11.06.2010

Mittelstandsfinanzierung: Finanzielle Kraft für Kleinunternehmer

Von: Friederike Meier-Burkert
Investitionsobjekt - Thüga Aktiengesellschaft
Zoom Investitionsobjekt - Thüga Aktiengesellschaft
Projektfinanzierung durch mehrere Kreditgeber hat Schule gemacht. Mit sogenannten Club-Deals lassen sich die Risiken verteilen. Unternehmer sollten jedoch aufpassen: Ein Club-Deal eignet sich nicht für den kurzfristigen Finanzbedarf.

Ende 2009 kauften 47 Stadtwerke und regionale Versorgungsunternehmen gemeinsam für rund 850 Millionen Euro fast 40 Prozent an Thüga, einem der größten Energieversorger in Deutschland. Die anteiligen Kaufpreise wurden durch mehr als 80 Sparkassen und Volksbanken refinanziert. Diese konnten damals deutlich bessere Konditionen anbieten als die Landes- und Geschäftsbanken.

Regionale Partner für die Finanzierung

"Die großen Häuser waren zu diesem Zeitpunkt extrem vorsichtig", sagt Tobias Schätzmüller, von der Beratungsfirma @Visory Partners, die die Transaktion für das Käuferkonsortium begleitet hat. "Wir haben uns deshalb schließlich an die Sparkassen gewandt, deren Eigenkapitalausstattung unter der Krise weniger gelitten hat als die der übrigen Institute."

Weil einzelne Regionalinstitute eine Transaktion in dieser Größenordnung nicht allein stemmen konnten, wurde der Kredit schließlich in kleinere Tranchen gestückelt und an eine große Anzahl von Banken verteilt. Von Vorteil war in diesem Fall, dass das Käuferkonsortium Standorte in der gesamten Bundesrepublik unterhält.

"Damit konnten wir jeweils den örtlichen Bezug herstellen und so dem Regionalitätsprinzip der Sparkassen Rechnung tragen", sagt Schätzmüller. "Auch bei der Finanzierung von Firmenkäufen im mittelständischen Bereich ist eine ähnliche Konstruktion durchaus vorstellbar."

Finanzierung größerer Projekte durch mehrere Kreditgeber hat inzwischen Schule gemacht. Vor allem die von der Krise weniger gebeutelten Sparkassen und Volksbanken kommen dabei zum Zuge. Wenn es sich um Unternehmen mit mehreren Produktionsstandorten oder beispielsweise um Einzelhandelsketten mit Standorten in verschiedenen Städten handelt, kann eine Finanzierung über eine Sparkassengemeinschaft besonders sinnvoll sein.

Auch Großbanken arbeiten zusammen

Doch auch Großbanken suchen heute zunehmend den Schulterschluss, wenn es um größere Summen geht. So können sie in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ihre Ausfallrisiken besser streuen, wenn sie das Kreditvolumen auf mehrere Institute verteilen. "Bei größeren Projekten sind heute in der Regel von Anfang an vier oder fünf Banken mit an Bord", sagt Bernhard Gemmel, Leiter Banking & Finance bei der internationalen Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt.

Solche sogenannten Club-Deals werden aber nicht nur bei Firmenübernahmen gebildet, auch für die Projektfinanzierung von Immobilien oder größeren Exportgeschäften sind Zweckgemeinschaften inzwischen an der Tagesordnung. Ein Mittelständler, der ein Großprojekt stemmen will, sollte zunächst bei der Hausbank anfragen, rät Gemmel: "Wenn die von vornherein abwinkt, wird es eher schwierig, andere Banken zu überzeugen."

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