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11.10.2011

Rechnungswesen: So bleibt der Mittelstand flüssig

Von: Daniela Reichart , Michael Sudahl

Zoom 
© FTD/Julia Nüsch
Volle Vorratslager, offene Rechnungen, neue Maschinen - vor allem Betriebe mit Saisonprodukten müssen ihre Finanzen beisammen halten. Mit einer guten Liquiditätsplanung können auch Mittelständler stets flüssig bleiben.

Noch vor vier Jahren verschickte Johann Georg Frey per Hand 150 Kartons und Kisten täglich. Jede Rechnung musste er einzeln katalogisieren. Den Überblick über alle Abläufe der Gansloser Destillerie nur mit Excel-Tabellen zu behalten, war zeitraubend. Heute ist das undenkbar. Effizienz in den Abläufen ist für die Edelobstbrennerei aus dem württembergischen Bad Ditzenbach enorm wichtig. Nur so können Kaufhäuser, Gourmettempel und Sternehotels pünktlich und zuverlässig beliefert werden.

Unruhige Finanzmärkte, schwieriger gewordene Aufnahme von Kapital, sich immer rascher ändernde Geschäftswelt - all das bringt kleine Unternehmen unter Zugzwang, wenn es um die Kontrolle ihrer Liquidität geht. Zumal bei produzierenden Betrieben zwischen 15 bis 20 Prozent des Jahresumsatzes im Materialaufwand gebunden sind, wie Experten berichten. Doch nicht nur deshalb erhöhen sich die Ansprüche an Rechnungswesen und Controlling im Mittelstand.

Nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz von 2010 müssen Banken besser informiert werden. Wie die Kreditversicherer wollen die Geldhäuser von den Kunden seither mehr Informationen über deren Liquiditätspläne. In der Wirtschaftskrise hat sich schließlich gezeigt, wie schnell Firmen knapp bei Kasse sind, wenn es an einem Liquiditätsplan mangelt, der auch Worst-Case-Szenarien umfasst.

"Von Hand und nur per Excel-Tabellen lassen sich im Mittelstand weder kurz-, mittel- noch langfristige Gewinn- und Verlustrechnungen, Bilanz- oder Finanzplanungen handhaben", sagt Wirtschaftsprüfer Andreas Beuttler: "Denn die Wertschöpfungsketten werden zunehmend komplexer." Softwaregestützte Analysen sind für den Stuttgarter unerlässlich, der vor allem Mittelständler berät und Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BHP ist. Auf Unternehmensfinanzierung und Controlling spezialisiert, implementiert Beuttler bei Firmen unterschiedlichster Branchen Cash-Management-Systeme.

Viele Mittelständler vernachlässigen Bilanzplanung

Zwar ist eine Planung der Gewinn- und-Verlust-Rechnung (GuV) hier seit Jahren als Standard weitverbreitet, doch kümmert sich höchstens ein Drittel der mittelständischen Betriebe zusätzlich um Bilanzplanungen. "Ohne diese entstehen oft überraschende Lücken bei der Liquidität", sagt Beuttler.

Denn Umsatz und Jahresüberschüsse oder Fehlbeträge der GuV sagen nicht aus, wann Zins und Tilgung, Eingangsrechnungen oder Investitionsausgaben fällig sind. Wie sich Lagerbestände, Abnahmeverträge, Darlehen und Maschinenkäufe auf die Liquidität auswirken, werde erst in einer Bilanzvorschau ersichtlich. "Obwohl in der GuV alles im grünen Bereich ist, bildet sie ohne ergänzende Bilanzplanung die Hochs und Tiefs der liquiden Mittel übers Jahr nicht vollständig ab", sagt der Experte. Da könne es leicht passieren, dass Controller im Dezember nicht wissen, dass sie zwischen März und November 500.000 Euro benötigen.

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Quelle: ftd.de
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