt, notierte zwischenzeiltich unter 1,20 Dollar und hat sich nun wieder etwas erholt. Wie geht es weiter?
Wenn man sich heute Euro, Dollar oder Yen anschaut, geht es nicht darum, was die schönste Währung ist. Leider ist der Euro zurzeit das hässlichste Entlein auf dem Teich. Ursache dafür ist die Vertrauenskrise. Und ich kann mir vorstellen, dass der Rückgang des Euro gegenüber dem Dollar noch weitergeht, auf eins zu eins oder tiefer. Ich glaube nicht, dass der Euro über Nacht wiedererstarkt. Ich spüre immer noch viel Rückenwind für den Dollar, denn die Probleme sind in Europa eher größer als in den USA.
startete nach dem BWL-Studium in Frankfurt 1996 seine Karriere bei der Privatbank SMH (heute Teil der UBS ) als Junior-Fondsmanager. Zwei Jahre später wechselte er zu Deka und verwaltete zunächst den Branchenfonds Deka-Telemedien. Vor vier Jahren übernahm der Vater von zwei Töchtern die Leitung des Aktienteams bei Deka Investment.
Seit Anfang 2008 ist der 43-Jährige einer der Geschäftsführer der Sparkassen- Fondstochter und als Chief Investment Officer (CIO) für alle Wertpapieranlagen zuständig.
Schadet die Euro-Schwäche der Wirtschaft und den Märkten?
Bei 1,40 war der Euro überbewertet, da haben die Unternehmen unter dem Kurs geächzt. 1,20 entspricht in etwa der Kaufkraftparität - billig ist der Euro deshalb noch nicht. Momentan profitiert Deutschland vom Wechselkurs. Es gibt Studien, die sagen, dass die positiven Wachstumseffekte der Euro-Abwertung die negativen Effekte aus den Sparprogrammen ausgleichen.
Haben auch Länder wie Griechenland einen Vorteil, wenn der Euro schwach ist und weiter fällt?
Eine Abwertung ist ein legitimes Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit international zu steigern. Nur bei den Griechen kommt im Moment davon nichts an. Das Land kann lediglich indirekt profitieren, wenn Deutschland als Zahlmeister der Euro-Gemeinschaft mehr exportiert.
Sie machen sich keine Sorgen wegen der Euro-Schwäche?
Wir brauchen die alte Stärke des Euro nicht. Gefährlich werden kann aber ein schneller und ungeordneter Verfall des Euro. Besonders wenn dadurch Stammtischparolen wie "Lasst uns doch die Griechen rauswerfen" Unterstützung bekommen und in das politische Denken und Handeln einfließen.
Die Schwankungen an den Aktienmärkten haben in den vergangenen Monaten zugenommen. Wie geht es weiter? Soll ein Investor eher ein- oder aussteigen?
An den Finanzmärkten befinden wir uns noch im Stadium der künstlichen Beatmung durch die massive Bereitstellung von Liquidität und durch die Konjunkturprogramme.
Jetzt geht es darum, das Gerät abzustellen, ohne den Patienten zu gefährden. Unsere Prognose für diesen Schritt ist positiv, wir glauben nicht an eine erneute Rezession oder gar an japanische Verhältnisse. Daher haben wir die Aktienquote tendenziell etwas erhöht.
Rückblickend sagen viele: Mit Aktien habe ich in den vergangenen zehn Jahren nichts verdient. Sind die Risiken zu hoch?
Die Risikoprämie für Aktien beträgt wieder fünf bis sieben Prozent. Das bedeutet: Selbst wenn die Profitabilität der Unternehmen sinkt und die Eigenkapitalrendite von zehn auf acht Prozent fällt, kann man ein Kurspotenzial von 25 Prozent errechnen.
Richtig ist, dass der Markt die Volatilitäten von Aktienrenditen unterschätzt hat und immer davon ausgegangen ist, zehn Jahre Anlagedauer reichten aus.
Was kann ein Aktienanleger denn an Rendite erwarten?
Nach unseren Erwartungen liegt die Rendite langfristig bei acht Prozent, aber vor dem Hintergrund einer hohen Volatilität. Für Aktien spricht dabei, dass sie im Moment keiner so recht haben will und ein hoher Risikoaufschlag eingepreist ist.
Wo soll solch ein Wachstum herkommen?
Das amerikanische Wachstumsmodell einer verschuldeten Volkswirtschaft scheint ausgedient zu haben. Stark wachsen werden die Schwellenländer, die jungen Volkswirtschaften - und das kann die Entwicklung zehn bis 15 Jahre tragen.
Welche Unternehmen könnten in dieser Situation zulegen?
Eines der wichtigen Investmentthemen heißt Dividende. Viele Aktien bieten heute eine höhere Dividendenrendite, als mit vergleichbaren festverzinslichen Papieren zu erzielen ist. Neben der Dividende hat eine Aktie ja auch eine Kursfantasie - jedenfalls in guten Zeiten.
Quelle: boerse-online
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