14.12.2009

Kreditversicherer: Branche wehrt sich gegen Vorwürfe

Von: Herbert Fromme
Die Kreditversicherer stehen in der Kritik von Industrie und Politik. Sie werden verantwortlich gemacht für einen Teil der Kreditklemme, ein staatliches Programm soll betroffenen Lieferanten helfen. Am Montag wehrte sich die Branche auf einer Pressekonferenz gegen die Vorwürfe und legte erste Zahlen für 2009 vor.

Das staatliche Programm zur Aufstockung von Warenkreditversicherungen, das der Bund in Kooperation mit der Versicherungsbranche betreibt, kann in dieser Woche starten. "Die Verträge werden heute unterschrieben", sagte Versicherungsmanager Peter Ingenlath am Montagmorgen vor der Presse. Eigentlich war Ende Oktober angepeilt. Das habe sich verzögert, weil komplexe rechtliche Fragen geklärt werden mussten. Ingenlath ist Deutschland-Chef des Kreditversicherers Atradius und Vorsitzender der Kommision Kreditversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Kreditversicherer decken Unternehmen gegen das Risiko ab, dass ihre Abnehmer zwischen Lieferung und Zahlung in die Insolvenz gehen und die Lieferanten auf der Rechnung sitzen bleiben.

"Die Kreditversicherer benötigen keinen Rettungsschirm", sagte Ingenlath. "Es geht hier allein um Unterstützungsmaßnahmen für die versicherungsnehmende Wirtschaft und deren Kunden." Die Kreditversicherer erhielten keine Förderung.

Zusätzliche Tranche vom Staat versichert

Bis Ende 2010 können Firmen, denen die Deckung für Lieferungen gekürzt wurde, eine zusätzliche Tranche vom Staat versichern lassen - aber nur in der Höhe, in der ein Kreditversicherer Deckung gewährt. Mit 2,88 Prozent pro Jahr ist die Deckung vergleichsweise teuer. Sie wird von den Kreditversicherern verwaltet, das Risiko trägt die Bundesregierung, die dafür 7,5 Milliarden Euro aus ihrem Bürgschafts- und Garantieprogramm zur Verfügung stellt.

Die schwarz-rote Bundesregierung hatte das Programm auf Druck der Industrieverbände beschlossen. Sie werfen den Kreditversicherern vor, pauschal für ganze Branchen die Deckung zu verweigern oder stark zu kürzen. Ingenlath wies die Vorwürfe zurück. "Wir können bei deutlich verschlechterter Liquidität bestimmte Limite nicht oder nicht mehr in voller Höhe zeichnen", sagte er. Dazu seien die Versicherer auch im Interesse der Kunden verpflichtet, die schließlich im Schadenfall 20 Prozent bis 25 Prozent Selbstbehalte zahlen müssten.

Ingenlath sagte, die fünf großen Warenkreditversicherer Euler-Hermes, Atradius, Coface, R+V und Zurich hätten 39.600 Verträge im inländischen Geschäft, nahezu das Niveau von Ende 2009. "Seit Ende 2008 ging auch das versicherte inländische Handelsvolumen um etwas mehr als neun Prozent auf 259,1 Milliarden Euro zurück", sagte Ingenlath. Das sei im Wesentlichen eine Folge des Konjunktureinbruchs. "Wenn weniger gehandelt wird, entstehen weniger Handelsforderungen." Er appellierte an Unternehmen, Abschlüsse und andere Daten schnell vorzulegen, um die Risikoeinschätzung zu ermöglichen.

Mit welchen Verlusten die Branche rechnet

"Es gibt in der versicherungsnehmenden Wirtschaft eine andere Wahrnehmung", gestand Ingenlath ein. "Das ist zum Teil auch gerechtfertigt. Was die Leute umtreibt, ist nicht ihr Gesamtportfolio, sondern das sind ein, zwei, oder drei kritische Kunden." Bei diesen Kunden wüssten alle, dass es eng wird, in guten Zeiten habe man noch Deckung gewährt, in schlechten nicht mehr. "Das sind dann die Fälle, die bis in die Vorstandsetage hochgehen."

Die Beitragseinnahmen über alle Sparten der Kreditversicherung belaufen sich 2009 auf 1,37 Milliarden Euro, ein Rückgang um 1,5 Prozent. Die Branche rechnet über alle Sparten mit einer Schaden- und Kostenquote von 114 Prozent der Beitragseinnahmen. "Das entspräche einem versicherungstechnischen Verlust von 200 Millionen Euro", sagte Ingenlath. In der Warenversicherung sei die Quote "deutlich über den 114 Prozent", sagte er. In der Kautionsversicherung läuft es deutlich besser: Hier gingen die Prämien in den ersten drei Quartalen um 4,1 Prozent auf 268 Millionen Euro nach oben, die Schäden sanken von 93 Millionen Euro auf 83 Millionen Euro.

© 2009 ftd.de

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