07.06.2010

Schadenersatz: Huk will Millionen von Autoglaskartell

Von: Herbert Fromme
Das große Geschäft mit dem Sprung in der Windschutzscheibe
Zoom Das große Geschäft mit dem Sprung in der Windschutzscheibe
Jahrelang sollen die Hersteller von Autoglas zu hohe Preise für Windschutzscheiben und andere Glasteile berechnet haben - der zweitgrößte deutsche Autoversicherer wehrt sich und fordert sein Geld zurück.

Entsprechende Informationen der Gruner und Jahr Wirtschaftsmedien bestätigte ein Unternehmenssprecher: "Wir haben die Firmen bereits kontaktiert." Der Versicherer prüfe gleichzeitig eine Klage gegen die Hersteller. Die EU-Kommission hatte im November 2008 Strafen in Höhe von 1,38 Milliarden Euro gegen die Autoglasproduzenten Asahi aus Japan, Pilkington aus Großbritannien - seit 2006 Teil der japanischen NSG -, die französische Saint-Gobain sowie Soliver aus Belgien verhängt. Die EU warf ihnen vor, jahrelang durch enge Absprachen die Preise für Windschutzscheiben, Autofenster, Scheinwerfergläser und andere Fahrzeugteile künstlich hochgehalten zu haben.

Dabei ging es einerseits um die Ausstattung von Neufahrzeugen, andererseits um Original-Ersatzteile für beschädigte Fahrzeuge. Die betroffenen Hersteller zahlten ihre Strafen und wechselten den größten Teil der in den Skandal verwickelten Manager aus.

Für die Glashersteller sind die Ansprüche brisant. Selbst wenn sie die Forderungen der HUK-Coburg mit einem Millionenvergleich befriedigen würden, wären sie nicht aus dem Schneider: Mit Sicherheit verlangen dann viele andere Versicherer in Europa ähnliche Entschädigungen.

HUK-Coburg argumentiert, der Versicherer habe wegen des Kartells zu viel für Unfallschäden zahlen müssen. "Die genaue Summe lässt sich noch nicht beziffern", sagte der Sprecher: "Aber alleine für die HUK-Coburg geht es um einen bedeutenden Millionenschaden." Das Geld will sich das Unternehmen von den Glasherstellern wiederholen. "Nach unserem Kenntnisstand will auch ein britischer Versicherer Schadensersatz", sagte der Sprecher weiter.

Huk hat eigenes Netz an Partnerwerkstätten

Das aggressive Vorgehen der HUK-Coburg gegen Lieferanten ist neu und zeigt die Schärfe der Konkurrenz unter den Autoversicherern. Seit Jahren sinken die Prämien, Einsparungen im Schadenaufwand sind entscheidend für die Konkurrenzfähigkeit. HUK-Coburg ist mit 8,5 Millionen Fahrzeugen ganz knapp hinter der Allianz der zweitgrößte Autoversicherer des Landes und sieht sich als einen der größten Käufer von Autoteilen.

Der Versicherer hat ein eigenes Netz von Partnerautowerkstätten aufgebaut, die zu fest vereinbarten Stundensätzen arbeiten. So will HUK-Coburg den Schadenaufwand senken. Kunden erhalten einen Rabatt, wenn sie ihre Fahrzeuge bei Kaskoschäden nur dort reparieren lassen.

Die Ansprüche gegen die Autoglashersteller entspringen derselben Einsparlogik. Setzt sich der Versicherer durch, wäre das auch eine deutliche Warnung an andere Lieferanten.

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