In den ersten drei Monaten dieses Jahres bezahlten nur 67,2 Prozent der Kunden zum vereinbarten Zeitpunkt. Im selben Vorjahreszeitraum waren es noch 68,3 Prozent. Auch müssen die Unternehmen auf die Begleichung bereits überfälliger Rechnungen länger warten. War der Zahlungsverzug zuvor drei Jahre lang rückläufig, stieg er zuletzt wieder - auf 12,5 Tage; im Frühjahr 2008 waren es noch 12,1 Tage.
Dies ist das Ergebnis einer Auswertung von Tausenden Zahlungsbelegen durch die Wirtschaftsausakunftei Creditreform, die im Mai veröffentlicht wird. Michael Bretz, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung bei Creditreform, befürchtet eine Trendwende: "Wir rechnen im Laufe des Jahres mit noch deutlich längeren Zahlungsfristen."
Schwache Zahlungsmoral bei öffentlichen Auftraggebern
Besonders auffällig ist die schwache Zahlungsmoral der öffentlichen Auftraggeber. Fast ein Drittel der hoheitlichen Kundschaft lässt sich mitunter deutlich mehr als einen Monat Zeit mit dem Bezahlen, hat Creditreform in einer Umfrage ermittelt. Die Werte für private Kunden liegen deutlich niedriger.
EU-Industriekommissar Günter Verheugen will künftig ¬Behörden - die, wie er sagt, "schlechtesten Zahler" - hart bestrafen, wenn sie Rechnungen zu spät begleichen. Im Schnitt 40 Tage brauchen deutsche Amtsstuben, um eine Rechnung zu bezahlen. In der Folge geraten viele Unternehmen in Insolvenzgefahr, hat die Europäische Kommission beobachtet. Verheugen ist fest entschlossen, die Zahlungsfrist für öffentliche Institutionen in der Europäischen Union einheitlich auf 30 Tage festzulegen. Bereits vom 31. Tag an sollen dann neben Verzugszinsen und Mahngebühren auch Entschädigungen von bis zu fünf Prozent der Auftragssumme fällig werden.
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