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20.01.2012

Rentenverträge: Leben lohnt sich nicht

Von: David Selbach

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© Rosemarie Schöningh
Seit Jahren sinken die Renditen von Lebensversicherungen, Unternehmer sollten prüfen, ob sich die Policen noch lohnen. Tot ist der Vorsorgeklassiker aber nicht: Steuervorteile bleiben.

Seit einiger Zeit hatte Hans S. ein mulmiges Gefühl. "Überall war zu lesen, dass Lebensversicherungen nicht mehr so laufen, wie sie sollen. Das hat mich verunsichert", erinnert sich der Handwerker aus Hessen an den Herbst des vergangenen Jahres. Der 55-jährige Unternehmer, der seine 25-Mann-Firma vor einigen Jahren verkauft hat und seitdem als Sachverständiger in seiner Branche arbeitet, besitzt mehrere Immobilien - damals überwiegend finanziert über Darlehen, die nicht in Raten, sondern am Ende der Laufzeit auf einen Schlag zurückgezahlt werden müssen. Um das Geld dann parat zu haben, zahlte S. regelmäßig in Kapitallebensversicherungen ein, die zeitgleich mit den Darlehen endeten. 20 Policen hatte er abgeschlossen, die ältesten datierten zurück bis 1980.

Magere Renditen

Der Unternehmer wandte sich an einen Finanzberater, ließ die Verträge durchrechnen. Und war schockiert: "Ich ahnte, dass sich viele Policen wohl nicht mehr rentierten", sagt S., der mit dem kleinen Finanzdebakel lieber nicht namentlich genannt werden will. "Aber ich wusste nicht, wie wenig sie tatsächlich abwarfen." Der schlechteste Vertrag hätte eine zukünftige Rendite von gerade einmal 0,14 Prozent geschafft. Der Handwerker kündigte sofort. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

So wie Hans S. geht es immer mehr Unternehmern. Die Auszahlungsbeträge, also die Summe, die Versicherte am Ende der Laufzeit für Kapitallebensversicherungen bekommen, sinken seit Jahren. Bekamen Versicherte, deren Zwölf-Jahres-Police im Jahr 2000 auslief, laut Branchendienst "Map-Report" durchschnittlich 6,22 Prozent Rendite auf die eingezahlten Beiträge, waren es für Policen, die 2011 zur Auszahlung kamen, nur noch 3,24 Prozent. Das ist kaum mehr als die Inflation. "Die Situation wird anhalten, sogar eher noch schlimmer werden", prognostiziert Stefan Bauer vom Vermögensberater Franz Heinrich Bauer aus Münster.

Unternehmer wie Handwerker Hans S. erkennen die Talfahrt der Branche an den jährlichen Schreiben ihrer Versicherer: Darin sagen die Anbieter voraus, mit wie viel Geld die Versicherten am Ende der Laufzeit rechnen können. Wenn sie die Schreiben vergleichen, stellen sie immer öfter fest: Die Beträge verringern sich mit den Jahren.

Unterm Strich bestensfalls eine Minirente

Gerade für Mittelständler kann das mitunter Probleme mit sich bringen, denn sie sorgen traditionell gern per Versicherungsvertrag vor. Sie nutzen die Policen zum Sparen, um später damit Darlehen zurückzuzahlen, stellen irgendwann aber fest, dass vom einst prognostizierten Auszahlungsbetrag von 500.000 Euro, berechnet mit üppigen Fantasiezinsen von sieben Prozent oder mehr, nur 350.000 Euro übrig bleiben werden. Andere zahlen in Lebensversicherungen ein, um später ihre eigene Pensionszusage damit zu finanzieren - und merken dann, dass das Geld dafür überhaupt nicht reichen wird. Oder sie wollen mit einer Police selbst fürs Alter vorsorgen - und wissen heute schon, dass unterm Strich bestenfalls eine Minirente stehen dürfte.

Zwar bescheinigten die Analysten von Morgen & Morgen deutschen Lebensversicherern noch Ende Oktober, dass sie einigermaßen krisenfest seien. Die Experten stellten aber auch fest: Eigenmittel und Überschüsse sinken. Das niedrige Zinsniveau macht es schwierig, Vermögen aufzubauen. Und eine Wende ist derzeit nicht in Sicht, hat die Europäische Zentralbank doch gerade erst wieder die Zinsen gesenkt.

Um für ihre Kunden dennoch einigermaßen Geld zu verdienen, weichen Versicherer vermehrt auf riskantere Anlagen aus. Sie sind zwar angehalten, einen Großteil der Mittel in festverzinsliche Wertpapiere zu investieren. Bundesanleihen, lange das Produkt der Wahl, werfen zu wenig ab. Die Versicherer finanzieren stattdessen private Hypothekendarlehen, kaufen Pfandbriefe oder Unternehmensanleihen. Das seien überwiegend Anlagen mit Investmentgrade, betont Peter Schwark vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Aber die Branche braucht die Risikoprämien.

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Quelle: impulse
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