2009 mussten die Institute beim Neugeschäft im Schnitt einen deutlichen Einbruch hinnehmen. Bei den privaten Bausparkassen, die im Bestandsgeschäft einen Marktanteil von 66 Prozent halten, fiel die Bausparsumme neuer Verträge gegenüber dem Vorjahr von 62,8 auf 56 Milliarden Euro - ein Minus von 10,8 Prozent. Andreas Zehnder, Vorstandsvorsitzender des Verbands Privater Bausparkassen (VPB), verweist auf die Wirtschaftskrise: "Wer Angst um seinen Arbeitsplatz oder sein Einkommen hat, wartet erst mal ab, bevor er langfristig Geld spart oder investiert."
Anders urteilen neutrale Experten: Bausparfinanzierungen seien derzeit teurer als klassische Annuitätendarlehen, sagt Peter Lischke, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Berlin. "Steigen die Zinssätze für Hypothekenkredite in den nächsten zehn Jahren nicht deutlich, lohnt sich Bausparen nicht."
Bausparer zahlen im Ansparzeitraum monatlich einen festen Betrag ein, bis mindestens 40 Prozent der vereinbarten Bausparsumme angesammelt sind. Danach wird die gesamte Summe von der Bausparkasse ausgezahlt, wobei der noch nicht angesparte Betrag als Darlehen gewährt wird. Es muss samt Zinsen in einem festen Zeitraum getilgt werden.
Abschlussgebühr schmälert Sparzinsen
"Gegenwärtig verzinsen Bausparkassen das angesparte Kapital der Kunden mit 0,5 bis 1 Prozent pro Jahr und damit deutlich niedriger als Banken bei langfristigen Sparplänen", sagt Arno Gottschalk, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Bremen. So gewährt die Volkswagen Bank derzeit bei einem zehnjährigen Sparplan einen Effektivzins von 2,66 Prozent pro Jahr.
Hinzu kommt beim Bausparen die Abschlussgebühr von einem Prozent der gesamten Bausparsumme. Oftmals übersteige die Gebühr die vom Staat in der Ansparphase gewährte Wohnungsbauprämie von maximal 91,10 Euro pro Jahr für verheiratete Paare und 45,06 Euro für Singles.
Eine Beispielrechnung macht dies deutlich: Bei einer Bausparsumme von 100.000 Euro beträgt die Abschlussgebühr 1000 Euro. Damit der Vertrag bei einer nominalen Zinsrate von einem Prozent nach zehn Jahren zuteilungsreif ist, muss die Familie jeden Monat 330 Euro einzahlen. Nach zehn Jahren verfügt sie inklusive der Wohnungsbauprämie von insgesamt 910,10 Euro über ein Guthaben von 41.462 Euro. "Beim Sparplan der Volkswagen Bank hingegen hätte sie bei identischer Monatsrate im selben Zeitraum 45.338 Euro zusammen", rechnet Gottschalk vor. Ein Plus von 3876 Euro.
Bei der vereinbarten Summe von 100.000 Euro muss der Bausparer anschließend ein Darlehen von 59.449 Euro aufnehmen und binnen zehn Jahren tilgen. Die Bausparkasse beziffert den Darlehenszins zwar nur mit 3,75 Prozent pro Jahr. "Wird der Minderertrag von 3876 Euro gegenüber dem Banksparplan berücksichtigt, ergibt sich beim Bauspardarlehen jedoch ein Effektivzins von 5,11 Prozent pro Jahr", sagt Gottschalk. Nur wenn der Zinssatz für ein klassisches Annuitätendarlehen in zehn Jahren höher liegen sollte, sei der Bausparer im Vorteil.
Dafür ist er unflexibler. "Da das Darlehen in zehn Jahren getilgt sein muss, fällt eine Monatsrate von mindestens 600 Euro an", sagt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Der Bankkunde hingegen könne im Fall höherer Zinsen zunächst ein Annuitätendarlehen mit kurzer Laufzeit und niedriger Tilgung abschließen, um seine monatliche Belastung zu verringern - oder einen höheren Kaufpreis finanzieren.
"Wird die identische Monatsrate von 600 Euro für ein Annuitätendarlehen mit zehnjähriger Laufzeit zu einem Zinssatz von 4,5 Prozent und einer Tilgungsquote von einem Prozent verwendet, beträgt das Kreditvolumen rund 130.000 Euro" , so Hentschel. Einschließlich des angesparten Eigenkapitals von 45.338 Euro stünden dem Bankkunden bei gleicher monatlicher Belastung insgesamt 175.338 Euro zum Immobilienerwerb zur Verfügung, während es beim Bausparer nur 100.000 Euro sind.
VPB-Kommunikationschef Alexander Nothaft sieht dennoch gute Gründe für das Bausparen: "Da die Zinsen bei Vertragsbeginn festgeschrieben werden, haben Bausparer eine sichere Kalkulationsgrundlage." Zudem könnten Eigentümer von Bestandsobjekten über Bausparverträge Rücklagen für Reparaturen bilden.
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