Joachim Faber war seit 1997 Vorstandsmitglied der Allianz Versicherungs-AG. Er ist seit 2000 Mitglied des Vorstands der Allianz SE (ehemals Allianz AG) sowie Vorstandsvorsitzender von Allianz Global Investors, dem weltweit drittgrößten Vermögensverwalter. Von 1983 bis 1997 war er in verschiedenen Positionen bei Citicorp in Frankfurt am Main und London tätig. Dort leitete der promovierte Jurist ab 1995 das Kapitalmarktgeschäft in Europa, Nordamerika und Japan.
Er ist Herr über gut 1400 Milliarden Euro: So viel legt die Allianz Gruppe auf den globalen Finanzmärkten an, um eine möglichst hohe Rendite zu erzielen. Wer drei bis fünf Prozentpunkte über dem Jahresgeldmarktsatz schaffe, schlage sich gut, so Faber, und erreiche ein respektables Ergebnis.
Herr Faber, wie wird die Finanzkrise auf lange Sicht die Welt verändern?
Die Finanzkrise ist keine jener Krisen, wie wir sie in den vergangenen 20 Jahren des Öfteren erlebt haben. Wegen der hohen Staatsverschuldung werden die Staaten als Konjunkturmotor zukünftig weitgehend ausfallen. Allerdings müssen wir unterscheiden zwischen jenen Ländern, die noch einen Reservereifen mit sich führen, und solchen, die eine Strecke mit vielen Schlaglöchern ohne Reserverad fahren müssen.
Was heißt das konkret?
Auf der einen Seite gibt es Länder mit einem relativ niedrigen Grad an Verschuldung gemessen am Bruttoinlandsprodukt. Sie sind vor allem unter den Emerging Markets zu finden. Andererseits haben inzwischen viele traditionelle Industriestaaten eine vergleichsweise hohe Verschuldung. Die Folgen werden ein nur mäßiges Wachstum in der westlichen Welt und gute Wachstumsraten in anderen Ländern sein.
Neben den Wachstumsaussichten bewegt die Frage "Inflation oder Deflation?" derzeit die Finanzmärkte. Wie stehen Sie dazu?
Beide Themen werden zu hoch gehängt. In Europa und in den USA werden wir keine Deflation bekommen, auch wenn noch so viele Japan als Beispiel zitieren. Unsere Wirtschaft und die Amerikas sind viel flexibler. Demgegenüber habe ich gewisse Zweifel, dass die Zentralbanken ihren sehr expansiven geldpolitischen Kurs rechtzeitig korrigieren.
Das klingt nicht nach einem uneingeschränkt guten Umfeld für Aktien.
Für mich ist das der typische Markt für aktives Portfoliomanagement. Sie werden in einem solchen Umfeld ganz ausgeprägt Gewinner und Verlierer haben. Das ist die klassische Zeit, in der Stockpicking und gute Analyse Mehrwert schaffen können. Sie sehen das schon heute bei vielen Small-Cap- und Mid-Cap-Portfolios, die hervorragende Gewinne erzielen.
Quelle: ftd.de
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