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13.10.2010

Tipps für Hausbesitzer: Energiesparen mit dem Carbon-Footprint

Von: Miriam Beul-Ramacher
Für wirksamen Klimaschutz sind energiesparende Gebäude nicht ausreichend
Zoom Für wirksamen Klimaschutz sind energiesparende Gebäude nicht ausreichend
© Getty Images = Getty Images
Energiesparimmobilien sind vorbildlich, ohne Verhaltensänderungen aber nutzlos. Ein CO2-Footprint zeigt, wie viel Emissionen verursacht werden, und macht Fortschritte messbar.

Viele Büromieter haben zwar schon einmal etwas von Green Buildings gehört und auch von den verschiedenen nationalen und internationalen Gütesiegeln. Welche Vorteile eine nachhaltig geplante und errichtete Immobilie für sie bringt, wissen aber die wenigsten. Auch, dass es der Umwelt kaum nützt, wenn man auf einer Energiesparimmobilie sitzt, am eigenen Verhalten aber nichts ändert. Geld für eine bessere Kohlendioxidbilanz ausgeben, sich einschränken oder Gewohnheiten ändern - das ist eben erst einmal unbequem; für Unternehmen und Immobilieneigentümer ebenso wie für Privatleute. Raschere Akzeptanz finden jedoch überall Tipps und Tricks, die beim Kostensparen helfen oder den sportlichen Ehrgeiz wecken. Ein persönlicher Nutzen oder ein Imageplus müssen erkennbar sein.

Wichtige Voraussetzung dafür ist die Kenntnis der verursachten Emissionen. Und hier fängt das Problem an. "Die wenigsten Gebäudenutzer wissen heute, wie sich die Energie zusammensetzt, mit der sie heizen und ihr Wasser erwärmen", sagt Tajo Friedemann aus der Forschungsabteilung des Immobilienberaters Jones Lang LaSalle (JLL). So bieten viele Energieversorger ihren Kunden einen Mix aus verschiedenen Quellen an. Für den umweltbewussten Verbraucher ein Ärgernis. Denn französischer Atomstrom, norwegische Wasserkraft und deutsche Kohlekraft schneiden bei der Klimagasbilanz nun mal höchst unterschiedlich ab.

Letztlich aber kann heute jeder die von ihm verursachten CO2-Emissionen ausrechnen - amerikanische Webseiten versprechen das etwa mit wenigen Klicks für Privathaushalte wie für Büronutzer. Dort wird ermittelt, wie viel schädliche Klimagase durch Energieverbrauch, Mobilität und Müll zustande kommen. Die Amerikaner nennen das dann Carbon-Footprint; den Kohlendioxidabdruck, den eine Person oder ein Unternehmen mit seinem Verhalten hinterlässt. Dazu wird unter anderem der jährliche Strom-, Öl- und Gasverbrauch abgefragt. Firmen können auf diese Weise mit einem Corporate-Carbon-Footprint auch ihre Fortschritte und ihren Beitrag zur CO2-Reduktion messbar machen.

"Die US-amerikanischen Formeln darf man nicht eins zu eins auf Deutschland übertragen", warnt indes Friedemann vor zu viel Vertrauen in die Ergebnisse der Webseiten. Die Durchschnittswerte setzen sich anders zusammen, daraus ergeben sich abweichende Multiplikatoren. Allerdings gibt es auch hierzulande bereits etliche Möglichkeiten für Unternehmen, einen Kohlendioxidfußabdruck zu erstellen. Michael Bauer, Geschäftsführer von Drees & Sommer Advanced Building Technologies in Stuttgart, hält den CO2-Footprint von Immobilienportfolios jedenfalls für eine wichtige Ergänzung zum Nachhaltigkeitszertifikat. "Carbon-Portfolio-Management kann hier einen wichtigen Beitrag zu Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit leisten", zeigt er sich überzeugt.

Internetseiten wie www.carbonfootprint.com beschränken sich indes nicht darauf, pfiffige Rechenmethoden zu verbreiten. Es finden sich dort jede Menge Tipps, die Unternehmen und Mitarbeiter dazu ermuntern sollen, beim Klimaschutz mitzuwirken. Die ökologischen Manierenbücher empfehlen etwa, elektronische Geräte nicht im Standby zu lassen, Müll zu trennen und Glühbirnen durch Energiesparleuchten zu ersetzen.

"Solche Regeln halten in deutschen Unternehmen auch Einzug", sagt JLL-Energieexperte Friedemann. So könnten Manager mit dem sogenannten Greenhouse Gas Protocol (GHG) die von ihren Unternehmen verursachten Klimagasemissionen ermitteln, analysieren - und senken. Der erste Schritt liegt darin, eine nachhaltige Immobilie zu erwerben oder anzumieten. Im zweiten Schritt nimmt das Unternehmen nachhaltige Verhaltensregeln in seinen Corporate-Social-Responsibility-Katalog auf. Darin kann es zum Beispiel heißen, dass Flugreisen durch Bahnreisen ersetzt werden sollen, Konferenzen möglichst telefonisch stattfinden, bei Bedarf nur Hybridfahrzeuge ausgeliehen werden. "Und wer aufs Fliegen trotzdem nicht verzichten mag, kann seine Klimabilanz durch Spendenzahlungen wieder ins Lot bringen", sagt Friedemann.

© 2010 ftd.de

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