07.12.2009

Kampf gegen die Kreditklemme: Ackermanns fehlende Geschichtskenntnis

Von: Rolf Lebert
Josef Ackermann
Josef Ackermann
© dpa
Mit seinem Vorschlag eines Eigenkapitalfonds für den Mittelstand läuft Josef Ackermann bei den Branchenkollegen ins Leere. Der Deutsche-Bank-Chef hätte besser mal in die Geschichtsbücher geschaut.

Als Josef Ackermann vorigen Mittwoch beim Treffen im Kanzleramt einen Bankenfonds zur Kapitalversorgung des klammen Mittelstandes vorschlägt, ist vor allem die Regierung froh. Der Deutsche-Bank-Chef enthebt sie so der leidigen Aufgabe, sein Gewerbe per amtlichem Ukas zur Öffnung der Kreditschleusen zu zwingen. Der Finanzminister schielt zudem auf die schwer malträtierte Staatskasse und wittert Morgenluft: Wenn die Banken das selber machen, ist der Staat aus dem Obligo. Also ist Wolfgang Schäuble des Lobes voll.

Weniger euphorisch reagiert der ebenfalls am Tisch sitzende Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Er kann mit dem "Ackermann-Fonds" nichts anfangen. Und auch die anderen Banken, selbst die im eigenen Lager, sowie die ebenfalls angesprochenen Versicherungen reagieren reserviert bis verschnupft. Es sei ja schön, dass sich auch andere Gedanken über die Mittelstandsfinanzierung machten, befindet etwa der genossenschaftliche Bankenverband BVR. Von einem säulenübergreifenden Fonds will er freilich nichts wissen. Auch die Versicherungen erklären, sie hätten von dem Ackermann-Fonds noch nie etwas gehört und könnten den Vorschlag daher nicht bewerten. Die Sparkassen und die Commerzbank sind schon vor dem Treffen mit eigenen Mittelstandsinitiativen vorgeprescht.

Kurzum: Es sieht so aus, als stehe Ackermann ziemlich allein da.

Diese Erfahrung muss Eberhard Martini schon im Jahr 1993 machen. Der Anfang 2009 bei einem Skiunfall ums Leben gekommene Banker ist damals Vorstandschef der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank und Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), der Dachorganisation der privaten Geschäftsbanken.

Deutschland ist damals seit drei Jahren wiedervereinigt und steckt mitten in einem nationalen Kraftakt, um die wirtschaftlichen Folgen dieses Jahrhundertereignisses zu bewältigen. Bundeskanzler ist seit elf Jahren Helmut Kohl. "Blühende Landschaften" im Osten hat er versprochen. Davon ist 1993 aber weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen steckt die eigens für diesen Zweck gegründete Treuhandanstalt mitten in der Abwicklung der oft heruntergewirtschafteten Staatsbetriebe der ehemaligen DDR und es klemmt hinten und vorn.

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Kohl hat ein Versprechen gegeben und sucht verzweifelt Kombattanten, die ihn beim "Aufbau Ost" unterstützen können. Also knöpft er sich Martini vor: Die Banken würden viel zu wenig zur Erfüllung ihrer patriotischen Pflichten tun. Bei Martini rennt er damit offene Türen ein. Der Banker sagt Kohl spontan Hilfe zu. 1 Milliarden DM würden die Banken investieren, um den Ostunternehmen neues Leben einzuhauchen und für Beschäftigung zu sorgen. Das ist die Geburtsstunde der berühmt-berüchtigten "Bankenmilliarde", die dem Gewerbe nur Verdruss gebracht hat und mit Fug und Recht als einer der größten Flops der Geldbranche bezeichnet werden kann.

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