02.05.2007

Magazin: Risiko eines Crashs ist gering

Beruhigt Aktienanleger: Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz Gruppe

impulse: Steigende Zinsen, taumelnde Hedgefonds, labile US-Immobilienmärkte, und weltweit steigt die Angst vor einem Börsencrash. Sollten Anleger deshalb jetzt schnell Kasse machen, Herr Heise?
Heise: Nein, das sehe ich nicht. Der generelle Aufwärtstrend an den Finanzmärkten ist intakt. In der Tat gehen vom US-Immobilienmarkt wegen fauler Hypothekenkredite heftige Schockwellen aus. Weitere Auswirkungen auf die Aktienbörsen sind unwahrscheinlich. Diese haben die Anleger wieder etwas vorsichtiger werden lassen und die Risikowahrnehmung erhöht.

Was macht Sie so sicher?
Die Konjunktur in den Vereinigten Staaten und in Europa ist in einer guten Verfassung. Sie wird durch die Probleme am US- Immobilienmarkt nicht wegbrechen. Das Wachstum ist stabil. Die Unternehmen haben restrukturiert und schreiben gute Gewinne. Sie haben ihre Kapitalbasis verbreitert. In Europa sehen wir sinkende Insolvenzzahlen. Daher gibt es auch keinen Grund, warum an den Börsen sehr hohe Risikoaufschläge verlangt werden sollten.

Und die Hedgefonds? Geht von ihnen keine Gefahr für die Stabilität an den Finanzmärkten aus?
Manche Hedgefonds können durchaus selber in Gefahr sein. Das Beispiel Armaranth zeigt aber, dass selbst bei großen Verlusten eines Hedgefonds das internationale Wirtschaftssystem nicht erschüttert wird. Hedgefonds haben auch die Funktion, Risiken auf viele Investoren zu verteilen.

Die Börsen fürchten höhere Zinsen. Wie geht es hier weiter?
Höhere Zinsen sind in der Vergangenheit häufig ein Grund für Turbulenzen an den Börsen gewesen. Doch zurzeit droht kein starker Anstieg. In den USA dürften die Zinsen sogar bald wieder sinken.

Werden die Aktienmärkte trotzdem nochmal einbrechen?
Die Schwankungen werden an den Aktienmärkten größer sein als im Jahr 2006. Aber ein erneuter Einbruch an den internationalen Börsen zeichnet sich bisher nicht ab.

Wie sollten sich die Anleger verhalten?
In Schwächephasen zukaufen, auch wenn das Timing immer schwierig ist. Auf mittlere Sicht ist man an den hiesigen Börsen gut aufgehoben. Deutsche Standardwerte bieten gute Performance-Chancen. Bei US-amerikanischen Dividendenpapieren schlagen höhere Ertragschancen, aber auch mehr Risiken zu Buche. Und bei Wertpapieren aus Schwellenländern oder Rohstoffwerten hat man immer auch ein Dollar-Risiko.

© 1999 - 2012 impulse

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