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12.08.2010

Run auf Rohstoffe: Der Preis ist heiß

Von: Tobias Bayer und Jens Brambusch

© dpa
Weizen, Kakao, Kaffee, Zucker - seit große Finanzinvestoren mitmischen, sind die Preise vieler Agrarrohstoffe außer Kontrolle. Auch hier hilft nur: Regulierung.

Mit einem Auge linst Andreas Christiansen immer wieder zum rechten Monitor auf seinem Schreibtisch. Dort zeigt ein Chart den Kakaopreis, sekündlich aktualisiert. Seit vier Tagen kennt der nur eine Richtung: steil nach unten, nachdem er kurz zuvor so hoch stand wie zuletzt vor 33 Jahren. "Der Markt ist unberechenbar geworden", sagt Christiansen mit der Ruhe eines hanseatischen Kaufmanns.

Christiansen ist Kakao-Broker, er handelt mit Kakaobohnen und hilft Schokoladenherstellern, ihre Kontorhäuser zu füllen. Der Geschäftsführer der Hamburg Cocoa & Commodity Office GmbH residiert in einem Büro im Hamburger Stadtteil Eppendorf. Hinter ihm der Familienstammbaum in Öl, der bis ins 13. Jahrhundert zurückgeht, vor ihm eine ungewisse Zukunft.

In seinem Geschäft ist nichts mehr so, wie es über Jahrzehnte war. Es herrscht Chaos, neben den traditionellen Händlern mischen inzwischen auch Finanzinvestoren und große Banken mit. Eben erst sei eine Meldung von ABN Amro zum Kakaopreis gekommen, erzählt Christiansen. "Was haben die denn bitte mit Kakao zu tun?", bricht es aus ihm heraus.

Seit Wochen sind die Märkte in Aufruhr. Die Kurskapriolen sind alarmierend, nicht nur beim Kakao. Der Weizenpreis schoss in einem Monat um knapp 30 Prozent nach oben, der Kaffeepreis seit Januar um 21 Prozent. Zucker war erst so teuer wie zuletzt in den 70er-Jahren, brach um die Hälfte ein und steigt seitdem. Jede Kalkulation wird hinfällig.

Sicher, das wilde Auf und Ab an den Rohstoffbörsen hat viele Ursachen: Die gestiegene Nachfrage in Indien und China, die Hitze in Osteuropa, die Brände in Russland und Missernten beeinflussen die Preise. Aber dann sind da noch die Spekulanten, die mit ihren Wetten an den Terminbörsen die Kurse beeinflussen - unkalkulierbar und unkontrollierbar.

Christiansen beugt sich über den "CRA Cocoa Report", die "Bibel der Kakaohändler". Mit einem gelben Marker kringelt er Zahlen ein. Früher, erzählt er, habe es für den Kakaohandel zwei Grunddaten gegeben: Produktion und Vermahlung. Danach richtete sich der Preis. Und der sei berechenbar gewesen. Doch seit Finanzinvestoren in das Geschäft eingestiegen seien, gebe es Verwerfungen.

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