08.06.2010

Luxusimmobilien: Wohnungen hängen Häuser ab

Von: Nikolaus von Raggamby

© Getty Images = Getty Images
Hochpreisige Eigentumswohnungen in Deutschland erleben derzeit eine ungeahnte Nachfrage. 2009 wurden in den sechs deutschen Metropolen 22 Prozent mehr verkauft. Luxuriöse Häuser wechselten dagegen seltener den Besitzer.

Luxusgüter verkaufen sich immer – vor allem in Krisen. Das trifft derzeit zumindest für hochpreisige Eigentumswohnungen in Deutschland zu. Nach einer Untersuchung des Immobilienmaklers Dahler & Company stiegen im vergangenen Jahr sowohl die Zahl der Käufe als auch die Geldumsätze in deutschen Metropolen um rund 22 Prozent.

In der von Dahler & Company vorgelegten Untersuchung wurden die tatsächlichen Verkaufszahlen der Gutachterausschüsse für Ein- und Zweifamilienhäuser sowie Wohnungen zu Kaufpreisen von mehr als 750.000 Euro in den Berlin, München, Stuttgart, Hamburg, Düsseldorf und Frankfurt am Main ausgewertet. Demnach wurden 2009 rund 450 Wohnungen mit einem Gesamtmarktwert von 506 Millionen Euro verkauft – 85 Wohnungen für 91 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

Dagegen wiesen Häuser einen negativen Trend auf: Sowohl die Zahl der Käufe als auch die Geldumsätze für Häuser nahmen um 11,1 Prozent ab. Insgesamt summierten sich die Umsätze für luxuriöse Wohnimmobilien ab 750.000 Euro im vergangenen Jahr in den sechs größten deutschen Metropolen auf 1,26 Milliarden Euro und lagen damit im Vergleich zum Vorjahr mit 0,2 Prozent leicht im Minus. Die Anzahl der verkauften Immobilien steigt leicht auf 991.

Björn Dahler, geschäftsführender Gesellschafter der Dahler & Company, führt die Verschiebung des Interesses von Häusern auf Eigentumswohnungen vor allem auf die wachsende Nachfrage nach innerstädtischen Lagen zurück, in denen Einfamilienhäuser und Villen traditionell rar sind: "Wohlhabende im Ruhestand tauschen zudem ihre Häuser gegen luxuriöse Wohnungen im innerstädtischen Bereich", sagt Daher. Daneben weist der Experte auf die zunehmende Zahl der Single- und Zweipersonen-Haushalte hin, die eher Eigetumswohnungen nachfragten.

Die meisten Häuser in Luxussegment – 168 – wurden im vergangenen Jahr in München verkauft. Mit rund 23 Millionen Euro Rückgang beim Geldumsatz liegen München und Köln fast gleich auf. Der Anteil des Rückgangs fällt in Köln mit 24,4 Prozent dagegen deutlich höher aus als in München mit 9 Prozent. München und Hamburg liegen immer noch vor Berlin, doch alle drei Metropolen mussten Rückgänge bei Ein- und Zweifamilienhäusern einstecken. Hamburg hat gegenüber 2008 Geldumsatz in Höhe von 13,76 Prozent verloren.

Häuser jenseits der 2-Millionen-Euro-Grenze sind Ladenhüter

Nur Frankfurt und Stuttgart weisen in der Verkaufsstatistik für 2009 mehr Häuser aus als für 2008, Düsseldorf hatte zwar drei Verkäufe weniger als im Vorjahr, dennoch ist der Umsatz auch hier gestiegen. "Das zeigt uns, dass sowohl der Finanzplatz Frankfurt als auch Stuttgart mit der Automobilindustrie bisher weniger stark von der Wirtschaftskrise betroffen waren als vermutet", sagt Björn Dahler.

Einen extrem starken Rückgang verzeichnen Häuser über zwei Millionen Euro. Hier nahmen die Kauffälle insgesamt um 37,9 Prozent und die Geldumsätze um 29,6 Prozent ab. Nur in Düsseldorf hat 2009 ein Käufer mehr als 2008 (10 statt 9) einen Kaufvertrag unterschrieben. Die Kauffälle bei den Tophäusern im Wert von mehr als zwei Millionen Euro variieren von null in Frankfurt bis 26 in Hamburg.

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