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15.06.2010

Rohstoffmarkt: Kupfer lockt mutige Anleger

Von: Christian Ingerl
Die chilenische Escondida-Mine von BHP Billiton liefert Kupfer für den Weltmarkt
Die chilenische Escondida-Mine von BHP Billiton liefert Kupfer für den Weltmarkt
© Bloomberg
Schuldenkrise und Konjunktursorgen belasten die Metallpreise. Während Gold von der Inflationsangst profitiert, sind Industriemetalle stärker betroffen. Jetzt wittern Analysten jedoch Chancen auf eine Erholung der Kurse.

Der Rohstoffmarkt gibt derzeit ein sehr gemischtes Bild ab. Während der Preis für Gold stets neue Höhen erklimmt, stehen Industriemetalle eher auf der Verkaufsliste. Zu einem regelrechten Crash kam es jüngst bei Kupfer, dessen Preis innerhalb weniger Wochen von 8000 Dollar pro Tonne auf rund 6000 Dollar abstürzte. Anleger können mit Zertifikaten und anderen Papieren darauf wetten, dass dieser Preisverfall übertrieben war und sich die Kurse erholen werden.

Die Entwicklung bei Gold und Kupfer belegt einmal mehr, wie unterschiedlich die Rohstoffpreise beeinflusst werden. Während Gold von der Inflationsangst profitiert, hängen die Notierungen der Industriemetalle stark von den konjunkturellen Perspektiven ab. Insbesondere der Kupferpreis gilt als wichtiger Indikator der globalen Wirtschaftsentwicklung, denn das Metall ist ein wichtiger Bestandteil in vielen Produkten, seien es Autos, Stromleitungen oder Elektrogeräte.

Und zuletzt verhießen die Nachrichten nichts Gutes. In China, dem weltweit größten Abnehmer von Industriemetallen, droht die Wirtschaft nach dem starken Wachstum in den vergangenen Jahren zu überhitzen. Dem versucht die chinesische Regierung mit verschiedenen Maßnahmen entgegenzusteuern, etwa einer Straffung der Geldpolitik. Und ein gedrosseltes Wachstum bedeutet nun mal weniger Nachfrage.

Das gilt nicht nur für China, sondern auch für Europa, wo viele Staaten immense Sparprogramme aufgelegt haben, um die ausufernde Verschuldung zu stoppen. Doch dies könnte in den nächsten Jahren ein schwächeres Wirtschaftswachstum zur Folge haben. "Es bestehen große Unsicherheiten bezüglich der Nachhaltigkeit der chinesischen Industriemetallnachfrage, und auch die Erholung der Konjunktur in den USA und Europa steht weiterhin auf eher wackeligen Beinen", sagt Carsten Menke, Rohstoffanalyst bei der Schweizer Privatbank Julius Bär.

Auf der anderen Seite könnte der jüngste Preiseinbruch etwas überzogen sein. Denn auch wenn der Risikoappetit der Anleger etwas abgenommen hat: Chinas Wirtschaft ist trotz Abkühlung auf dem besten Weg, 2010 prozentual zweistellig zu wachsen. "Die jüngste Korrektur bei den Industriemetallen hat dazu geführt, dass die Preise nun besser die aktuellen Fundamentaldaten reflektieren", sagt Menke. Sollten die Kurse längere Zeit auf diesem Niveau verharren, dürfte es seiner Meinung nach beispielsweise bei Aluminium und Zink zu Produktionskürzungen kommen, da einige Hütten in die Verlustzone rutschen werden. Und das verknappte Angebot könnte die Preise schon bald wieder anschieben.

Rohstoffanalyst Jeffrey Currie von Goldman Sachs sieht in der jüngsten Korrektur jedenfalls eine klare Einstiegschance. Seiner Ansicht nach unterschätzt der Markt die Stärke des globalen Aufschwungs - und überschätzt auf der anderen Seite die Gefahren der Schuldenkrise. Currie erwartet zum Ende des Jahres einen Kupferpreis von 7755 Dollar je Tonne. Das würde ein Plus von rund 20 Prozent zum aktuellen Niveau bedeuten.

Eher vorsichtige Anleger können mit dem im Frühjahr emittierten Bonus-Cap-Zertifikat der Société Générale auf den Kupferpreis setzen. Für den Fall, dass der Preis des roten Metalls noch einmal sinkt, ist in dem Produkt ein Risikopuffer eingebaut. Sollte das Schutzpolster von 29 Prozent ausreichen, erzielt das Investment eine Rendite von 20,3 Prozent - eine Kurssteigerung ist dabei nicht nötig. Das Bonuspapier verfügt über eine sogenannte Quanto-Struktur, Währungsverschiebungen zwischen Dollar und Euro spielen also keine Rolle. Kleiner Wermutstropfen: An Kursen über 8500 Dollar partizipieren Anleger nicht mehr.

Mit Indexzertifikaten und Fonds lässt sich dagegen nicht nur langfristig auf steigende Metallpreise setzen, sondern auch unbegrenzt nach oben verdienen. Aktiv verwaltete Portfolios sind allerdings häufig über alle gängigen Rohstoffe wie Öl oder Agrarrohstoffe hinweg diversifiziert. Ein reinrassiges Metallinvestment ist etwa mit Exchange-Traded Commodities (ETCs) möglich. Dabei handelt es sich wie bei Zertifikaten um Schuldverschreibungen. Allerdings bestimmt nicht der Emittent den Preis, sondern spezialisierte Market-Maker. Vorteil für Anleger: Sie dürfen jederzeit mit einem fairen Preis rechnen. Ein entsprechendes Papier von ETF Securities auf den Dow Jones Industrial Metals Index kommt mit einer jährlichen Gebühr von 0,49 Prozent aus. Schwergewichte in dem Basiswert sind Kupfer und Aluminium mit zusammen 71 Prozent, der Rest verteilt sich auf Nickel und Zink.

Eine ähnliche Entwicklung wies zuletzt das Papier der Royal Bank of Scotland auf. Der zugrunde liegende Korb enthält auch Blei, ist also etwas breiter gestreut. Etwas schwächer schnitt in den vergangenen zwölf Monaten der S&P GSCI Industrial Metals Index ab. Wie bei der Royal Bank setzt sich das Portfolio aus Aluminium, Blei, Kupfer, Nickel und Zink zusammen. Goldman Sachs bietet ein Bonuszertifikat mit kurzer Restlaufzeit an, das 42,5 Prozent Rendite bietet, selbst wenn der Index seitwärts tendiert.

© 2010 ftd

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