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24.08.2010

Soli unter Beschuss: Schluss mit Solidarität beim Pensions-Sicherungs-Verein

Von: Anja Krüger

Zoom 
© Getty Images
Eigentlich hat der Pensions-Sicherungs-Verein eine friedvolle Aufgabe: Er schützt die Betriebsrenten nach der Firmenpleite. Doch in der Krise sind die Beiträge explodiert. Nun erlebt der Verein eine Welle des Aufstands - das ganze System ist in Gefahr.

Vier Stunden lang hat Wilhelm Seggewiß die Leute auf dem Podium genervt, jetzt ist die Security dran: Ein bulliger Mann baut sich im schmalen Gang an der ersten Stuhlreihe auf, breitet die Arme aus und schüttelt den Kopf. Die Botschaft: Die Versammlung ist zu Ende, keiner kommt durch zum Podium.

Wilhelm Seggewiß, kaufmännischer Leiter des Bocholter Geschenkeherstellers Gilde Handwerk Macrander, aber hat sein Ziel erreicht: Er hat genervt. Lautstark hat er die Redner unterbrochen, sich immer wieder zu Wort gemeldet und Rechenschaft verlangt, zum Umgang mit der Arcandor-Pleite oder zu den Vermögensverhältnissen des Pensions-Sicherungs-Vereins (PSV). Zweimal musste die Sitzung unterbrochen werden, weil die Herren auf dem Podium nicht wussten, wie sie auf die Anträge der Aufmüpfigen reagieren sollten.

Die da oben, das sind: Martin Hoppenrath, Chef des PSV, und sein Aufsichtsratschef Dieter Hundt. Die sitzen nun erschlagen auf dem Podium. Was sie hier, an einem Julitag im Kölner Hyatt-Hotel erlebt haben, ist von einer neuen Qualität.

Dass sich Vorstand und Aufsichtsrat schützen, kennt man von Aktionärsversammlungen, bei denen aufgebrachte Kleinanleger in Schach gehalten werden müssen. Der Pensions-Sicherungs-Verein, der lange so unscheinbar und spannend war wie sein Name, kannte das nicht.

Jahrzehntelang ging das jährliche Treffen von Verbandsfunktionären, ergrauten Experten und Unternehmensvertretern recht reibungslos über die Bühne. Nun ist es vorbei mit dem Frieden. Dafür sorgt Seggewiß. Und er ist mit seiner Wut nicht allein.

Der PSV schützt die Ansprüche auf betriebliche Altersversorgung, die Beschäftigte und Rentner an Unternehmen haben. Viele Länder beneiden die Deutschen um diese Einrichtung. Und lange Jahre arbeitete der PSV geräuschlos und zuverlässig im Hintergrund. Wenn ein Unternehmen pleiteging, war der PSV zur Stelle.

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