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07.09.2010

Schiffsfinanzierung: Banken geben für Schiffe kein Geld mehr

Von: Patrick Hagen

© Getty Images = Getty Images
Banken sind Experten zufolge nicht länger bereit, bei der Schiffsfinanzierung in Vorleistung zu gehen. Die Institute wollen mehr Sicherheiten für die Vorfinanzierung von Frachtern.

In Zukunft werden die Banken derartige Vorfinanzierungen nicht mehr leisten, sagte Klaus Stoltenberg, Leiter Schiffs- und Flugzeugfinanzierung der Nord/LB, am Montag auf dem Ship Finance Forum der Financial Times Deutschland und der Messe Hamburg. "Bei neuen Bestellungen wollen die Banken zuerst das Eigenkapital sehen", sagte er. Auch bei vermieteten Schiffen wollten die Institute zusätzliche Sicherheiten wie den direkten Zugriff auf Charterzahlungen, um sich gegen Schieflagen von Fonds und Reedereien besser abzusichern.

Deswegen erwarten Branchenvertreter, dass das deutsche System der Schiffsfinanzierung über geschlossene Fonds stark an Bedeutung verlieren wird. "Das System wird fortbestehen, aber auf einer deutlich kleineren Grundlage", sagte Frank Bergert von E.R. Capital, der Holdinggesellschaft des Hamburger Reeders Erck Rickmers.

Vor allem Privatanleger haben einen Großteil der bislang von Reedern bestellten Schiffe über Schiffsfonds finanziert. Die Investoren stellten das Eigenkapital von 30 bis 50 Prozent des Projektwerts zur Verfügung, der Rest kam von Banken per Schiffshypothek. Das System hat Deutschland zu einem führenden Schifffahrtsstandort gemacht. Diese Entwicklung hatte die pauschale Tonnagesteuer begünstigt, die Anlegern steuerfreie Ausschüttungen garantiert und den Vertrieb der Fonds erleichtert hatte.

Da das Eigenkapital für den Schiffskauf üblicherweise erst nach der Bestellung des Frachters eingesammelt wurde, finanzierten Banken es vor. Dafür erhielten sie im Gegenzug Garantien von den Emissionshäuser, die die Fonds auflegten. Dieses System entging in der Finanzkrise nur knapp dem Kollaps: Die Anleger traten in einen Käuferstreik, zugleich konnten viele Emissionshäuser ihre Garantien nicht mehr erfüllen, und Banken mussten zur Rettung einspringen. Auf diesem Wege wurden etwa die Commerzbank und die HSH Nordbank zu unfreiwilligen Anteilseignern des Fondshauses HCI Capital.

Schiffsfonds finanzieren Schiffe für Charterreedereien, die diese an die großen Linien vermieten, die dann schließlich den Transport der Ware organisieren. Bedienen Fonds oder Reeder ihre Kredite nicht, wollen die Banken künftig direkt an die Chartereinnahmen - ein Novum. "Gewöhnlich haben Banken keinen direkten Zugriff", sagte Stoltenberg von der Nord/LB.

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