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19.08.2010

Nach Streit mit BaFin: Aufsicht macht Ethikbank Noa dicht

Von: Rolf Lebert
Die Noa Bank ist seit langem im Clinch mit der Finanzaufsicht
Zoom Die Noa Bank ist seit langem im Clinch mit der Finanzaufsicht
Gründer Jozic wollte eine Alternative zu herkömmlichen Banken schaffen, die transparent Kredite vergibt. Nachdem Verhandlungen mit der Finanzaufsicht gescheitert sind, stellt er Insolvenzantrag.

Deutschen Privatanlegern droht der größte Reinfall seit der Pleite der isländischen Kaupthing Bank im Oktober 2008. Nachdem am Mittwoch die zum Noa-Bank-Konzern gehörende Factoring-Tochter beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenz angemeldet hatte, schloss die Finanzaufsicht BaFin am Abend die Schalter des Instituts. Für die etwa 15.000 Kunden bedeutet dieser drastische Schritt, dass sie nicht an ihre Einlagen über zuletzt 172,1 Mio. Euro herankommen.

Noa gehört zwar der gesetzlichen Entschädigungseinrichtung deutscher Banken an, nicht aber der Einlagensicherung der privaten Institute. Bei einer Pleite sind nur Einlagen bis 50.000 Euro pro Kunde abgesichert. Allerdings gilt nach wie vor die Garantie der Bundesregierung für die Sicherheit der Spareinlagen.

Die BaFin stellte klar, dass die Noa Bank mit einer Bilanzsumme von 179,2 Mio. Euro nicht systemrelevant sei. Nach der Insolvenz der Factoring-Gesellschaft habe dem Gesamtkonzern die Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit gedroht. Die erste Bankpleite in Deutschland seit Herbst 2008 ist somit kein Indiz für die akute Rückkehr der Finanzkrise.

Noa-Gründer François Jozic hatte die Bank im November 2009 als Alternative zu traditionellen Geldhäusern gestartet. Obwohl gewinnorientiert, stellte er moralische Grundsätze in den Vordergrund - insofern ist das Moratorium auch ein Rückschlag für das Modell der ethischen Bank. Vor allem aber wollte der 37-jährige Belgier Transparenz schaffen. Kunden sollten festlegen, in welche Projekte investiert wird. Dank attraktiver Konditionen für Tages- und Festgelder verzeichnete die Bank rasch Mittelzuflüsse, die Kreditvergabe hielt allerdings nicht Schritt. Die Folge: Die Noa Bank verdiente mit Krediten weniger, als sie ihren Sparern Zinsen zahlen musste.

Per 13. August betrugen die Spareinlagen 210,3 Mio. Euro, bei Krediten von nur 59,6 Mio. Euro. Der Rest der Einlagen musste im Bankenmarkt angelegt werden. Damit reichte das vorhandene Eigenmittel von 5,6 Mio. Euro bei Weitem nicht für die vorgeschriebene Unterlegung von Risiken mit acht Prozent Eigenkapital aus. Weiter soll die Noa Bank die Factoring-Firma mit 26 Mio. Euro refinanziert haben, was angesichts der Größenverhältnisse einem Klumpenrisiko gleichkäme.

Mehr auf Seite 2: Es began mit Factoring »
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