08.03.2010

Pflegezusatzversicherung: Doppelt hilft besser

Von: Anne-Christin Gröger
Eine Pflegezusatz-Police schont das Vermögen im Alter
Eine Pflegezusatz-Police schont das Vermögen im Alter
© fotolia.com
Die privaten Krankenversicherer freuen sich über die Pläne der Bundesregierung, für eine obligatorische Pflegezusatzversicherung. Bislang läuft ihr Geschäft mit den Policen schleppend. Was Kunden beachten müssen, die heute einen Vertrag abschließen wollen.

Gesundheitsminister Philipp Rösler will die obligatorische Pflegezusatzversicherung für alle einführen. Kapitalgedeckt soll sie sein und die gesetzliche Absicherung für den Pflegefall auf festere Füße stellen. Schließlich werden die Menschen immer älter, und der medizinische Fortschritt sorgt dafür, dass die Kosten im Gesundheitssystem steigen. Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) werden in Zukunft nicht mehr reichen, um die Menschen im Alter ausreichend zu versorgen, davon ist die schwarz-gelbe Bundesregierung überzeugt.

Die privaten Krankenversicherer (PKV) freuen sich über die Pläne des Ministers. Sie bieten die Deckungen zwar schon an, doch bisher läuft das Geschäft schleppend. Eine Pflichtzusatzversicherung für die Pflege im Alter könnte Schwung in den Verkauf bringen. "Wenn die obligatorische Pflegezusatzversicherung kommt, werden wir mit unserem Angebot darauf reagieren", sagt ein Allianz-Sprecher.

Pflegeplatz kann mit 3000 Euro zu Buche schlagen

Wer im Alter gut abgesichert sein will, für den kann es schon heute sinnvoll sein, eine Zusatzpolice abzuschließen. Denn ein Pflegeplatz für eine vollstationäre Betreuung kann monatlich 3000 Euro kosten und schnell Rente und Erspartes von Betroffenen und Angehörigen auffressen. Die Versicherer bieten die privaten Deckungen in drei Varianten an. Die Pflegetagegeldpolice zahlt dem Patienten je nach Pflegestufe eine vorher vereinbarte Summe pro Tag aus, unabhängig von den tatsächlichen Kosten. Der Pflegebedürftige kann frei darüber entscheiden, wie er das Geld verwendet, etwa für die Hilfe von Angehörigen oder Freunden. Nachteil: Wird die Betreuung teurer als gedacht, übernimmt der Versicherer nicht die zusätzlichen Kosten.

Die Pflegekostenpolice dagegen stockt die Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung auf. "Die Kosten müssen Versicherte allerdings durch Rechnungen nachweisen", sagt Lilo Blunck vom Bund der Versicherten. Das ist viel Bürokratie, die der Pflegebedürftige oder seine Angehörigen auf sich nehmen müssen. Anders als bei der Tagegeldpolice sind Preissteigerungen aber inklusive.

Je später der Einstieg, desto teurer

Als völlig überflüssig und gefährlich betrachtet Blunck hingegen Pflegerentenpolicen. Die Expertin hält deren Deckungsbeiträge für zu hoch. "Die Angebote sind intransparent und viel zu teuer", sagt sie.

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Wer eine Police abschließen möchte, sollte das nicht erst im hohen Alter tun. "Es empfiehlt sich, eine Zusatzdeckung so früh wie möglich abzuschließen", sagt der Allianz-Sprecher. "Dann sind die Beiträge noch niedrig." Sein Rat kommt wenig überraschend, schließlich verdient sein Arbeitgeber mit den Policen Geld. Doch auch Blunck rät zu einer rechtzeitigen Entscheidung. "Wenn die Kinder aus dem Haus sind und genug Geld da ist, ist es Zeit, sich über die Pflegeabsicherung im Alter Gedanken zu machen", sagt sie.

Auch Spätentschlossene haben eine Chance auf einen Vertrag. "Da ist dann nur der monatliche Beitragssatz höher", sagt ein Sprecher der Ideal Versicherung, die auf die Absicherung von älteren Menschen spezialisiert ist. Kinder, die für die Eltern vorsorgen wollen, können eine Police abschließen, etwa wenn sie weit entfernt wohnen und fürchten, sich im Ernstfall nicht um ihre pflegebedürftigen Eltern kümmern zu können. "Voraussetzung ist, dass die Kinder volljährig sind und die versicherte Person den Vertrag mitunterschreiben kann, also noch voll geschäftsfähig ist", sagt der Allianz-Sprecher.

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