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18.11.2010

Private Krankenversicherung: HUK-Coburg will PKV-System ändern

Von: Ilse Schlingensiepen

© Getty Images
Die Beiträge für Privatversicherte steigen in der Regel im Alter stark. Das schadet dem Ruf der privaten Krankenversicherer. Die HUK-Coburg fordert jetzt weitreichende Änderungen: Kostensteigerungen der Medizin sollen in Alterungsrückstellung und Tarife eingebaut werden.

Der Anbieter HUK-Coburg fordert eine weitreichende Änderung der Methode, mit der private Krankenversicherer (PKV) ihre Alterungsrückstellung kalkulieren. So sollen künftig auch medizinische Kostensteigerungen in den Rückstellungen und somit auch den Tarifen berücksichtigt werden. Zwar würde ein solcher Umbau kurzfristig zu höheren Prämien führen, aber langfristig die Belastung der Versicherten im Alter senken, glaubt HUK-Coburg-Vorstand Hans Olav Heroy.

Die PKV mutet ihren Versicherten derzeit eine Serie von Preiserhöhungen wegen höherer Ausgaben und niedriger Zinsen zu, während einige Anbieter versuchen, mit Billigsttarifen im Segment Freiberufler und Selbstständige Neukunden zu gewinnen. Das schadet dem Ruf der Branche, die sich von der schwarz-gelben Bundesregierung einen Schub erhofft. Auch höhere Beiträge im Alter stören.

"Die PKV hat das Problem, dass die Alterungsrückstellungen anhand der Gesundheitsausgaben kalkuliert werden, die wir heute kennen", sagte Heroy bei einer Fachtagung in Köln. "Die medizinische Inflation ist dabei nicht berücksichtigt." Unter medizinischer Inflation verstehen die Versicherer die vermehrten Ausgaben, die durch neue Behandlungsmethoden oder teure neue Medikamente entstehen. Die Folge: Erhöht ein Versicherer seinen Beitrag, weil er die aktuelle medizinische Inflation an die Kunden weitergibt, klafft sofort ein Loch in der Alterungsrückstellung. Sie muss der einzelne Kunde schließen, die Beitragserhöhung fällt umso größer aus.

Als Folge zahlen Bestandskunden oft höhere Beiträge als Neukunden, die sich mit dem gleichen Eintrittsalter und ähnlichem Gesundheitszustand versichern. "Der Bestandskunde hat keine Garantie, dass der Bestandsbeitrag nicht höher ist als der Neugeschäftsbeitrag", sagte Heroy.

Die Krankenversicherer sollten die medizinische Inflation deshalb auch schon bei der Bildung der Alterungsrückstellungen einkalkulieren, verlangte er. Das würde helfen, das Thema steigende Beiträge im Alter endgültig in den Griff zu bekommen.

Die PKV habe in der Vergangenheit schon viel dafür getan, die Diskrepanz zwischen Neu- und Bestandskunden zu verringern, sagte Heroy. Dass sie aber noch nicht endgültig vom Tisch ist, zeige sich in der aktuellen Niedrigzinsphase, in der weniger Mittel für die Dämpfung hoher Beiträge im Alter gebildet werden.

Nach Heroys Vorstellungen sollten die PKV-Unternehmen bei jeder Beitragsanpassung kalkulieren, wie hoch die gesamte entstandene Lücke in den Alterungsrückstellungen ist und dann von allen Versicherten einen entsprechenden Zuschlag verlangen. Das hätte in der Einführungsphase eine solidarische Komponente, denn jüngere Versicherte müssten den Zuschlag länger zahlen als ältere. "Die Alternative wäre, die älteren Kunden die Lücke allein zahlen zu lassen."

Mit dem Modell müsste die HUK-Coburg bei bestehenden Kunden die Beiträge um null bis drei Prozent erhöhen. Bei kapitalschwachen Unternehmen wären wohl höhere Sätze notwendig, räumte er ein.

"Es wäre aus Marketinggründen nicht schlecht, wenn wir den Kunden sagen könnten: Du wirst nie mehr bezahlen müssen als jemand, der im selben Alter in die PKV eintritt wie du", betonte Heroy. Die gesamte Branche solle sich für das Modell entscheiden.

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